16 April 2011


Acht gegen Eins. Das erfolgreichste Team der Conference gegen diejenige Mannschaft, die bis zum Schluss zittern musste und sich gerade mal so in die Playoffs retten konnte. Die logische Schlussfolgerung: ein leichtes Spiel für der Favoriten. Und tatsächlich starten die San Antonio Spurs ihre 'Mission: Titelgewinn' als klarer Protegé, zumindest in dieser ersten Runde. Die Bilanz der Nummer 1 Teams gegen die 8er in der NBA-Geschichte: 51-3 Serien gewonnen.

Die Memphis Grizzlies qualifizierten sich zwar frühzeitig für die Postseason, verblüfften aber die Expertenwelt mit ihrer eigenwilligen Entscheidung, sich in den letzten Partien der Saison absichtlich auf den letzten PO-Rang fallen zu lassen. Zwar dementierte Grizz-Coach Lionel Hollins das vehement, aber die Spieler scheinen sich San Antonio regelrecht gewünscht zu haben. Man kann es ihnen nicht verdenken: in der regulären Saison gewannen die Bären 2 der 4 Partien und demonstrierten eindrucksvoll, dass man mit dem vierfachen Champion gut mithalten kann.

Die Gründe sind schnell genannt: Memphis verfügt unter den Körben mit Marc Gasol und Zach Randolph über die nötige Länge, um den Spurs das Leben schwer zu machen. Vor allem von Randolph, der nach seiner ganz starken Saison (20.1 Pts, 12.2 Reb) wohl kurz vor einer lukrativen Vertragsverlängerung steht, darf eine dominante Serie erwartet werden. Auf den Fügeln verfügen die Grizzlies mit Shane Battier und Tony Allen über zwei der besten Verteidiger der Liga. Obwohl offensiv nicht die talentiertesten, werden sie hinten den besten Spur Manu Ginobili wie hungrige Bluthunde verfolgen. In der Offensive lebt Memphis von seinem Spiel am Brett. Dank der 6.-besten offensiven Reboundrate kommt die Mannschaft zu leichten Punkten direkt am Korb. Randolph im Low-Post und Gasol potenzieren diese Gefahr in der Zone. Allerdings, und da sind wir schon bei den Schwachpunkten: das Perimeterspiel der Bärchen lässt durchaus zu wünschen übrig. Mike Conley ist, trotz seiner recht guten Saison, nach wie vor ein Schwachpunkt im Spiel nach vorne. Als Mannschaft gehört Memphis zu den schwächsten Jumpshooting Teams der Liga. Und ohne den langzeitverletzten Rudy Gay (Schulter) fehlt es an konstantem Scoring Punch aus dem Backcourt.

Ein exzellent gecoachtes Team wie San Antonio wird dies gnadenlos ausnutzen. Ich gehe stark davon aus, dass der alte Trainerfuchs Gregg Popovich seinen defensiven Spielplan stark auf Randolph ausrichten wird - die einzige Position auf dem Platz, wo Memphis einen klaren Vorteil geniesst. In der Offensive wird er das Spiel in die Hände von Tony Parker legen, der Conley missbrauchen wird wie kleine Kinder in katholischen Erziehungsheimen. Der Franzose erzielte gegen Memphis knapp 20 Punkte und 6 Assists im Schnitt, und musste sich dafür noch nicht einmal besonders anstrengen (55% Trefferquote). Die Nummer 9 wird eine ganz starke Serie spielen. Die erwarten viele auch von Manu Ginobili. Der legendäre 'Bärentöter' hofft, zu Spiel 2 am Mittwoch wieder fit zu sein. Obwohl Ellbogenverletzungen seiner Art normalerweise bis zu 3 Wochen Heilungszeit beanspruchen, könnte ich wetten, dass der verrückte Argentinier (der einst eine fliegende Fledermaus mit blossen Händen massakrierte) in wenigen Tagen wieder auf der Platte steht.

Mit ihm in der Aufstellung verfügen die Spurs insgesamt über zu viel Feuerkraft für Memphis. Die Spurs werden vorne massenweise Pick'n'Rolls laufen, die sie gerne benutzen, um dem Dribbler freie Würfe zu ermöglichen. San Antonio ist eines der besten Teams ligaweit im Kreiieren von freien Dribbelräumen durch Picks. Das führt häufig zu freien Catch & Shoot Würfen, einer weiteren Spezialität der Popovichs. Gerade weil die Grizzilies zu den schwächsten Mannschaften beim Verteidigen dieser Angriffssysteme zählen, kann man deren unbedingtes Verlangen nach San Antonio durchaus in Frage stellen.

Es stimmt schon, dass San Antonio 4 seiner letzten 12 Partien verloren hat - Heimvorteil in einem möglichen NBA-Finale inklusive. Allerdings, und das sind die wohl wichtigsten Zahlen im Hinblick auf ein mögliches Upset: die Grizzlies haben noch niemals seit Bestehen der Franchise eine Playoff-Partie gewonnen. Ihr Coach Lionel Hollins hat exakt 0 Playoff-Partien absolviert. Zwar wird Memphis' Negativserie hier sicherlich enden, und neben einem Überraschungssieg in San Antonio ist auch mindestens ein Heimsieg durchaus realistisch. Insgesamt aber sind die Spurs zu erfahren, zu offensivstark und zu gut gecoacht. Die Grizzly-Bären werden nicht mehr als ein, zwei Klauenhiebe setzen können, bevor sie von den Sporen in Grund und Boden gestampft werden.


nbachef meint: 4-2 San Antonio