16 April 2011


Sie sagen: "One is fun, but twice is nice." Und siehe da, Orlando bekommt es in den Playoffs zum zweiten Mal innerhalb von nur 12 Monaten mit den Atlanta Hawks zu tun. 2010 ballerten die Magic das Team aus Georgia mit durchschnittlich 25 Zählern Unterschied vom Platz - es war der deutlichste 4-Spiele-Sweep der NBA-Geschichte. Nach der zweiten uninspirierten Postseason-Darbietung in Folge flog Hawks-Coach Mike Woodson hochkant aus seinem Trainersitz, während Shooting Guard Joe 'Choke' Johnson einen neuen fetten 124 Millionen Dollar Vertrag erhielt.

Der neue Trainer in Atlanta, Larry Drew, machte sich gleich nach seinem Amtsantritt im Sommer an die Arbeit. Er wollte - ganz der Seher, der er nun einmal ist und weil er eine bevorstehende Playoff-Schlacht mit Orlando antizipierte - dringend die gute alte Celtics-Methode emulieren, mit der man das Magic-Monster Dwight Howard wirkungsvoll eindämmen kann. Enter Jason Collins. Der Neuzugang schaffte es, in der regulären Saison Howard im Low Post Eins gegen Eins Paroli zu bieten, frustierte den All-Star Center (nur 43% Trefferquote) und gestattete seinen Teamkollegen so, die vielen Dreierschützen des Gegners ehrlich zu decken. Die Folge: nur 22% Magic-Trefferquote von Tief, und 3 Atlanta-Siege in 4 Partien.

Diese Taktik-Schiene wollen die Hawks natürlich weiter fahren, um sich jetzt für die Pleite im letzten Jahr zu revanchieren. Dummerweise sind die Vögel dazu viel zu unkonstant und unkonzentriert. Bestes Beispiel: wenn Atlanta eine Serie von Screens und konstante Bewegung benutzt, um freie Würfe für alle Spieler auf dem Platz zu kreiieren, ist das Team kaum zu stoppen. Allerdings passiert das nur in ca. 4 von 100 Angriffen. Statt dessen gibt es immer noch ganz viel vom dem alten 'Rumstehen und den Typ mit dem Ball machen lassen' System zu bestaunen. Die Ergebnisse sind altbekannt. Weitere (ebenfalls altbekannte) Schwächen, die wohl kein Hawks-Coach jemals ausmerzen wird: viel zu ineffizient in Isolations-Spielzügen, zu wenig Engagement in der Defensive, und zu lässig beim Zug zum Korb. Gerade letzteres (Platz 29 bei den Freiwurfversuchen) wird in der Postseason zum ernsten Problem werden, denn da muss man beizeiten auch mal an der Linie die Punkte hamstern.

Dass viele Experten dennoch an ein mögliches Hawks-Upset glauben, liegt an einer im Vergleich zu letztem Jahr grundlegend veränderten Magic-Mannschaft. Das Team ist nach den Trades im Winter weitaus kleiner und ersatzschwächer geworden. Von einem ernst zu nehmenden Titelfavoriten spricht mittlerweile niemand mehr. Obwohl immer noch alles mit Dwight Howard steht und fällt, der sich in dieser Saison stark verbessert hat und zurecht als legitimer MVP-Kandidat gehandelt wird, hängen lange und erfolgreiche Playoffs nun von Rollenspielern wie Jameer Nelson, Jason Richardson und Gilbert Arenas ab. Wie viel von ihren Skills können diese Akteuere abrufen, jetzt, wo es darauf ankommt ? Spielt Nelson gut, sind die Magic nur schwer zu schlagen. Der Point Guard taucht aber immer noch zu oft ab in entscheidenden Situationen. Ebenso J-Rich, ein explosiver Scorer, der D-12 aus dem Backcourt effizient unterstützen muss, um die gegnerische Abwehr zu beschäftigen. Und Arenas ? Naja...egal. Die Taktik der Magischen ist altbekannt: Howard Inside, Dreier von aussen. Dazu eine starke Defensive, die im Verteidigen des Pick'n'Roll und gegen Sprungwürfe zur Creme de la Creme gehört. Platz 5 in Offense und Defense machen deutlich: Orlando zählt nach wie vor zu den besseren Teams der Liga, auch wenn das irgendwie nicht mehr so den Anschein hat.

Das wird gegen die alles andere als beeindruckenden Falken aber locker ausreichen. Natürlich wird das Team aus Florida nicht dominieren. Dazu sind die eigenen Unzulänglichkeiten, Unkonzentriertheiten und latenten Tendenzen zu dummen Fouls einfach zu schwerwiegend. Insgesamt kaufe ich aber die 'Collison wird Howard komplett neutralisieren' Idee nicht ab, der erfahrenere Stan van Gundy wird seinen Counterpart Larry Drew austaktieren, und Atlanta spielt insgesamt eine zu faule und unmotivierte Marke Basketball - wie schon in den Jahren zuvor. Mit dieser Lineup ist - trotz Collison und Kirk Hinrich - nicht mehr als ein Zufallserfolg drin.


nbachef meint: 4-2 Orlando