02 Mai 2011




Dallas wünscht sich seit Jahren nichts Sehnlicheres, als endlich die Los Angeles Lakers zu erwischen. Immer wieder personell mit Blick auf potentielle Playoff-Duelle mit LA zusammengestellt, hatten die Mavericks in den letzten 23 Jahren nie die Möglichkeit, sich mit den grossen und so viel erfolgreicheren Western Conference Rivalen zu messen. Nun ist es also endlich soweit: nach 11 Playoff-Teilnahmen in Folge zum ersten Mal Dirk gegen Kobe, Dallas gegen LA. Und die Texaner werden sich wünschen, sich etwas anderes gewünscht zu haben.

Obwohl die Mavericks dank der Akquisition von Tyson Chandler ihr bestes Team seit langem in die Postseason schickten - der Lange war der Hauptgrund für den überzeugenden 4-2 Erfolg gegen die Portland Trail Blazers in Runde 1 - erwartet sie gegen den amtierenden Champion im West-Halbfinale ziemlich viel Ungemach. Zerlegt man das Duell nämlich in seine Einzelteile, wird schnell klar, dass die Fohlen auf keiner Position einen Vorteil geniessen.

Im Battle der Urgossväter geben sich Derek Fisher und Jason Kidd die Ehre, und keiner von beiden sticht den anderen aus. Kobe Bryant haben die Mavericks noch nie in den Griff bekommen. Eine Mischung aus Corey Brewer und Deshawn Stevenson wird daran sicherlich nichts ändern. Und obwohl Bryant im Backcourt nach Belieben schalten und walten kann, wird diese Serie nicht dort entschieden werden, sondern unter den Körben.

Sehr viel wird von Chandler abhängen, dessen Leistungen als klares Barometer für die Erfolgschancen der Mavericks herhalten können. Spielt Chandler gut, gewinnt Dallas in der Regel. Zum Beweis die Zahlen der ersten PO-Runde gegen die Trail Blazers: in den 4 Siegen kam Chandler auf 7.8 PPG und 11.5 RPG. In den beiden Niederlagen waren's nur 4 PPG und 5.5 RPG. Trotz Chandler's Stärke, und einem gewohnt guten Dirk Nowitzki, sowie der guten Vorbereitung auf diese Serie gegen den ruppigen Sparringspartner Portland werden die Mavericks gegen die Länge der Lakers ihre Probleme bekommen. Vor allem das Duo Gasol/Bynum, sowie der beste 6. Mann der Liga, Lamar Odom, dem Jackson früher oder später dank seiner Vielseitigkeit und seiner traditionell guten Defensivarbeit gegen Nowitzki lange Einsatzzeiten gewähren wird, werden den soften Mavs unter den Brettern gehörig zusetzen. Es wird Phil Jackson, dem erfolgreichsten Playoff-Coach aller Zeiten vorbehalten sein, die nötigen Veränderungen und taktischen Anpassungen vorzunehmen, um seine Vorteile hier voll auszuspielen.

Dallas wird natürlich das ein oder andere Spiel gewinnen, davon mindestens eins im Staples Center, wo die Lakers aus Prinzip immer mal wieder eine Partie hergeben, um's (auch für sich) so richtig spannend zu machen. Damit das Team um Nowitzki aber eine echte Chance aufs Weiterkommen haben kann, muss 4 mal einer der Mavs-Rollenspieler über sich hinaus wachsen, ohne dass Dirk und/oder Chandler in Foulprobleme geraten. Dass so etwas in gleich 4 von 7 Spielen passiert, ist sehr unwahrscheinlich. Der Heimvorteil, gepaart mit sehr viel Kobe Bryant und Phil Jackson's meisterhafter Fähigkeit, sogenannte Anpassungen von einem Spiel zum nächsten vorzunehmen, beendet Dallas' verzweifelte Jagd nach dem so heiss ersehnten Titel einmal mehr weit vor dem glorreichen Championship-Land.


nbachef meint: 4-2 Lakers