16 April 2011


Für viele die spannendste Serie im Osten, zumindest aber die unterhaltsamste: Knicks gegen Celtics, das ist auch das ewige Duell New York gegen Boston - zwei Metropolen, deren Mentalität und Art unterschiedlicher nicht sein könnten. Die uralte Rivalität wurde in dieser Saison nach einem ausgedehnten Schlummerschlaf wieder entstaubt, und man lieferte sich einige harte Atlantic Division Duelle, ganz wie in den guten, alten Zeiten.

So unterschiedlich, wie man auf der einen Seite ist, so gross sind auf der anderen die Gemeinsamkeiten: beide Teams mussten 2010/11 mit grossen Erwartungen seitens ihrer Fans zurecht kommen und einer Art Massenpanik, nachdem man inmitten der Saison den Kader komplett umkrempelte. Die Ergebnisse stimmten nicht immer, und es kamen desöfteren Zweifel am eingeschlagenen Weg auf. Nun trifft man sich also in den Playoffs wieder, und irgendwie ist man plötzlich der ideale Gegner füreinander.

Boston, das ähnlich wie vor einem Jahr immer noch seiner Meisterschafts-Form hinterher läuft, wird gegen die offensivstarken Knicks aus seinem Halbschlaf der letzten Wochen und Monate aufwachen müssen, denn mit New York ist nicht zu spassen. Die können eimerweise Punkte einschenken. Die Duelle der regulären Saison haben bereits gezeigt, dass es eine harte, ruppige Serie wird, und vielleicht ist genau das der nötige Weckruf für Boston's Aggressivität und Dobermann-Mentalität, die gegen die Miamis, Chicagos und LAs dieser Welt vonnöten sein wird, um zu bestehen. Die Knicks auf der anderen Seite haben mit Boston den zwar unbequemsten, aber wohl schlagbarsten Gegner der 'Grossen Drei' erwischt. Anthony und Stoudemire können mit einer starken Vorstellung in den Playoffs beweisen, dass man im grossen Apfel in puncto Teambuilding auf dem genau richtigen Weg ist.

Das soll natürlich nicht heissen, dass NYK ab sofort zu den Favoriten gezählt werden darf. Unter der scheinenden, Post-Melo-Trade Oberfläche, die zweifelsohne wieder eine Aura von Glamour und Glanz im Madison Square versprüht, schimmert immer noch eine defensiv überforderte und offensiv oft planlose, mittelmässige Truppe hindurch. Aber zumindest auf der Drei (Anthony) und Vier (Stoudemire) werden die Knickerbockers offensiv den Ton angeben. Auch auf der Aufbauposition wird der ehemalige 'Mr. Big Shot' (Chauncey Billups) seinen Mann stehen können, während er zumindest phasenweise für so etwas wie Ordnung im ansonsten chaotischen Haufen von Mike D'Antoni sorgen wird. Man darf auf Seite von Blau-Orange wie immer viele Isolationssets für Melo und Stat sowie massenweise Fast-Break Möglichkeiten erwarten.

Die Grünen hingegen, die auf jeder Position mithalten können oder sogar heraus stechen (SG, Ersatzbank, Center), werden sich einmal mehr auf ihre erdrosselnde Defensive verlassen. Die hat auch ohne den überraschend abgewanderten Kendrick Perkins nichts von ihrer Effizienz verloren. Der Grössenverlust unter den Körben wird - auch ohne den weiter verletzten Shaquille O'Neal - gegen New York nicht ins Gewicht fallen. Zwar sind die C's keinesfalls besser, als sie es vor 6 Monaten waren, aber die spielerische Überlegenheit, defensive Mentalität und Playoff-Erfahrung wiegt in diesem Duell weitaus schwerer als NY's Feuerkraft. Auch wenn die Kobolde (wieder einmal) nicht den Eindruck eines legitimen Meisterschaftsanwärters machen, so haben sie schon letzte Saison bewiesen, dass sie im richtigen Moment den Schalter umlegen können. Die Knicks werden dank ihrer Offensive und individuellen Klasse mindestens eins, eher sogar zwei Spiele gewinnen können. Letztendlich aber wird Boston in die nächste Runde einziehen - direkt zum grossen Showdown mit Miami.


nbachef meint: 4-2 Boston