09 Mai 2011


Dank einer der beeindruckendsten Team-Shooting-Demonstrationen, die ich persönlich je erlebt habe, schickten die Dallas Mavericks den zweifachen NBA-Meister Los Angeles Lakers früher als gewohnt in den Sommerurlaub. Es war kein simpler Serien-Sieg für die Mavs. Nein, sie fegten wie ein wildgewordener, texanischer Sandsturm über die Lakers geradezu hinweg und die völlig überforderten Lila-Blauen so hochkant mit 4-0 aus den Playoffs.

Dallas traf in Spiel 4 schon jetzt legendäre 60.3 Prozent seiner Würfe aus dem Feld und stellte gleich mehrere NBA-Rekorde ein. 20 Dreier, soviel hatten bisher nur die Seattle Supersonics vor 15 Jahren eingenetzt - und deren Spielidee bestand zum Grossteil nur aus dem langen Ball. 11 erfolgreiche Distanzwürfe in Halbzeit 1 - so viele hatte ebenfalls noch kein Team zuvor getroffen. Und Jason Terry ? Eugene spielte wie einer vom Planeten 'Tres Puntos', traf 9 seiner 10 Dreierversuche und egalisierte damit den alten NBA-Playoff-Rekord (von Vince Carter, Ray Allen und Rex Chapman). Nimmt man noch Peja Stojakovic's Dreiertraining (6 von 6) am gestrigen Sonntag mit hinzu (der uralte Mann, der vor dieser Serie in die "Vor langer, langer Zeit"-Maschine stieg und als 27-jährige All-Star Wurfmaschine wieder heraus kam) und JJ Barea's Korbleger-Kreislauf (22 Pts), dann kommt man auch ohne Taschenrechner auf 86 Punkte von der Mavericks-Ersatzbank. So viele wie das gesamte Lakers-Team zusammen genommen.

Dallas war zu jedem Zeitpunkt besser als Los Angeles. Am gestrigen Abend. Und während der gesamten Serie. Der Allerbeste war ohne Frage Dirk Nowitzki. Der Mavs-Forward legte schon früh in dieser Serie den Grundstein für einen in dieser Art sicherlich sensationellen Erfolg der Pferdchen mit 28 Punkten und 14 Rebounds beim Auftaktsieg in Spiel 1. Es war dieser 96-94 Auswärtserfolg im Staples Center, der Dallas den notwendigen Motivationsschub gab und wohl auch den nötigen Glauben, seine alten Playoff-Dämonen endgültig besiegen zu können. Da die Lakers fortan ihr gesamtes defensives Gameplanning auf den besten Europäer aller Zeiten umwälzen mussten, öffneten sich auf dem Platz Räume, die Dallas in allerbester Vorzeigemanier auszunutzen wusste. Der Ball lief flüssig wie an einer Perlenkette aufgereiht durch die eigenen Reihen. Insgesamt 104 Assists spielten die Mavericks in den vier Partien - ein irrsinnig hoher Wert, der den perfekten Teambasketball nur unterstreicht, den wir in diesen Tagen zu Gesicht bekommen.

Dank der besten Ersatzbank der Liga, einer stark verbeserten Defensive und einem legitimen MVP-Kandidaten in der besten spielerischen Verfassung seiner Karriere (spielerisch im Sinne von Spielwitz, Selbstvertrauen, und dem eingebauten Video-Spiel God-Modus) müssen die Dallas Mavericks spätestens nach dieser Gala-Vorstellung als absoluter Titelkandidat eingestuft werden. Dass die ganz Schlauen unter Euch das sicher schon vor der Saison getan hatten, ist klar.

In diesen NBA-Playoffs hüpft aber das Mavs-Pferd ganz offensichtlich anders als in den Jahren zuvor. Nach unzähligen Playoff-Enttäuschungen seit jenem katastrophalen Titelverlust 2006 scheint diesmal alles zusammen zu passen. Chandler und Marion verteidigen, Kidd und Barea machen das Spiel, die Shooter shooten und Dirk bleibt Dirk - einer von nur 4 Spielern in der Geschichte der Liga mit mehr als 25 Punkten und 10 Rebounds im Playoff-Karriere-Schnitt. Und das Team glaubt an sich. Obwohl Dallas, vom langen Deutschen und Terry geschultert, seit 11 Jahren immer 50+ Spiele während der regulären Saison gewinnen konnte, reichte es nie zum ganz grossen Wurf. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem man sich das Motto des damals historischen Erstrundenupsets der Golden State Warriors gegen eben diese Dallas Mavericks einverleibt hat - "We Believe" - ausgerechnet da scheint es ironischerweise zu klappen mit dem ganz grossen Wurf. Wer hätte das gedacht ? (ausser den ganz Schlauen natürlich...)