26 Mai 2011



Noch zu Beginn der abgelaufenen Saison galten die Milwaukee Bucks als eines der aufstrebenden Teams, auf einer Stufe stehend mit jungen, spannenden Truppen wie Oklahoma City, Memphis oder Portland. Bedingt durch unzählige Verletzungen und das anschliessende Rotationschaos von Cheftrainer Scott Skiles verloren die Böcke aber 47 Partien - und verpassten die Playoffs in der schwachen Eastern Conference deutlich. Die Enttäuschung nach der spielerisch wohl schwächsten Saison seit den Bucks-Tagen von Anthony Mason ist immer noch spürbar.

Vor allem der junge Franchise Point Guard Brandon Jennings blieb weit hinter den Erwartungen der Teamverantwortlichen und Fans zurück. Der so häufige Sophomore-Leistungssprung im zweiten NBA-Jahr, er vollzog sich bei Jennings in keinster Weise. Weniger Assists, eine Trefferquote von erneut unter 40% und insgesamt geringere Produktivität pro gespielter Minute als in seiner Rookie-Saison sorgten für immense Ernüchterung. Jennings' öffentliche Kritik an Teamkollegen und dem Management im April haben die Anzugträger sicherlich auch nicht einfach vergessen.

Während des Pre-Draft Workout-Camps, das diese Woche in Cleveland abgehalten wurde, gelangten nun Informationen aus dem Bucks-Präsidium nach draussen. General Manager John Hammond ist "augenscheinlich bereit, ernste Verhandlungsgespräche über einen Trade seines Point Guards zu eröffnen". Allerdings, und da sollte man die Kirche im Dorf lassen, heisst das keineswegs, dass ein Trade kurz bevor stünde. Nein, Hammond will wohl eher die anderen 29 Manager dazu bringen, ihn aktiv telefonisch zu kontaktieren, um im Vorfeld des NBA-Drafts ein paar Trade-Szenarien zu eruieren. Mit Jennings als attraktivstem Lockvogel. Nicht mehr, nicht weniger.

Milwaukee muss ganz offensichtlich etwas tun in Punkto Kaderbildung. Ein junger, talentierter Aufbauspieler, wie es Jennings sicherlich ist (Karriere 16 PPG, 5 APG), würde ligaweit durchaus Interesse generieren. Und wenn man bei den Bucks für seinen gefühlten Wert, der höher liegt als der tatsächliche auf dem Platz, ein interessantes, gleichwertiges Gegenpaket via Trade an Land ziehen könnte, dann muss sich Hammond das ernsthaft durch den Kopf gehen lassen. Könnte ja gut sein, dass irgend ein Rookie Point Guard (Kyrie Irving, Brandon Knight, Kemba Walker, Jimmer Fredette, Reggie Jackson oder Darius Morris) die Verantwortlichen während der Workouts derart beeindruckt hat, dass die Hirsche nun bereit wären, ihn nächsten Monat mit dem 10. Pick zu selektieren und zum nächsten Floor General und Team-Eckpfeiler neben Andrew Bogut zu machen. In dem Fall wäre Jennings' Zeit in der Bierstadt dann abgelaufen. Wäre, wie gesagt...