16 April 2011


Anschnallen und fest halten, denn die Fahrt wird wild. Diese beiden Western Conference Wildcards starten heute in eine Serie, die an Highlights, Tempo und Spannung wohl kaum zu überbieten sein wird - mit Sicherheit zumindest nicht in Runde 1. Zu sagen, dass sowohl OKC als auch Denver ihren Rhythmus nach dem All-Star Wochenende gefunden haben, wäre eine Untertreibung. Die Thunder gewannen nach der Akquisition von Kendrick Perkins 19 von 26 Partien (13-4 mit Perkins in der Aufstellung). Denver siegte nach dem Abgang von Ablenkung Carmelo Anthony 18 mal in 25. Denver war ergiebigste Scoring-Team der regulären Saison (107.5 PPG), Oklahoma City landete mit 104.8 pro Spiel auf Platz 5. Gleichzeitig re-etablierten sich die Thunder mit Perkins als Defensiv-Dino und hielten 11 ihrer 14 Gegner seit dem Trade unter 100 Punkten.

Die Geister scheiden sich beim Interpretieren dieses Duells. Die einen sehen die neuen Liga-Lieblinge aus der Prärie im Vorteil, da sie über die beiden besten Spieler des Duells verfügen (Durant und Westbrook), die nötige Länge unter den Körben bereit stellen und in der Defensive zulangen können. Die anderen setzen lieber auf die seit dem Anthony-Abgang alles verwüstenden Nuggets, die sich dank ihrer unfassbaren Tiefe, Athletik und dem nahezu perfekten Coaching von COY-Kandidat George Karl zum Aschenputtel der Saison entwickelt haben.


Ein Blick auf die Matchups offenbart Folgendes: die Aufbauposition ist ausgeglichen. Russell Westbrook und Ty Lawson, zwei pfeilgeschwinde Flitzer, werden sich gegenseitig in atemberaubender Geschwindigkeit über den Platz verfolgen. Die Grundgeschwindigkeit der Spiele wird meistens 'Fast Forward' sein. Auf der Off-Guard Position hat der vielseitige Wilson Chandler durchaus seine Vorteile gegenüber dem Schweizer Stopschild Thabo Sefolosha. Die Drei geht ganz klar an Oklahoma City. Der beste Scorer der Liga, Kevin Durant, kümmert sich herzlich wenig um die Skeptiker und Schönwetterfans, die ihn in der teaminternen Hierarchie plötzlich hinter Westbrook platzieren wollen. KD tut routinemässig das, was er schon immer getan hat - er droppt 30 pro Abend. Und untermauert damit heimlich, still und leise das, was ich immer wieder anzudeuten versuche: die Thunder sind Durant's Auto. Westbrook darf nur sich nur ab und an mal auf der Autobahn damit austoben.


Auf Power Forward hat sich Serge Ibaka nach dem Abgang von Jeff Green mittlerweile etabliert und verleiht OKC dank seiner Präsenz eine neue Dimension im Spiel nach vorne und nach hinten. Kenyon Martin ist jedoch auf Nuggets-Seite ein ausgefuchster, arroganter, aggressiver Counterpart, der den jungen Congolesen in dieser Serie aufreiben wird. Auf Center erwartet das spannende Center-Duell Nene gegen Kendrick Perkins. Während ersterer offensiv seine grössten Stärken hat (beste Trefferquote ligaweit), besticht letzterer durch seine Defensive und sein Rebounding. Nicht von ungefähr scheint das junge Thunder-Team durch seine Verpflichtung ein neues Entwicklungslevel erreicht zu haben. Die Ersatzbank (JR Smith, Raymond Felton, Chris Andersen, Al Harrington vs. James Harden, Eric Maynor, Nick Collison, Daequan Cook) geht an die Nuggets, ebenso wie das Coaching. An George Karl und dessen Playoff-Erfahrung (167 Spiele) kommt Thunder-Coach Scotty Brooks nicht heran (6 Spiele).


Insgesamt kann sich keine Mannschaft wirklich von der anderen abheben. Stärken und Schwächen halten sich in etwa die Waage, weshalb wohl im Endeffekt die Bilanz der regulären Saison (3-1 Oklahoma) und Kevin Durant's Dominanz in diesen drei Pflichtspielsiegen (34.6 PPG) als Indikatoren hinzu gezogen werden müssen. Obwohl Karl und seine Klumpen mit vielen verschiedenen Defensivzuteilungen (Chandler, Martin, Gallinari) den spindeldürren Forward aus dem Fluss bringen wollen, wird dieser die Serie an sich reissen und seine Farben in die nächste Runde führen. Der Heimvorteil des Nordwest-Division Champs (30-11) wird dabei in einem potentiellen Spiel 7 einer knappen, aufregenden Serie den entscheidenden Ausschlag geben.



nbachef meint: 4-3 Thunder