23 März 2011


Immer überaus unterhaltsam, wenn sich Trainerlegende Don Nelson zu Wort meldet. Das war schon während seiner aktiven Zeit so, und daran wird sich wohl auch in Zukunft nichts ändern. Und das, obwohl der siegreichste Trainer aller Zeiten (insgesamt 1335 W's in 31 Spielzeiten) seit dem letzten Sommer eigentlich in Rente ist. Aber bleibt das auch so ?

Am Montag strahlte der TV-Sender 'CSN Bay Area' eine 60-minütige Sondersendung über die Karriere des ikonischen Nelson aus. Die sonderbaren Details, die via Interview direkt aus Nellie's Gehirnwindungen ans Tageslicht gefördert wurden, sind verblüffend. Nelson plauderte aus dem Nähkästchen und bohrte ganz tief in den noch lange nicht verheilten Wunden aller Warriors-Fans herum. Die Dubs durften nur zwei Playoff-Teilnahmen in den letzten 18 Jahren feiern - beide mit Nelson als Chef. Da sind Alpträume und ganz viel angestauter Groll natürlich verständlich.

Nellie ärgert sich zum Beispiel immer noch grün und blau darüber, dass er damals (1991) das ausserordentliche Trio 'Run TMC' (Tim Hardaway, Mitch Richmond, Chris Mullin) auseinander riss, um Billy Owens "im dümmsten Trade meiner Geschichte" aus Sacramento zu holen. Richmond wurde bei den Kings All-Star, Owens wurde in Golden State zur dicken Lachnummer. Mindestens ebenso stark scheint Nelson den Sommer 1994 zu bereuen. Damals bat er das Warriors-Management, ihn anstatt Rookie-Forward Chris Webber (nicht die besten Freunde) aus der Stadt zu schicken. Webber ging nach Washington und später nach Sacramento, wo er eine Hall-of-Fame Karriere erlebte. Nelson blieb in der Bay Area stecken - damals wie heute NBA-Niemansland, was Teamerfolge betrifft - "anstatt in San Antonio zusammen mit Tim Duncan zu arbeiten". Auch New Yorker dürfen sich während des Interviews kurz fremdschämen, denn Nelson greift seine Zeit im Big Apple auf (1995-96). "Ich schlug hinter verschlossenen Türen vor, Patrick Ewing gegen Shaquille O'Neal zu traden. Jemand verpetzte mich am nächsten Tag an Pat, und das war schon das Ende meiner Zeit dort." Superstars run the team. Das hätte Trainerfuchs Nelson eigentlich wissen müssen.

Das verstörendste aber gleichzeitig beste Statement kam in Bezug auf seine Trainerentlassung im letzten Sommer. Kann man Nelson wirklich glauben wenn er behauptet, dass die frühzeitige Auflösung seines Vertrages (der eigentlich bis 2011 lief) ausgerechnet Andris Biedrins und dessen notorischer Freiwurfschwäche verschuldet gewesen sein soll ? Die lettische Bohnenstange wird an der Almosenlinie gewiss nie mit Steve Nash verwechselt werden (Karrierequote 51%). Da er dort aber in der letzten Saison schlechter als Eure Oma agierte (16%. Also sechzehn Prozent. Kein Witz), emfahl ihm Nelson angeblich die berühmt-berüchtigte und oft belächelte Unterhandtechnik. Die hatte Bay Area Ikone und NBA-Legende Rick Barry in den 60er/70er Jahren popularisiert. Barry, dessen karriereübergreifende Trefferquote mit dieser Technik bei 90 Prozent (!) lag, hätte sogar als Privattrainer für Andris 'Shaq' Biedrins zur Verfügung gestanden. Biedrins aber wollte davon nichts wissen. Lieber cool 5 von 6 versemmeln (mit der Frisur), als sein beschränktes Spiel irgendwie zu verbessern. Macht Sinn ! Obwohl bezweifelt werden darf, dass Nelson wegen dieses Kapitels "letztendlich gefeuert" wurde, ist zumindest das Barry-Detail wahr und wurde indirekt bereits bestätigt.

Ach ja: ganz zum Schluss machte Nelson, der auf Maui/Hawaii seinen Lebensabend geniesst und "bereits wieder von mehreren Programmen und Teams in Bezug aufs Coachen kontaktiert wurde", die Tür zu einer möglichen Rückkehr aufs Trainerparkett nochmal einen Spalt weit auf: "Ich bin hin- und hergerissen. Ich plane, nicht mehr zu coachen. Ich glaube nicht, dass ich noch einmal coachen werde. Aber...man soll niemals 'nie' sagen..."