02 März 2011

Die Spatzen pfiffen es schon länger von den Dächern: Troy Murphy, der nach seinem Trade von New Jersey über Golden State via Buyout auf dem Free Agent Marktplatz gelandet war, stand kurz vor einer Unterschrift bei einem Eastern Conference Contender. Für den 30-jährigen kamen nur zwei Mannschaften wirklich in Frage: Miami oder Boston.

Nachdem mehrere News-Outlets sich zunächst auf South Beach als Murphy's neue Adresse festgelegt hatten, machte am Ende doch Beantown das Rennen. Der Forward/Center gab als Grund für seine Wahl "die Spielweise der Celtics" an. "Ich mag ihr Spiel lieber, und passe da durch mein Fähigkeiten als Stretcher einfach besser hinein als in Miami". Autsch ! Viel deutlicher kann man eine Absage an die Heat nicht formulieren. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Boston dank seiner ohnehin schon gesunden Kadertiefe Murphy nicht so sehr benötigte wie der starbesetzte Kontrahent aus Florida, der einen Rebounder und Schützen dringend hätte gebrauchen können. Gegen Grün scheint Miami einfach (noch) nicht anstinken zu können. Die diesjährige Bilanz der C's im direkten Vergleich gegen Pat Riley & co: 4-0 (inkl. der Murphy-Steal) and counting.

Murphy bringt zwei Dinge nach Massachussetts: die Reboundfähigkeit eines echten Power Forwards gepaart mit der Treffsicherheit eines Guards. Trotz schmächtiger Stats in dieser Saison (nur 3.6 Punkte und 4.2 Rebounds) hat Murph bereits 5 mal in seinen 9 Profijahren 10 oder mehr Bretter im Schnitt geplückt - über eine komplette Saison natürlich. Seine besten Leistungen zeigte er vor 2 Jahren, als er in Indiana 14.3 Punkte und 11.8 Rebounds pro Abend zur Verfügung stellte. Auch in der letzten Spielzeit verblüffte der 2,11m Mann durch seine 10+ Bretter im Schnitt inklusive 128 Treffern von jenseits der Drei-Punkte-Linie. In diesem Jahr kam Murph über die Reservistenrolle und die des ungeliebten Rollenspielers nicht hinaus, stand nach etlichen Verletzungen und Stunk mit New Jersey Nets Coach Avery Johnson gerade mal 288 Minuten auf dem Parkett.

Boston ist das alles recht egal. Danny Ainge und Doc Rivers stehen auf Murphy's Fähigkeiten als Staubsauger und Shooter, der das Spielfeld breit macht. Obwohl der Neue ausschließlich von der Bank kommen wird, dürfte er schon bald in Crunch Time auf dem Parkett stehen. Einer der ausschlaggebenden Argumente für den Kendrick Perkins Trade war dessen mangelnde Produktivität in der Offensive. Mit Rondo und Perk auf dem Platz war Boston zu sehr abhängig von Pierce, Allen und Garnett, wenn es mal eng wurde. Nun haben die Grünen eine treffsichere Anspielstation mehr nach Rondo's Vorstössen in die Zone und sind so noch schwerer auszurechnen. Murphy kann wirklich aus allen Lagen drauf halten - und versenken. Wenngleich er - im Vergleich zu Kendrick Perkins - am entgegengesetzten Ende der Defensivskala angesiedelt werden muss, ist man beim Rekordmeister von seinen Fähigkeiten überzeugt.

Selbst wenn Murphy, der in seiner Karriere bisher noch kein einziges Mal in den Playoffs stand und dementsprechend jenen Veteranen-Hunger auf den Ring in die Kobold-Umkleide bringen wird, nur 15-20 Minuten pro Partie beitragen kann (was angesichts seiner mangelnden Spielpraxis durchaus realistisch anmutet in den nächsten Wochen, vielleicht sogar inkl. Playoffs), so haben die Celtics durch das Signing dennoch alles richtig gemacht. Sprich: mit nur einem Anruf eine personelle Schwäche ausgemerzt (Center), das eigene Rebounding enorm verbessert (ein oft vernachlässigter Faktor in Playoff-Vorhersagen), den perfekten Spieler für die eigenen Spielkultur verpflichtet (Ball Movement, Spielfeld breit machen, viele Würfe aus der Mitteldistanz nach Rondo-Penetration) und - eventuell vorentscheidend - allen anderen Contendern einen Wunschspieler vor der Nase weggeschnappt. Nice Move, Danny !