14 Mai 2011


Traurige Nachricht, die uns am Mittwoch aus Puerto Rico erreichte: Robert Traylor, ehemaliger NBA-Spieler, ist tot. Wie es die Ironie des Lebens so will, starb er ausgerechnet an einem Herzinfarkt - im Stich gelassen von jenem Organ, dass ihn als Mensch am meisten ausgezeichnet hatte. Alle, die jemals mit Traylor in Verbindung standen - Familienangehörige, Mitspieler, Trainer - erinnern sich an seine warme, grosszügige Art und das permanente Lächeln auf seinen Lippen. Er war ein sanfter Riese, dessen stets fröhliche Aura das direkte Gegenteil zu seiner bedrohlichen Statur repräsentierte.

Das Schwergewicht, dessen bekanntestes Markenzeichen seine übertrieben grossen Hände und Füsse waren, hielt man lange Zeit als "das nächste grosse Ding", direkt aus der Basketballhochburg Detroit, Michigan kommend. Er spielte im 1995er McDonald's High School All-American Game an der Seite von Kevin Garnett, Paul Pierce und Vince Carter, bevor es ihn an die heimische Michigan Universität zog. Bei den Wolverines galt er als legitimer Nachfolger von Chris Webber und Juwan Howard - geriet statt dessen aber mitten hinein in jenen Bestechungsgelder-Skandal zu Beginn des Jahrtausends und die anschliessenden Untersuchungen, die das Basketballprogramm der Vielfraße jahrelang diskreditierten.

Traylor, den alle aufgrund seiner knapp 140 Kilogramm Lebendgewicht einfach nur 'Traktor' nannten, wurde 1998 an 6. Stelle von den Dallas Mavericks gedraftet. Die meisten werden ihn wohl aufgrund jenes historischen Draft-Day Trades mit den Milwaukee Bucks in Erinnerung behalten - die Böcke hatten damals einen gewissen Dirk Nowitzki mit dem 9. Pick gezogen, den Deutschen aber im Paket mit Pat Garrity zu den Mavs verschickt. Wie die Geschichte ausging, ist bekannt. Nowitzki wurde MVP, Traylor lief insgesamt nur 74 mal überhaupt von Beginn auf. Obwohl er ein agiler, geschmeidiger, leichtfüssiger Brecher mit gutem Ballgefühl war, brachte er es in 7 NBA-Jahren auf gerade mal 4.8 Punkte und 3.7 Rebounds im Schnitt. Der grosse Durchbruch gelang ihm nie, weder in Milwaukee noch in Cleveland oder bei den Hornets.

Nachdem der Forward 2005 an der Aorta operiert werden musste, war es mit der NBA-Karriere schlagartig vorbei - kein Team traute sich mehr an ihn heran. Traylor spielte später noch in der Türkei, Italien, Mexiko und zuletzt in Puerto Rico. Er bekam Geldprobleme (noch so ein Inner-City Kid, das nie gelernt hatte, "Nein" zu sagen und sich zwischenzeitlich um mehr als 20 Freunde und Verwandte kümmerte) und geriet mit der Steuerfahndung in Konflikt. Noch eine traurige Ironie zum Schluss: Traylor's viel zu kurzes Leben endete just in dem Frühling, in dem Nowitzki den potentiellen Höhepunkt seiner Karriere erleben könnte. Ein 98er Rookie obenauf, ein anderer nicht länger unter uns. Geschichten, die das Leben schreibt. Robert Traylor starb am 11.5. an einem Herzinfarkt, während er mit seiner Frau telefonierte. Er wurde 34 Jahre alt.