10 April 2011


Das wichtigste Duell des Abends stieg in South Beach. Dort empfingen die Heat ihren schärfsten Konkurrenten Boston Celtics. Deren Defensivschemata hatten die Mannen von Erik Spoelstra in den ersten drei Begegnungen der Saison überhaupt nicht entziffern und folgerichtig kein einziges Mal gewinnen können. Nicht so heute Abend. In einem ruppigen, hart geführten, giftigen Duell (wie es eben sein muss so kurz vor den Playoffs) bewies Miami, dass es gegen Boston doch bestehen kann und schickte ein paar kleine Ausrufezeichen in Richtung Beantown. Die beiden Schwergewichte planen insgeheim bereits ihre Strategie für den potentiellen Eastern Conference Semifinal Showdown. In dem wird Miami dann Heimvorteil geniessen, denn die heutige 100-77 Klatsche bedeutet fast zwingend, dass die Heat nun mit einem Sieg mehr in der Tasche die reguläre Saison als zweitplatziertes Team beenden werden - vor den Celtics. 13 Siege aus den letzten 16 Partien zeigen eindrucksvoll, dass Miami für die Playoffs gewappnet ist. Die jungen und gänzlich unerfahrenen Philadelphia 76ers werden dort für Lebron, Wade & co. kein echter Prüfstein sein. Die Kobolde aus Boston offenbarten indes erschreckende Schwächen in allen Mannschaftsteilen, und Coach Doc Rivers bezweifelt zurecht, dass seine Spieler diese vor Beginn der Postseason per Knopfdruck abstellen werden können. Der Kendrick Perkins Trade hat die Celtics ihr Rückgrat und ihre spielerische Identität gekostet. Wollen die 2008er Champs im Mai 2011 noch Basketbälle werfen, sollten sie das Verlorene schnellstens wiederfinden, denn in der ersten Playoffrunde bitten wohl die New York Knicks zum Tanz. Und die legen zur Zeit (jetzt schon 7 Siege in Folge) eine ziemlich flotte Sohle aufs Parkett. Carmelo Anthony hat sich in Blau-Orange ganz offensichtlich warm geschossen und ist schlicht und ergreifend nicht zu stoppen. Der Melo-Mann war mit 34 Zählern beim knappen Auswärtssieg in Indiana einmal mehr Mann des Spiels - inklusive Pullup-Jumper zum Sieg, direkt ins verdutzte Gesicht von Danny Granger. Knicks-Coach Mike D'Antoni eruierte nach dem Spiel seine brillante taktische Vorgabe vor dem entscheidenden Play: "Man lässt Anthony einfach machen, und alles wird gut." Stark gecoacht, Coach.

Indiana präsentierte sich in gewohnt lauwarmer Verfassung, meist überdreht, wenngleich durchaus mit einigen ansehnlichen spielerischen Momenten. Gegen Chicago wird das in der Postseason aber so oder so nicht ausreichen. Die Bulls können also schon einmal die Besen aus dem Schrank holen, denn die Pacers werden vom besten Team im Osten ab nächstem Sonntag weggefegt. Da waren die Orlando Magic heute Nachmittag schon ein ganz anderer Härtetest für das beste Defensivteam der Liga - und das, obwohl die ohne drei etatmässige Rotationsspieler (Howard, Redick, Q.Richardson) antreten mussten. Jameer Nelson's langer Dreier mit dem Schlusspfiff kam etwa eine Zehntelsekunde zu spät, und so war Derrick Rose (39 Pts) um einige Lorbeeren in seinem üppigen 'MVP-to Be-Kranz' reicher. Ein eventuelles Matchup zwischen Chicago und Orlando im Conference Halbfinale - bei gesundem Personal auf beiden Seiten - dürfte aufregend werden. Aus der Rubrik Not gegen Elend schließlich noch zwei Resultate, die keinerlei Einfluss auf den weltweiten Lauf der Dinge haben werden: Toronto schlägt New Jersey 99-92, und Detroit bringt sich selbst auf den letzten Metern einer erbärmlichen Saison noch um seine recht guten Chancen auf ideal springende Ping-Pong Bälle im kommenden Draft. Die Kolben gewinnen ihre 3. Partie in Folge (112-101 gg. Charlotte) und haben nun ganz offiziell die viertlängste Siegesserie der gesamten Liga. Beeindruckend ! Sacramento spielt seine Abschiedstour als Könige hochmotiviert zu Ende und hat dank Marcus Thornton, der noch immer keinen Wurf gefunden hat, den er nicht mag, jetzt 6 seiner letzten 10 Partien gewonnen. Mit Thornton, Evans, Cousins et al. verfügen die Bald-Anaheimer über einen spielerisch vielversprechenden Nukleus für die Zukunft.

In den oberen Westetagen geht's in den letzten Tagen wieder einmal um die besten Aussichtsplätze, und bis auf die San Antonio Spurs können noch alle 7 Mannschaften versetzt werden. New Orleans, das sich mit Memphis und Portland um die Ränge 6 bis 8 streitet, verliert gegen die Grizzlies ein wichtiges Duell 111-89 und steht nun bei 46-34, bilanzgleich mit den Bären. Das 8.-beste Team misst sich mit San Antonio, während Nummer 7 es mit dem amtierenden Champion Los Angeles Lakers zu tun bekommen wird - so dachte man jedenfalls eine gewisse Zeit lang. Die Lakers aber präsentieren sich seit Kurzem in erschreckend uninspirierter Verfassung. Heute setzte es für Kobe, Gasol & co. im vielleicht richtungsweisenden Duell gegen Oklahoma City schon die 5. Niederlage in Folge (120-106). Phil Jackson, der seine Veteranen vor kurzem als "faul und unkonzentriert" charakterisierte, wird "not amused" sein, zumal die Dallas Mavericks mit ihrem gleichzeitigen Sieg gegen untergehende Sonnen aus Phoenix (115-90) nach Siegen und Niederlagen mit LAL gleich ziehen (55-25). Den Tiebreaker hat Lila-Gold zwar noch, aber mit der drittlängsten Niederlagenserie der Liga (hinter Minnesota und Charlotte) ist sogar Platz 4 nicht mehr unrealistisch. OKC schiebt sich bis auf 1W an LA/Dallas heran und liegt in Lauerstellung. Man will in den letzten 3 Tagen noch alles versuchen, um vielleicht irgendwie doch noch auf die 2 hoch zu klettern. Das Rennen bleibt spannender und abwechslungsreicher als ein 'Tetris Level 9 Multiplayer Duell.'