23 Mai 2011


Die trotz ihrer Jugend äusserst widerstandsfähigen Oklahoma City Thunder hatten sich im Vorfeld alles genau so zurecht gelegt, wie sie es geplant hatten. Mit einer beeindruckenden 26-6 Bilanz unmittelbar nach einer Niederlage im Schlepptau spielten sie die in der Serie führenden Mavericks früh und resolut an die Wand. Kevin Durant erzielte gleich 10 Punkte in den ersten Minuten und dann nochmal 8 zu Beginn des letzten Viertels. Die Thunder führten durchgehend, weniger als 5 Minuten vor Schluss sogar noch überdeutlich mit 99-84. Alles sah nach einem 2 zu 2 Ausgleich in der Serie und einem Best-of-3 mit Heimvorteil Dallas aus.

Plötzlich aber traf Choke-lahoma den Korb nicht mehr, und ein alter Bekannter übernahm auf der Gegenseite nach altvertrautem Muster: Dirk "The Dagger" Nowitzki (40 Punkte) fakte, wirbelte und windete sich zu 12 Punkten in einem vorentscheidenden 17-2 Lauf, der die Mavericks in die nicht mehr für möglich gehaltene Verlängerung katapultierte. Dort gingen die Pferdchen zum ersten Mal überhaupt an diesem Abend in Führung und liessen die Overtime-starken Thunder (verpassten während der reg. Saison mit 8 OT-Siegen nur knapp den NBA-Rekord) nicht zum Zug kommen. Deren Unerfahrenheit liquidierte sie in den letzten 10 Minuten dieses denkwürdigen Einbruchs. Weder der überforderte Coach (furchtbares Playcalling, das die Kritiker des eindimensionalen Scott Brooks wieder auf den Plan rufen wird), noch der weiterhin infantile und als Anführer eines Titelanwärters gänzlich ungeeignete Russell West-brick (7-22 FG, 6 Ballverluste) schafften es, dem Thunder-Topscorer Kevin Durant (29 Pts, 15 Reb) eine Entlastung zu sein. Der bekam zwischen dem ersten und letzten Angriff in der Verlängerung keinen einzigen Wurf erspielt, nachdem ihn das Team schon im Schlussviertel mit einem beispiellosen, kollektiven Einbruch im Stich gelassen hatte.

"Ich kann mich an kein gleichwertiges Comeback in meiner gesamten Mavs-Geschichte erinnern. Unsere Defense war in der Schlussphase phänomenal, Marion und Kidd waren superb. Und unser Rebounding, das wirklich den gesamten Abend über grottenschlecht gewesen war, brachte uns im letzten Abschnitt und in der Verlängerung den Sieg", fasste Nowitzki in der anschliessenden Pressekonferenz zusammen. Jason Kidd traf einen ganz wichtigen Dreier 40 Sekunden vor Schluss zum vorentscheidenden 108-105 für Dallas, das den Thunder verdeutlicht, was jeder Up-and-Comer zwangsweise mal erfährt: auf dem Weg nach oben warten unzählige, ganz schmerzhafte Niederlagen. Das hier war eine davon. Einer dieser Genickbrecher und Moralvernichter, an dem man einen ganzen Sommer über zu knabbern hat.

Die Fohlen hingegen reisen nun mit einer komfortablen Serienführung im Gepäck auf der I-35 Autobahn südwärts und wollen schon am kommenden Mittwoch vor heimischen Publikum ihren Einzug ins NBA-Finale klar machen. Das dürfte kein allzu grosses Problem darstellen: von den 200 Teams, die in den Playoffs bisher mit 3-1 in Front lagen, büsten nur 8 diesen Vorsprung am Ende noch ein.