03 März 2011












Glaubt nach Miami's jüngster Implosion nach der Halbzeit und einem weiteren verschenkten Sieg in einer letztendlich eng umkämpften Partie wirklich noch irgend jemand an den Titel für die Heat schon in dieser Saison ? Ich hoffe nicht.

Der Gastgeber stürmte gegen Orlando zu einer scheinbar vorentscheidenden 63-45 Halbzeitführung. Lebron James und Dwyane Wade erzielten in den ersten 24 Spielminuten zusammen mehr Punkte (47) als das komplette Magic-Team. Orlando kam in der Defensive ständig zu spät und leistete sich dumme Fouls und Ballverluste, die Miami via Fast-Break in leichte Punkte umwandeln konnte. Das Duell war dermassen einseitig, dass ich mich zu Beginn des 3. Viertels für eine Dusche entschied. Als ich zurück war, lag Miami immer noch mit 24 Zählern in Front. Etwa eine Stunde später hatte Orlando in schier unfassbarer Manier (Memo an die League-Pass Heads: unbedingt die Wiederholung ansehen) den zweitgrössten Rückstand der Franchise-Geschichte noch in einen Sieg umgewandelt - und ich musste mich an die Umwandlung meines fast vollendeten Recaps machen. Und alles nur, weil sich die Heat unfähig wie kein zweites NBA-Team im Umgang mit hohen Führungen und in Crunch-Time präsentieren.


Schon am 3. Februar hätte Orlando eine 23-Punkte Rückstand fast noch gedreht. Diesmal klappte es mit dem Monster-Comeback dank eines 50-23 Laufs (40-9 Zwischenspurt), initiiert von Jason und Quentin Richardson. Der Magic-Guard (24 Punkte) ballerte einen Dreier nach dem anderen durch die Maschen, seine Teamkollegen machten es ihm nach (9 von 14 lange Bomben nach der Pause). Q-Rich machte defensiv den Unterschied und blitzte Miami's Stars ein ums andere mal. Orlando scorte 48 Punkte aus der Distanz, fast alle nach dem High Pick'n Roll mit Jameer Nelson und Dwight Howard, die Miami's gefürchtete Defensive aussehen liessen wie die der Timberwolves. Howard dominierte die Bretter mit 18 Rebounds, davon allein 10 im vierten Spielabschnitt (mehr als das gesamte Heat-Team). Wade und James verfehlten zusammen alle 6 Wurfversuche, und das South Beach Team sank in der Folge schneller als die Titanic.

Es war einmal mehr eine eindrucksvolle Demonstration des Status Quo beider Franchises, wie wir ihn wohl auch in der Postseason erleben werden: Orlando teilweise anemisch, undiszipliniert und offensiv zu leicht auszurechnen. Gleichzeitig aber auch mit der Fähigkeit, jedes Spiel gegen jeden Gegner zu gewinnen und grosse Comebacks hinzulegen dank der unnachahmlichen Kombination von Howard's Dominanz in beiden Zonen und einer ganzen Armee von Dreiermaschinen, die im ON-Modus nicht zu stoppen sind. Miami als kohärente James-Wade Diktatur, unaufhaltsam im Open Court und mit einem faszinierend effektivem Defensivsystem ausgestattet, das an einen perfekt operierenden Insektenschwarm erinnert. Und als Titelfavorit zweiter Klasse, der angesichts einer chronischen Schwäche in knappen Partien (12 von 17 verloren in 5-Punkt Spielen oder weniger) und massenweise verschenkten Siegen wohl noch den ein oder anderen Sommer braucht, um mit der eigenen Nervenschwäche zurecht zu kommen.

Orlando hat nun vier Partien in Folge gewonnen, während Miami seit dem 12. Januar nur eine 13-9 Bilanz aufweisen kann.