13 April 2011


Halbzeit 2 des grossen End of Season Q&A mit den Blog All-Stars Flo Holnburger (Yabazz), Malte Arndt (NBA-Blog.de), Rob Jerzy (Nyknicksjournal) und NBACHEF.


6. Preisverleihungszeit: Most Valuable Player ? Trainer des Jahres ? Rookie des Jahres ? Most Improved Player ? Bester Verteidiger ?

NBACHEF, nbachef.blogspot.com:
MVP: Dwight Howard. Der Center rangiert in 4 der grossen Kategorien (Punkte, Rebounds, Blocks, FG%) unter den besten 10. Kein anderer Spieler übt grösseren Einfluss in Offensive und Defensive gleichermassen aus. Dank ihm stehen die höchstens mittelmässigen Orlando Magic unter den Top4 im Osten. Ich habe schon mehrfach darauf hingewiesen, dass ich in den allgemeinen D-Rose for MVP Mainstream-Tenor nicht einstimmen kann, aus vielerlei Gründen. Hier mal einige davon: Rose ist weder statistisch gesehen (Platz 8 bei den PER-Werten, sogar nur Platz 12 bei den Win Shares pro 48 Minuten), noch in der abstrakten Bedeutung für seine Mannschaft der wertvollste Spieler. Chicago wäre auch ohne Rose ein 48 Siege Team. Orlando würde ohne Howard keine 20 Partien gewinnen und Bewerbungen für den 1. Draft-Pick rausschicken.
Trainer des Jahres: Tom Thibodeau. Der wahre Grund für Chicago's massive Verbesserung in dieser Saison. Aber eben nicht halb so sexy wie Rose.
Rookie des Jahres: Blake Griffin, wer sonst ? Sicherlich nicht John Wall...
Bester Verteidiger: Dwight Howard natürlich
Most Improved: LaMarcus Aldridge/Kevin Love
Rob Jerzy, NYKnicksjournal:
MVP: An Derrick Rose führt kein Weg vorbei wobei für mich Dwight Howard es am meisten verdient hat
COY: Tom Thibodeau
ROY: Blake Griffin
MIP: LaMarcus Aldridge
DOY: DH12

Malte Arndt, NBA-Blog:
MVP - Derrick Rose. Steht für mich außer Konkurrenz, da er die Bulls auf den ersten Platz im Osten gebracht hat, seine Mitspieler quasi von ihm leben und in den anderen Topteams kein Spieler derart hervorsticht - woran auch die nervigen "MVP"-Rufe im Staples Center nichts ändern.
Trainer des Jahres: Tom Thibodeau - War für mich eigentlich schon relativ schnell klar, da er als defensiv orientierter Coach genau das war, was den Bulls gefehlt hat. Inwiefern die Offensive der Bulls von der Klasse eines Derrick Rose, der Klasse der Assistenztrainer oder den Ansagen von Thibodeau selbst lebt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber alleine der Umschwung in der W-L-Column ist Argument genug. Honorable Mentions: Doug Collins, George Karl.
Rookie des Jahres: Blake Griffin - mit Abstand.
Most Improved Player: LaMarcus Aldridge. Er hat für mich den größten Sprung gemacht, ist von einer Ballerina zum Leader gereift, hat teilweise unglaublichen Basketball gespielt und es wohl nur einem historisch gut besetzten Westen zu verdanken, dass er kein All Star wurde. Honorable Mentions: Glen Davis, Derrick Rose, M.B. (die erste Leiche, die es in die Starting Five einer Mannschaft gebracht hat - und das sogar beim selbst propagierten "greatest team ever").

Flo Holnburger, Yabazz:
Derrick Rose, der jüngste MVP aller Zeiten? Ja. Auf Zwei folgt Dwight Howard, danach Chris Paul von den „New Orleans Pauls“.
COTY: Tom Thibodeau.
An Blake Griffins Urgewalt geht der ROTY nicht vorbei.
„Deputy“ wird natürlich Dwight Howard, wobei mich Dwyane Wade absolut überraschte. Irgendwo in den Top10 sollten unbedingt auch die Thunder Ibaka und Sefolosha landen.
MIP-Titel: Kevin Love



7. Welchem Team traust du am ehesten eine Überraschung in der ersten Playoff-Runde zu ?

Rob Jerzy, NYKnicksjournal: Portland. Diese Mannschaft ist mittlerweile playoff-erfahren, besitzt einen ultra-tiefen Kader und hat mal keine Verletzungen. Gerade gegen die Dallas Mavericks rechne ich da mit einem 1st Round Upset.

