29 April 2011


Schon am Mittwoch gaben die New York Knicks bekannt, dass sie ihre Teamoption im Vertragsfall Chauncey Billups ziehen und den Point Guard auch über diese Saison hinaus beschäftigen werden. Der 34-jährige verdient in der kommenden Saison 14.2 Millionen Dollar. "Wir haben uns entschlossen, Chauncey für die folgende Saison 2011/12 zu behalten. Er ist ein sehr talentierter und erfahrener Point Guard. Zusammen mit Carmelo Anthony und Amare Stoudemire bildet er einen grossartigen Nukleus (...). Wir sind sehr froh, dass er zurück kommt", erklärte New York's Manager Donnie Walsh die Entscheidung des Clubs.

Was auf den ersten Blick - vor allem im Hinblick auf die angestrebte Knicks-Dynastie im Osten - durchaus fragwürdig erscheinen mag, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als der genau richtige Move. Billups zählt mit Sicherheit nicht mehr zur Point Guard Elite in der National Basketball Association. Seine Produktivität lässt mittlerweile mit jeder verstreichenden Spielzeit nach, und wird dies in Zukunft bestimmt noch mehr. Seine Stats in dieser Saison: 16.8 Punkte und 5.4 Assists pro Spiel - seine schlechtesten Zahlen seit der '04/05 Saison. Man muss kein Detektiv sein, um zu erkennen: Billups ist nicht die langfristige Antwort auf der Eins für New York. Walsh hätte den Veteranen aus seinem Vertrag heraus kaufen (3.7 Mio $ Buyout Klausel) und sich nach einem jüngeren, weitaus billigeren Spielmacher umsehen können.

Allerdings: auf dem freien Markt ist ein solcher Spieler in diesem Sommer nicht zu haben. Der Free Agent Jahrgang ist auf den kleinen Positionen schütterer als Chris Kaman's Haar, und via Draft mit niedrigem Pick einen Jackpot an Land zu ziehen in etwa so wahrscheinlich wie ein 'Executive of the Year' Award für David Kahn. Spieler wie Toney Douglas sind noch nicht soweit. Für den stets bedachten Walsh bot sich also nur eine Option wirklich an: mit Billups an den Kontrollschaltern in die neue Saison gehen. Auch wenn der ehemalige Finals-MVP im Herbst schon 35 sein wird: seine gediegene Spielweise und vor allem die sporadischen Einsatzzeiten zu Beginn seiner Karriere (in den ersten 5 Saisons nur einmal 30+ Minuten pro Partie) haben ihn relativ frisch gehalten. Mindestens drei Spielzeiten sind noch locker drin. Die jungen Knicks-Guards werden von dem alten Haudegen - einem exzellenten Lehrer und Coach - viel dazu lernen können. Dessen Playoff- und Championship-Erfahrung wird dem Kader um Anthony und Stoudemire gut zu Gesicht stehen und für Stabilität sorgen, während New York nach Möglichkeiten sucht, um den Kader weiter zu verstärken. Und hier liegt für NYK letztendlich der eigentliche Mehrwert dieser No-Brainer-Personaltransaktion: einen Veteranen mit einem derart hohen, auslaufenden Vertrag kann man problemlos in den nächsten 10 Monaten (bis zur Deadline im Februar) traden - zum Beispiel in einem Blockbuster für Chris Paul. Oder glaubt jemand, dass der in zwei Jahren noch Hornets-Türkis trägt ?