16 April 2011


In jedem Jahr gibt es diese eine Playoff-Serie, die einem bereits beim kurzen Blick auf das bevorstehende Duell die Müdigkeit in die Augen treibt. Ein Sedativum für alle Schlafgestörten dieser Welt. Ein ungleiches Battle, auf das die ausgelutschten "Ich tippe auf ______ in 2 oder 3 Spielen" Kalauer beinahe noch zutreffen. Zum Prügelknaben auserkoren wurden in dieser Saison die Indiana Pacers, die sich weniger aufgrund ihrer eigenen Stärke, als vielmehr dank der grottenschlechten unteren Ost-Hälfte den letzten Playoffplatz sicherten - mit einer bescheidenen 37-45 Bilanz (zum Vergleich: Golden State verpasste vor drei Jahren trotz 48 Siegen die PO's).

Man muss kein Fachmann sein, um zu verstehen, dass Indiana eines der miesesten Playoff-Teams aller Zeiten ist. Im Maisstaat freut sich man dementsprechend wie 31 kleine Reggie Millers, dass man Ende April überhaupt mal wieder bedeutungsvolle Basketballspiele absolvieren darf. Die Saison ist bereits jetzt ein voller Erfolg. Im Idealfall, so könnte man meinen, können die Spieler von Interimstrainer Frank Vogel also befreit aufspielen, ganz ohne medialen Druck oder zu hohe Fanerwartungen. Die Mannschaft verfügt über einen soliden Aufbauspieler (Darren Collison), einen soliden Go-to-Guy (Danny Granger), einen soliden Center (Roy Hibbert) und solide Rollenspieler. Die Pacers verlassen sich gerne auf ihre europäische 'Drive and Kick' Spielweise, durch die sie versuchen, sich offene Würfe zu erarbeiten. Hinzu kommen im Angriff viele Picks abseits des Balles. Das Spacing, also das geschickte Ausnutzen der kompletten Spielfeldbreite, und der lange Ball haben traditionell grosse Anteil am Pacers'schen Spielsystem.

Das alles wird gegen die abwürgende Defensive des besten Teams der Liga aber nicht ansatzweise ausreichen, wie schon in der regulären Saison (nur 88.4 Pacers PPG gegen Chicago). Die Bulls sind in der Verteidigung das effizienteste Team der Liga. Sie machen die Räume nach dem Rotieren so gut dicht wie kaum eine andere Mannschaft, stehen Distanzschützen fast immer auf den Füssen, greifen sich die zweitmeisten Defensivrebounds und gestatten die viertwenigsten Dreier überhaupt. Im Angriff haben die Kühe zwei Hauptsysteme: viele Ballscreens für den kommenden MVP Derrick Rose, sowie multiple Isolationssets für die drei besten Scorer Rose, Carlos Boozer und Luol Deng. Dank Rose's offensichtlich stark verbessertem Distanzwurf klappt der Pick'n'Roll in Chicago so gut wie noch zuvor, denn der All-Star PG bestraft das Absinken des Verteidigers nun routinemässig mit hohen Trefferquoten von weiter draussen. Spiel man ihn eng, hat Rose dank seiner eingebauten Turbojets einen unfairen Vorteil. Darren Collison, der schlechteste 1-gegen-1 Verteidiger einer ohnehin schwachen Mann-zu-Mann Pacers-Defensive, kann sich also auf nächtliche Alpträume einstellen.

Glücklicherweise für Indiana wird diese Serie ganz schnell vorbei sein. Ja, die Pacers fügten den Bulls deren einzige Central Division Niederlage in der abgelaufenen Saison bei. Und ja, es ist die Postseason, und das heisst auch: eine 0-0 Startbilanz und gleiche Chancen für alle. Womit dann auch Chicago's 62-20 Traumsaison und der 9-0 Endspurt nicht mehr wirklich relevant sind. Aber die Bulls sind in Top-Verfassung und wollen der Welt zeigen, dass man zurecht als Titelkandidat gehandelt wird. Indiana hat weder die personellen noch taktischen Mittel, um gegen die Abwehrsysteme von Tom Thibodeau zu bestehen. Zuviel Defense, und zuviel Derrick Rose. Eine Horde wilder Bullen aus Illinois trampelt ein Maisfeld in Indiana in Grund und Boden. Und keinen von uns interessiert's...


nbachef meint: 4-0 Chicago.