Malte Arndt, NBA-Blog: Im Osten eigentlich niemandem so wirklich, aber wenn, dann den Knicks - alleine, weil sie mit Anthony und Stoudemire extreme individuelle Klasse haben und sich gerade Anthony auch mal in ein Koma spielen kann, wo er alles trifft. Das und die eher schwächelnden Celtics sind eine gefährliche Kombination. Aber ich gehe natürlich immer noch davon aus, dass Boston nur blufft und New York bisher kein einziges der Spiele gegen die Celtics gewinnen konnte - in welcher Teamzusammensetzung auch immer.
Im Westen muss man die Matchups abwarten, aber bei Dallas gegen Portland könnte ich mir eine Überraschung vorstellen, da die Mavericks mit der körperlichen Spielweise der Blazers (und ihrem lahmen Spieltempo) nicht sonderlich gut klarkommen werden. In dem Falle wäre für mich das Matchup Wallace/Marion der x-Faktor, da beide recht ähnlich sind und sich gegenseitig aus dem Spiel nehmen könnten - Wallace aber bedeutender für die Blazers als Marion für die Mavs ist. Auch bei einer Serie der Grizzlies gegen die Spurs oder Lakers kann ich mir zwar keinen Upset, aber eine enge Serie vorstellen - vor allem zwischen Memphis gegen LA, weil die Grizzlies an den Brettern mithalten können und starke Flügelverteidiger für Bryant haben.


NBACHEF: New York im Osten, Portland im Westen. Die Knicks einfach deshalb, weil das sonst weder Indiana noch Philly oder Atlanta zuzutrauen ist. NY rollt zur Zeit und kann den Celtics einige Matchup-Probleme in der neuen Konstellation mit Amare und Anthony bereiten. Wenn die Knicks eine der ersten beiden Partien in Boston gewinnen können, ist alles drin. Im Westen hat Portland überhaupt nichts mit einem 6th Seed gemein und wird Dallas das Leben zur Hölle machen. Die Blazers haben 2 der 4 regulären Saisonspiele gewonnen (beiden im heimischen Rose Garden), verfügen über eine gesunde Mischung aus Länge, Athletik, Bank, Härte und Playoff-Erfahrung, glauben ans eigene Weiterkommen und müssen dank der ihrer Heimstärke nur eine einzige Partie in Dallas gewinnen - das riecht förmlich nach Upset.


8. Welche Coaches fliegen nach der Saison ?


Malte Arndt, NBA-Blog: Natürlich John Kuester bei den Pistons - alles andere wäre eine Sensation. Ferner kann ich mir vorstellen, dass Scott Skiles seinen Hut nehmen muss, da man in Milwaukee sicherlich andere Resultate erwartet hat und seine Art des eher diktatorischen Trainers sich schnell verschleißt. In dem Zusammenhang muss man natürlich auch sehen, wie sich Avery Johnson entwickelt, da er mit Deron Williams einen echten Star-Aufbau hat. Wenn er aus den Fehlern in Dallas nicht lernt, fliegt er ganz schnell und schließlich hat Deron Williams ja auch schon Jerry Sloan geschafft. Erik Spoelstra wünsche ich es zwar nicht, aber bei den übergroßen Egos im Team und dem (aus meiner Sicht) relativ wahrscheinlichen vorzeitigen Scheitern in den Playoffs wird das auch eine sehr interessante Angelegenheit.

Flo Holnburger, Yabazz: Unbedingt Atlantas Larry Drew und Detroits John Kuester. NYs Mike D'Antoni sollte zu den Harlem Globetrotters wechseln. Zuletzt sollte auch Sacramentos Paul Westphal nicht bleiben. Vier Coaches, die einfach kein System etablieren können.

Rob Jerzy, NYKnicksjournal: Paul Westphal (Kings), Rick Adelman (Rockets), Paul Silas (Bobcats) & Jay Triano (Raptors)

NBACHEF: John Kuester (Detroit), der als Chefcoach gnadenlos überfordert ist und für Detroit's peinliche Darbietungen in dieser Saison die Hauptschuld trägt. Scott Skiles (Milwaukee), dessen napoleonisch-diktatorische Art sich in Milwaukee schon wieder abgenutzt hat. Paul Silas (Charlotte) und Frank Vogel (Indiana), zwei Interimstrainer, die im Sommer/Herbst durch langfristigere Lösungen ersetzt werden. Rick Adelman (Houston), der aufgrund fundamentaler Meinungsverschiedenheiten mit GM Daryl Morey ob des anvisierten Spielermaterials - und trotz exzellenter Arbeit Jahr für Jahr - wohl seinen Hut nehmen muss. Und Keith Smart (Golden State), der ganz offensichtlich ein Problem mit Stephen Curry hat, aber am kürzeren Hebel sitzt als der Publikumsliebling.


