16 April 2011


Eine der spannendsten Playoff-Serien steigt im Wilden Westen, und wohl niemand kann adäquat vorhersagen, wie das Duell zwischen Dallas und Portland ausgehen wird. Beide Mannschaften brennen nach dem Erstrundenaus im vergangenen Jahr auf Wiedergutmachung und werden mit ihrem Gegner alle Hände voll zu tun haben. Dass die Mavericks dabei als höher platziertes Team Heimvorteil geniessen, könnte letzten Endes den kleinen, aber feinen Unterschied ausmachen.

Die Mavericks konnten zwei der vier Spiele während der regulären Saison für sich entscheiden - beide zu Hause. Als drittplatziertes Team geht man leicht favorisiert in diese Playoff-Serie, obwohl viele Experten gerade hier das mögliche Upset vermuten. Vielleicht hat Dallas' chronische Erfolglosigkeit in den letzten Jahren damit zu tun: seit jener traumatischen Finalniederlage 2006 haben die Mavericks gerade mal eine Playoff-Serie gewonnen. Dennoch spricht man jedes Jahr aufs Neue vom Titel, der mittlerweile aber eher wie eine Fata Morgana wirkt denn wie ein realistisches Ziel. Natürlich darf man weiter träumen, aber alle Nicht-Mavs Fans wissen schon lang, was die Stunde geschlagen hat.

Die Hoffnungen der Texaner ruhen einmal mehr auf Dirk Nowitzki. Der 32-jährige glaubt weiterhin fest an die Meisterschaft und wünscht sich (natürlich heimlich, still und leise) mehr Unterstüzung von seinen Teamkollegen. Zum Beispiel von Jason Terry, der zwar während der Saison immer wie der beste 6. Mann der Liga agiert, sich in den Playoffs aber routinemässig versteckt wie kleine Kinder beim Spielen. Portland schaffte es, den Jet in den vier Partien bisher recht gut zu neutralisieren (nur 12 PPG). Will Dallas weiter kommen, muss von Terry mehr kommen als das gelegentliche Menge anfeuern und massenhaft Backsteine von Tief.


Taktikpuristen werden in dieser Serie voll auf ihre Kosten kommen, vor allem Liebhaber der europäischen Spielweise: kein anderes Team spielt häufiger Zone als Dallas (1.) und Portland (2.). Dementsprechend wichtig wird auch die Offensive gegen diese Art der Verteidigung sein. Während die Trail Blazers hier aber erstaunliche Probleme offenbaren - die Spieler stehen oft mit dem Ball in der Gegend herum, ohne zu wissen, was zu tun wäre - ist das Team von Rick Carlisle diesbezüglich absolut top. Sowohl Spieler als auch der Ball bewegen sich wie an unsichtbaren Schnürchen gezogen perfekt über den Platz, solange, bis ein offener Wurf verfügbar ist. Klappt das nicht, wird Nowitzki häufig im Post gesucht. Der lange Deutsche netzt dann meist per Fade-Away ein - ein Move, der dank seiner Länge und seiner Wurfsicherheit nicht zu verteidigen ist.

Mit Lamarcus Aldridge, Gerald Wallace und Nicolas Batum verfügen die Trail Blazers aber über drei lange, athletische Verteidiger, die abwechselnd versuchen werden, Nowitzki's Kreise zumindest einzuengen. Aldridge, der sich in dieser Spielzeit enorm gesteigert hat und zum besten Spieler der Blazers gereift ist (21.8 PPG), wird offensiv zudem die Hauptlast tragen müssen. Vom gebürtigen Texaner (direkt aus Dallas) darf man, vor seinen Freunden und Familienangehörigen spielend, eine starke Serie erwarten. Und dank 'Crash', der seit dem Februar-Trade eine gehörige Portion Feuer ins Team gebracht hat, wartet auf die Mavericks ein extrem unbequemer Gegner. Die Blazers spielen präzise, stecken nie auf und sind extrem gut gecoacht. Im heimischen Rose Garden geben sich die Mannen von Nate McMillan selten eine Blöße. Rip-City eben.

Dennoch sehe ich Dallas leicht im Vorteil. Wegen Portland's notorischer Schwäche gegen die Zonenverteidigung. Weil die Mavericks mittlerweile begriffen haben müssten, dass man sich nicht Jahr für Jahr trotz 50+ Siegen sang- und klanglos vor dem Conference Halbfinale verabschieden kann. Weil die Mavericks nun endlich auch verteidigen, was ihnen neben der gewohnt potenten Offensive die wichtigen Stopps in den entscheidenden Phasen einbringen wird. Weil sie jetzt Tyson Chandler haben, den aggressiven Zonenpolizisten, der sich eigenmächtig um Aldridge, Wallace und Camby kümmern wird und der das Team mit dem Defensivvirus infiziert hat. Und letztendlich eben auch, oder vor allem, wegen des Heimvorteils. Portland hat massive Probleme, auswärts zu gewinnen, und ist nicht halb so tief besetzt, wie die meisten denken. Es wird nicht leicht, aber die Pferdchen retten sich in die nächste Runde.


nbachef meint: 4-3 Dallas