07 April 2011












Die Chicago Bulls sind mehr oder weniger offiziell das neue Eastern Conference Alphatier. Nach der einseitigen, dominanten Vorstellung gegen den amtierenden Ost-Champion Boston haben die Bullen (58-20) nun 4 Siege mehr auf dem Konto als die bilanzgleichen Celtics und Miami Heat (54-24) bei noch 4 auszutragenden Partien. Zwar besteht noch die theoretische, mathematische Chance, dass Miami oder Boston auf den letzten Metern noch vorbei zieht, aber die Wahrscheinlichkeit dafür ist in etwa genaus so gross wie eine baldige Playoff-Teilnahme der Cleveland Cavaliers. Ein weiterer Sieg der Bulls oder eine Niederlage der Heat/C's, und die beste Bilanz im Osten gemeinsam mit dem Heimvorteil bis mindestens in Conference Finale ist unter Dach und Fach.

Es ist schon jetzt die beste Bulls-Saison seit den recht erfolgreichen Michael Jordan/Scottie Pippen Tagen in 'The Chi'. Der neue Cheftrainer Tom Thibodeau hat in seinem ersten Head Coaching Gig überhaupt ein erstickendes Defensivsystem etabliert (Platz 2 in der NBA mit nur 91.5 Gegenpunkten), das den Gegnern Abend für Abend den letzten Nerv raubt und die Ws in der Bulls-Bilanz klimpern lässt wie die Geldmünzen in D-Rose's nächstem Profivertrag. So auch heute Nacht gegen Thib's altes Team, bei dem er als Assistenztrainer an der Seite von Doc Rivers massiven Anteil am Titelgewinn 2008 hatte. Boston sah gegen die starke Ballside Defense und im Low Post absolut kein Land, generierte kaum Assists und traf insgesamt nur 38% seiner Würfe aus dem Feld. Nachdem Grün etwas mehr als eine Halbzeit lang mit den Gastgebern mithalten konnte, reichte den Bulls ein vorentscheidender 10-2 Lauf gegen Ende des dritten Viertels, um die Partie aufzureissen und unbeschwert nach Hause zu schaukeln.

Derrick Rose war einmal mehr nicht nur spektakulär (Fallaway Running Floater off the Backboard !?!), sondern auch der beste Mann auf dem Platz mit 30 Punkten, 5 Rebounds und 8 Assists. Rajon Rondo wirkte gegen Rose wie ein Rookie in seiner ersten NBA-Woche (nur 3-10 FG). Rose wirkte gegen Rondo wie der kommende MVP. Wenn der Favorit auf den Award im nationalen Fernsehen, eine Woche vor Ende der regulären Saison, im direkten Duell gegen den grössten Konkurrenten um Platz 1 seine Farben mit einer dermassen fehlerfreien Darbietung zur besten Bilanz in der Conference führt, kann man ihm den Award eigentlich gleich zumailen. Das Ding ist unter Dach und Fach. Luol Deng war mit 23 Punkten wie gewohnt der zweitbeste Punktesammler bei den Kühen.

Vor allem im Schlussviertel dann wurde die Partie so einseitig und Boston so weich, dass Thibodeau's Blutdurst nur noch durch harte Bulls-Fouls gegen die eigenen Teamkollegen zu stillen war (siehe Taj Gibson's Bruce Lee Karate-Tritt aus dem Stand gegen Deng). Zum krönenden Abschluss eines perfekten Abends aus Chicagoer Sicht durften dann noch unsterbliche NBA-Legenden wie Kurt Thomas, Rasual Butler und Omer Asik ran. Der Sieg war bereits der 17. in den letzten 19 Partien für Chicago, und insgesamt der 35. im 40. Heimspiel (das entspricht einer Siegesquote von .875). Indiana und die Playoffs können kommen.