9. Wie siehst du den Umzug der Kings nach Anaheim zur kommenden Saison ?


NBACHEF: Durchaus positiv. In Sacramento interessieren sich die Menschen einfach nicht mehr für Basketball, was die zweitschlechtesten Besucherzahlen in dieser Saison (weniger als 14000 pro Spiel, also nicht einmal 80% Auslastung) eindrucksvoll belegen. Die 2000er, als fast 10 Jahre lang jedes Heimspiel ausverkauft war, sind längst Geschichte. Die Arco Arena (erbaut 1987), die nicht mehr heutigen Standards entspricht, ist es mittlerweile ebenfalls. Da man in Kalifornien's Hauptstadt nicht die nötigen Geldmittel für den Bau einer neuen Spielstätte zur Verfügung stellen wollte, taten die beiden Besitzer Joe & Gavin Maloof das einzig nachvollziehbare: sie schauten sich um. Dass man nun ausgerechnet nach Los Angeles zieht, verblüfft zwar auf den ersten Blick, aber Anaheim ist rein technisch gesehen eine eigene Stadt, und man wird dort die Royals (wie sie dann wohl heissen werden) frenetisch empfangen. Ich habe während des All-Star Wochenendes mit vielen Angelenos hierüber gesprochen, und der Tenor war ausschließlich positiv: man wird die Kings/Royals lieben in LA's Vorort, und die Partien werden allesamt ausverkauft sein. Das junge Team wird sich verbessern, und nach der Provinz kräht bald kein Hahn mehr. Traurig, aber so ist nunmal das Leben.

Rob Jerzy, NYKnicksjournal: Genauso falsch wie den Umzug der Zombie Sonics nach OKC. Sacramento ist eine alte Basketballstadt und der Grund für die Miesere sind nicht die Fans sondern die Owner. WENN aber schon wegziehen dann bitte nach Seattle!
Flo Holnburger, Yabazz: Da kann ich leider nichts zu sagen.

Malte Arndt, NBA-Blog: Es wird für mich zwar ungewohnt sein, dass die Kings nicht mehr in Sacramento spielen, aber andererseits ist ein Umzug in der Franchise-Geschichte ja auch keine Neuigkeit. Nimmt man dazu, dass die Halle in Sacramento veraltet ist und die Fans kaum noch zu den Spielen kommen (obwohl das Team eigentlich sehr interessant zusammengestellt ist und Potential hat), hat der Owner meiner Meinung nach jedes Recht der Welt, sich nach einer neuen Stadt umzusehen. Ob man in Anaheim in Sachen Popularität aber jemals an den Mighty Ducks vorbeiziehen wird, bezweifel ich stark.


10. Für wie wahrscheinlich hälst Du einen Lockout zur kommenden Saison 2011/12 ? Hat das Leben dann überhaupt noch einen Sinn ?


Rob Jerzy, NYKnicksjournal: Noch einen Lockout kann sich die NBA nicht leisten. Eine der besten Saisons aller Zeiten geht zu Ende und die Owner werden erkennen, dass die neuen Medien viele neue Geldtöpfe öffnen. Die Spieler sind die Liga, mehr als noch in der NFL oder MLB. Ich kann mir einen Lockout nicht vorstellen.

Malte Arndt, NBA-Blog: Nach allem, was man so hört, leider für zu wahrscheinlich. Ich bin zwar ein Freund eines Hard Cap, da er meiner Meinung nach der Chancengleichheit zwischen großen und kleinen Märkten gut tun würde und sich Manager vielleicht zweimal überlegen, bevor sie Travis Outlaw 35 Mio., Rashard Lewis/Joe Johnson/Rudy Gay knappe 100 Millionen und mehr oder Mike Bibby überhaupt einen Vertrag anbieten. Andererseits zeigen die Beispiele ja auch, dass das Problem vor allem darin liegt, dass die Manager zum einen einige Spieler gnadenlos überbezahlen und zum anderen so viele Franchises existieren, dass das dann auch weiterhin passieren wird, weil Leute wie Baron Davis plötzlich irgendwo als Franchise-Spieler gelten. Letztlich werden (wie immer) vor allem die Spieler blechen müssen, wohl in Form einiger Gehaltseinbußen und neuer Klauseln z.B. zur Vertragslänge. Aber das eigentliche Problem wird danach weiterbestehen.

Flo Holnburger, Yabazz: Die Statements von Liga- und Gewerkschaftsboss lesen sich wenig gut, vor allem die inoffiziellen Kommentare, die nach außen dringen. Es bleibt nur die Hoffnung, dass sich beide Parteien noch zusammenfinden. Ganz klar, die Spieler müssen mehr abgeben als sie wollen – nur dann explodieren auch die Tickets nicht wie kürzlich in NY seit Melos Ankunft.

NBACHEF: Streng genommen wird es auf jeden Fall einen Lockout geben, denn der aktuelle Tarifvertrag läuft aus, bevor sich die Spielergewerkschaft das nächste Mal mit den Clubbossen zusammen an einen Tisch setzen wird (nach den NBA-Finals). Spätestens dort werden alle Beteiligten realisieren, dass die Überwindung ihrer Differenzen weitaus weniger schlimm wiegen wird, als mehrere Monate oder gar die komplette Saison zu verlieren. Der finanzielle Verlust und - weitaus vernichtender noch - der Imageschaden nach der besten Saison aller Zeiten werden nicht zu kompensieren sein in der heutigen Rezession. Das wissen auch die Teambesitzer, die dann irgendwann von ihrem hohen Rössern herunter steigen und Kompromisse eingehen werden. Es wird kein Lockout geben !