02 Mai 2011




Chicago überrollte in Runde 1 die Indiana Pacers recht deutlich mit 4-1, ohne aber vollends zu überzeugen. Dass die Ochsen tatsächlich Championship-Material sind müssen sie erst noch beweisen. Atlanta, der Bulls-Gegner in Runde 2, putzte in seinem Auftaktduell die Orlando Magic (4-2) und schockte damit die kollektive Basketballwelt, die den Falken einen solchen Triumph nicht zugetraut hatte. Nun versucht Atlanta zum dritten Mal in drei Jahren, ein vermeintliches schlechtes Matchup im Conference Halbfinale zu überwinden und zum ersten Mal seit 1970 die zweite Playoff-Runde zu überstehen.

Chicago gewann 2 der 3 Duelle während der regulären Saison mit insgesamt 51 Punkten Unterschied. So deutlich dürfte die Angelegenheit in den nächsten zwei Wochen nicht werden. Das Spiel der Bullen steht und fällt natürlich mit der Leistung ihres besten Akteurs, Derrick Rose. Der Most Valuable Player dieser Saison wird es gegen den Hawks-Backcourt noch leichter haben als ohnehin schon, denn ex-Bulls Akteur Kirk Hinrich erwartet, die komplette Serie verletzt auszufallen. Atlanta's Jungspund Jeff Teague wird von Rose ebenso aufgefressen werden, wie Darren Collison in Runde 1 (Rose 27.6 PPG).


Weitere immense Vorteile geniesst das bilanzstärkste Team der Eastern Conference auf der Center-Position, wo Joakim Noah gegen Ende der Pacers-Serie aus seinem Formtiefschlaf erwachte und endlich wieder wie ein Irrer, dessen Energiebalken nie leer wird, über den Platz brauste. Sein Gegner: eine unästhetisch-untalentierte Mischung aus Zaza Pachulia und Jason Collins. Die zweite Garde der Bulls mit Spielern wie Korver, Gibson, Watson, Brewer und Thomas ist der Atlanta's bei weitem überlegen. Der Coach des Jahres, Tom Thibodeau, ist seinem Gegenüber Larry Drew in allen taktischen Belangen um Längen voraus. Im Prinzip - und da liegt der Hase begraben für Atlanta - sind die Hawks ein reines Jumpshooting-Team. Thibodeau's Defensivsysteme sind gerade gegen dieses Spielsystem perfekt ausgearbeitet und dürften den Unterschied ausmachen in dieser Serie.


Atlanta bleibt nach wie vor das Überraschungsei der Liga. An einem Abend in der Lage, jeden Gegner zu schlagen, verfallen sie am nächsten wieder in den Sacramento Kings Modus: vorne den Ballfluss mit hässlichem Isolationsbasketball bremsen, aus allen Lagen (bevorzugt Off-Balance) draufballern und sich emotional uninspiriert in das eigene Schicksal fügen. Joe Johnson bleibt der beste und vielseitigste Individual-Spieler bei den Hawks, und auf Iso-Joe's Schultern lasten jegliche Siegeshoffungen der Falken. Bleibt nur die Frage, welcher Johnson sich in dieser Serie zeigen wird. An der Seite des 120 Millionen Dollar Mannes wird Jamal Crawford versuchen, seine bisher überragenden Playoffs (20 PPG) fortzusetzen. Crawford, dessen Idee von einem guten Wurf jeder verfügbare ist, kann ein Team im Alleingang zum Sieg schiessen - oder aber eben schnurstracks ins Verderben. Im Frontcourt hat Al Horford klare Vorteile gegenüber Carlos Boozer, wie auch Josh Smith gegen Luol Deng. Die beiden Bulls-Forwards müssen endlich versuchen, ihr 'Playoff-Choker Etikett' irgendwie loszuwerden. Bleiben beide gleichzeitig unter ihren Möglichkeiten, bekommt Chicago ernste Probleme.


Atlanta spielt zur Zeit seinen besten Ball der Saison. Diese Tatsache, gepaart mit Chicago's wenig meisterlicher Darbietung gegen Indiana, sorgt für das nötige Quentchen Spannung in diesem ansonsten nicht gerade spektakulären Matchup. Ein bis zwei Spiele werden die Vögel dank ihrer jetzigen Verfassung und Chicago's Nicht-Dominanz sicherlich gewinnen können. Am Ende aber wird die bessere Team-Defensive die Serie in Richtung Bulls kippen lassen.



nbachef meint: 4-2 Chicago