06 April 2011












Der Stimmung im Wells Fargo Center nach zu urteilen kämpften zwei Titelkandidaten um die Vorherrschaft in der Eastern Conference. Nein, ganz so monumental war das Duell zwischen den Philadelphia 76ers und den New York Knicks dann doch nicht - für zwei der Überraschungsmannschaften in dieser Saison aber nicht minder wichtig. Schließlich stand/steht für beide noch Rang 6 in der Ost-Tabelle auf dem Spiel. Philly hielt die Platzierung nun seit geraumer Zeit inne, aber New York kam in den letzten Tagen mit 4 Siegen in Folge heran gebraust und scheint fest entschlossen, die Saison vor den Sechsundsiebzigern abzuschliessen.


Die Story des Spiels ist schnell erzählt. Der Gast führte zur Halbzeit bereits mit 7 und war im dritten Viertel drauf und dran, den Sack endgültig zu zu machen. Angeführt von Carmelo Anthony, der 15 seiner Game High 31 Punkte im Abschnitt erzielte, zogen die Knickerbockers bis auf zwischenzeitlich 19 Punkte davon. Es folgte der fast schon obligatorische Einbruch. Philadelphia kam komplett zurück und ging kurz vor Schluss sogar in Führung. Anthony war es aber letztendlich wieder, der mit einem ganz grossen Dreier 11 Sekunden vor dem Ende dem Gastgeber den Todesstoss versetzte.


Es scheint, als hätten sich die Knicks nach jener erbärmlichen Durststrecke vor zwei/drei Wochen mit 9 Niederlagen aus 10 Partien rechtzeitig wieder gefangen und den Vorwärtsgang für die Playoffs gefunden. Mit ihrem 5. Sieg in Folge ziehen sie (40-38) zunächst an den Sixers (40-39) vorbei und egalisieren gleichzeitig die Season Series bei 2. Das könnte ein potentieller Big Point sein, nämlich in dem durchaus realistischen Szenario, dass beide Teams die reguläre Saison mit der gleichen Bilanz beenden. In dem Fall wird die Division- bzw. Conference-Bilanz zum Tiebreaker, und da steht New York weitaus besser da als Philadelphia (Div: 9-5 vs. 8-7, Conf: 26-22 vs. 24-25).


Welche Schlüsse lassen sich für die Playoffs ziehen ? Philadelphia bleibt das hart spielende, nie aufsteckende Team ohne echten Superstar, welches aufgrund seiner Athletik, jungen Beine und Einsatzbereitschaft nie wirklich aus dem Spiel ist. Die Handschrift von 'Coach of the Year' Kandidat Doug Collins ist in jeder Partie offensichtlich. Gleichzeitig offenbaren die 'Young Guns' aber auch mentale Schwächen, vor allem jetzt gegen Ende der Saison, wo es um die Big Points geht. Ich glaube kaum, dass die 76ers mehr als 1 oder 2 Partien gegen Boston oder Miami gewinnen können in der Postseason. In New York hingegen ist eines so sicher wie die permanente Hektik im grossen Apfel: Genie und Wahnsinn liegen bei diesem Team immer ganz dicht beieinander. Obwohl die Knicks also aufgrund ihrer notorischen Unfähigkeit, den Gegner am Punkten zu hindern, ganz schnell mit 0-4 unter die Räder kommen könnten, verfügen sie gleichzeitig über so dermassen viel Feuerkraft (das Tandem Anthony/Stoudemire ist nach James/Wade das zweitbeste Scoring-Duo der Liga), dass sowohl Miami als auch Boston dran glauben könnten. Die Knicks beenden ihre 'Back to the Playoffs Tour 10/11' (nach 6 Jahren im Postseason-Exil) mit Partien in New Jersey, Indiana, Boston und gegen Chicago. Philadelphia empfängt zum Schluss noch Toronto, Orlando und Detroit.