24 April 2011


Ich schätze mal, die haben manchmal Recht mit dem ausgelutschten Spruch "Totgesagte leben länger". Denn wo, das fragen wir uns wohl alle, kam die Leistung eigentlich her ? Der erklärte Fast-Basketball-Invalide Brandon Roy, der nach mehreren Knie-OPs und dem Fehlen jeglicher fester Materie in selbigen noch vor wenigen Tagen auf der Blazers-Ersatzbank den Tränen nahe war, weil man ihn nicht einsetzte, ihn nicht mehr für relevant hielt, für nicht mehr fähig, substantielle Beiträge auf dem Platz zu leisten, hievte sich in bester Baron Münchhausen Manier mit einer der All-Time Playoff Performances wieder ins kollektive Bewusstsein.

Die Blazers hatten sich, so gaben zumindest Spieler wie Nic Batum oder Gerald Wallace hinterher offen zu, mit der Niederlage schon abgefunden, denn Dallas dominierte die vierte Partie der Erstrundenserie nach Belieben. Die Mavericks führten bereits mit 23 Punkten. Wohlwissend wie schwer es bei 1-3 Rückstand werden würde, die Serie noch umzubiegen, forderten Veteranen wie Marcus Camby und LaMarcus Aldridge ihre Teamkollegen noch ein letztes Mal auf, alles zu geben. Das sensationelle Comeback bahnte sich dann zunächst schleichend an, und schlug dann für alle in dieser Art völlig unerwartet ein.

War der Rose Garden zu Beginn des Q4 noch muchsmäuschenstill, wurde es drinnen bald ohrenbetäubend laut, denn Brandon Roy' Solo-Show lief nun auf Hochtouren. Der All-Star Guard mit den angeschossenen Knien schien den Murmeltier-Film nachzuspielen. Es war wie ein und derselbe Flashback, immer und immer wieder durchlebt. Die entschlossenen Drives zum Korb, die Floater, die Stepback J's. Dallas fand nie eine Antwort für Roy. Der traf 8 seiner 10 Würfe (7 davon unassistiert) im Viertel, in dem er 18 seiner insgesamt 24 Punkte erzielte. Spätestens die 4-Punkte Aktion knapp 1 Minute vor Schluss (Dreier plus Foul gegen Marion) schien das Mavs-Schicksal endgültig zu besiegeln. Am Ende stand beim 84-82 nicht nur der Serienausgleich, sondern auch noch das grösste Comeback der Blazers-Geschichte fest, sowie eines der grössten in der NBA-Playoff-Historie überhaupt. Nur zwei Teams zuvor waren jemals von einem 18-Punkte Rückstand zu Beginn des letzten Spielabschnitts noch erfolgreich zurück gekehrt.

Gut möglich, dass Roy mit seiner sensationellen Performance den ohnehin nicht sehr gefestigten Fohlen einen weiteren psychischen Knacks verpasst hat. Das Momentum, dass voll und ganz in Dallas gewesen wäre bei einer potentiellen 3-1 Führung, hat nun vollständig die Seiten gewechselt. Durch diesen erneuten, historischen Einbruch wurden alte Wunden wieder aufgerissen bei Cuban, Dirk, Terry & co. Das Finalfiasko 2006. Die sensationelle Erstrundenpleite 2007 gegen Golden State. Das peinliche Aus gegen San Antonio vor einem Jahr. Und obwohl die Mavs in der jetzt de facto Best-of-3 Serie nach wie vor Heimvorteil geniessen, und das Ding mit zwei Heimsiegen nach Hause schaukeln können, steckt der Blazers-Finger nun ganz tief drin im labilen Mavericks-Bewusstsein. Ausgerechnet wegen eines totgeglaubten Shooting Guards ohne Knie...