27 März 2011


Wer das Privileg hatte, an diesem Wochenende eine bis vier Partien der 'NCAA Men's Basketball Tournament Round of Elite Eight' verfolgen zu können, darf sich 'nen Wolf freuen. Sein Wissens- und Erfahrungsschatz ist in den letzten 48 Stunden um eins bis vier knappe, spannende und hochintensive Duelle (inklusive historischer Upsets für die Rekordbücher) reicher geworden. Keines der an Nummer 1 oder 2 gerankten Teams darf mit zum Final Four nach Houston (zum ersten Mal seit 1979). Dafür ist das 'Butler des letzten Jahres' - ironischerweise wieder Butler - mit von der Partie und mit den Virginia Commonwealth Rams ein Vertreter, von dessen Existenz neun von 10 Leuten vor knapp 14 Tagen nicht einmal gewusst hatten. Gotta love the Madness !

VCU Rams vs. Kansas Jayhawks (71-61)
Es sah eigentlich alles nach einem leichten Spiel aus für das letzte noch verbliebene Nummer 1 Team im Turnier, aber die hoch favorisierten Kansas Jayhawks hatten die Rechnung ohne die Böcke aus Virginia gemacht. VCU verblüffte die gesamte Basketball-Welt und fährt nach dem sensationellen 71-61 zum Final Four nach Houston. Es ist natürlich der mit Abstand grösste Erfolg der Schulgeschichte. Noch vor 2 Wochen waren sich die Protagonisten unsicher, ob es überhaupt zu einer NCAAs-Nominierung reichen würde. Fünf Siege gegen fünf Power Conference Vertreter später - USC (Pac10), Georgetown (Big East), Purdue (Big 10), Florida State (ACC) und eben Kansas (Big 12) - kennt sie die ganze Nation. Angetrieben von den irren Motivationskünsten ihres jetzt schon legendären Coaches Shaka Smart (wie trefflich) blitzten die Rams ihre bemidleidenswerten Gegner in Halbzeit 1, trafen dort 9 von 12 Distanzwürfen und bauten ihre Führung zwischenzeitlich bis auf 17 Punkte aus. Kansas, das 11 Partien in Folge und in dieser Saison 36 von 39 gewonnen hatte, erholte sich nicht mehr von dem frühen Schock und fährt nun frühzeitig nach Hause. Jamie Skeen war mit 26 Punkten und 10 Rebounds bester Werfer bei den Rams, die mit diesem Erfolg gleich mehrere Bestmarken aufstellten: erstes 'First Four' Team überhaupt, das es so weit geschafft hat. Erstes Team überhaupt mit obig angesprochenen 5 Siegen gegen je einen Vertreter aus je einer Power Conference. Erst das dritte an Nr. 11 gerankte Team in der Geschichte der NCAA, das es bis ins 'Final Four' geschafft hat. Und gemeinsam mit Butler (VCU's Gegner im Halbfinale) die am niedrigsten eingestuften Setzlisten-Vertreter in der gesamten Turnier-Geschichte.



Butler Bulldogs vs. Florida Gators (74-71, OT)
Wenn uns die letzten zwei NCAA-Jahre irgend etwas gelehrt haben sollten, dann Folgendes: gegen Butler sollte man nach Möglichkeit nicht wetten. Die an Nr. 8 gerankten Bulldogs schrieben ein weiteres Kapitel in ihrem 'Buch der unmöglichen Tournament-Möglichkeiten' dank eines 74-71 Overtime-Erfolgs gegen die Alligatoren aus Florida, die als 2.-platziertes Team das letzte verbliebene Schwergewicht in der Südost-Region waren. Waren wohlgemerkt, denn die Gators fahren einmal mehr frühzeitig nach Hause. Butler legte einen furiosen Endspurt hin, nachdem der solide, ohne einen echten Star agierende Verbund des erst 36-jährigen Cheftrainers Brad Stevens knapp 7 Minuten vor Schluss bereits mit 9 Punkten im Rückstand gelegen war. Nach einem 16-7 Lauf vergab Matt Howard 30 Sekunden vor Ende die Chance auf die Führung. Florida hatte noch einmal die Möglichkeit zum Sieg - verpasste aber den entscheidenden Dreier. Overtime. Spannung pur. Der Extra-Abschnitt war nichts für schwache Nerven. Beide Teams tauschten einen wichtigen Korb nach dem anderen aus, keine Mannschaft konnte sich mit mehr als 3 Punkten absetzen. Ein Dreier von Shelvin Mack (27 Punkte) zum 72-70 und zwei verwandelte Freiwürfe brachten schiesslich den spektakulären Wiederholungserfolg der Bulldogs unter Dach und Wach. Butler ist nach UNLV im Jahr 1991 die erste Universität aus einer kleinen Conference (Horizon League), also ausserhalb der 'Power 6', mit konsekutiven Trips ins NCAA Final Four. Die Nervenstärke in engen Partien ist bemerkenswert, die aktuelle Form mit 13 Siegen in Serie für Gegner besorgniserregend. Im Aussenseiter-Duell gegen die VCU Rams gelten die Bulldogs aber zum ersten Mal als Favoriten - gut möglich, dass sie damit überhaupt nicht zurecht kommen und ein weiterer historischer Run dann zu Ende ist. Nur dagegen wetten, das würde ich nicht unbedingt...



NC Tar Heels vs. Kentucky Wildcats (69-76)
13 lange Jahre hat es gedauert für die Wildkatzen aus Kentucky - einem mystischen Ort-Mensch, der College-Basketball durch jede Pore seines Körpers atmet und eigene Teilnahmen am Final Four für sein selbstverständliches Naturrecht erachtet - bis man endlich wieder unter den letzten vier Mannschaften der NCAA-Endrunde gelandet ist. Vater des Erfolgs ist in dieser Saison Coaching-Legende John Calipari - ein absolutes Rekrutierungsgenie und geradezu 'miyagischer Lehrmeister' im Umgang mit jungen Point-Guards. Nun scheint sich sein jährliches Salär von knapp 4 Millionen Dollar (bestbezahlter College-Coach weit und breit) endlich zu rentieren für UK, nachdem die 'Cats vor einem Jahr mit einem mit NBA-Talenten gespickten Kader (John Wall, DeMarcus Cousins, Eric Bledsoe, Patrick Patterson) in der Vorrunde gescheitert waren. Ein Titelbanner ist alles was zählt im 'Bluegrass', dem College-Basketball Mutterland. Und obwohl man zunächst skeptisch war, mit dem extrem jungen Team selbiges schon in dieser Saison in Angriff nehmen zu können, findet sich Kentucky urplötzlich unter den Final Four wieder - und gilt dort als Favorit. Wenig hatte im Januar/Februar darauf hingewiesen, aber angeführt von Coach Calipari und Elite-PG Brandon Knight (22 Pts und der vorentscheidende Dreier beim Stand von 67-67) behielten die Wildkatzen die Nerven gegen kämpferische Teerfersen, die sich nach 8-Punkte Rückstand ins Spiel zurück gekämpft hatten, nur um am Ende eine umso schmerzhaftere Niederlage einzustecken im vielleicht letzten College-Spiel von Top-Prospect Harrison Barnes. UK könnte nächstes Wochenende tatsächlich das ganze Ding nach Hause schaukeln.


UConn Huskies vs. Arizona Wildcats (65-63)
Es sei denn, UConn hat etwas dagegen zu setzen. Falls es unter Euch immer noch Aliens geben sollte, die mit dem Namen 'Kemba Walker' nichts anfangen können - ungefähr jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, ihn auf Youtube googeln zu gehen. Der Point-Guard erzielte 20 Punkte, verteilte 7 Assists und war für fast alle wichtigen UConn-Körbe direkt oder indirekt verantwortlich. Walker ist erst der 3. Spieler in der Geschichte der NCAA, der in einem Wettbewerb durchschnittlich 25 Punkte, 5 Rebounds und 5 Assists abliefert. Hi, zukünftiger NBA Max Contract. Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner in Crime, Jeremy Lamb, hat Walker nun 70% aller Huskies-Punkte seit der 2. Runde erzielt. UConn hatte in den letzten Spielsekunden Glück, denn Arizona vergab zwei freie Dreier kurz vor dem Ende der Partie, einen davon mit der Schlusssirene. Die Wildkatzen hatten sich trotz Foulprobleme ihres besten Spielers Derrick Williams (noch so ein "
Hi, zukünftiger NBA Max Contract" Spieler, erzielte 20) und 7-Punkte Halbzeitrückstand (25-32) in die Partie zurück gekämpft und sogar die Führung zurück erobert. Die Backcourt-Zange Walker-Lamb bekamen sie aber nie wirklich in den Griff, so dass die Schneehunde letztendlich die Oberpfote behielten und zum zweiten Mal in den letzten drei Jahren ins Final Four einziehen. Das Halbfinale gegen Kentucky dürfte episch werden. Der Sieger dieses Duells dürfte am Sonntag dann auch die letzten Netze von den Ringen schneiden.

Die Halbfinals (UConn/Kentucky und Butler/VCU) steigen am kommenden Samstag (2. April) ab 6:09 PM ET - also 3. April, kurz nach Mitternacht MEZ.