22 März 2011



Der laute Sound heute, das war der Seufzer der Grizzlies-Fangemeinde, direkt nachdem bekannt wurde, dass Rudy Gay sich mit sofortiger Wirkung einer Schulter-OP unterziehen und den Rest der Saison verpassen muss. Welch ein Ärger für die Bären aus dem mittleren Westen. Gay ist ganz klar der beste Spieler im Kader, und der vielseitigste obendrein.

Der 2,03m Forward unterschrieb im Sommer einen neuen 84 Millionen Vertrag in Memphis und ist dort unangefochtener Franchise-Spieler. Er lieferte seine beste Profisaison ab, bevor er sich vor knapp 5 Wochen die Schulter auskugelte (Subluxation). Er ist zweitbester Scorer im Team (19.5 PPG), verteilt die zweitmeisten Assists (2.8 APG) und greift die drittmeisten Rebounds (6.2 RPG) ab. Seine Trefferquoten aus dem Feld, von der Freiwurflinie und von Drei waren die höchsten seiner bisher 5 NBA-Spielzeiten. Da die traditionellen Rehabilitationsmethoden, die bei einer Luxation angewendet werden, nicht wirkten, muss Gay nun unters Messer und fällt mindestens 6 Monate aus.

Für Memphis kommen die News ungelegen. Zwar liegen die Grizz mit einer 39-32 Bilanz immer noch auf Platz 8 in der heiss umkämpften Western Conference. Und auch ohne Gay hielt der Club aus der brutalen Southwest Division (inkl. San Antonio, Dallas, New Orleans und Houston) den Kopf über Wasser mit einer 8-6 Bilanz seit dem 22. Februar. Aber die Konkurrenz schläft nicht und hat sich heran gepirscht, allen voran die Houston Rockets. Mit 15 Siegen aus den letzten 21 Partien hat sich das Adelman-Team bis auf 2 Siege genähert. Der zweimalige Champion spielt zur Zeit den mit erfolgreichsten Ball der Liga. Phoenix (nach der heutigen Niederlage gegen Los Angeles) und Utah sind ebenfalls nur noch 3 Siege entfernt. Bei noch 11 ausstehenden Begegnungen für Memphis alles andere als ein Selbstläufer. Denn obwohl Gay's Mannschaftskollegen ihre Sache weiterhin hervorragend machen - allen voran die Ersatzspieler Sam Young und Tony Allen sowie Zach Randolph, der unbedingt einen neuen Vertrag möchte und auf dem Platz ein Argument nach dem anderen für eine lukrative Verlängerung liefert - der Restspielplan der Grizzly-Bären ist extrem schwierig. Boston, Chicago und San Antonio up next, und später noch Portland und zwei mal New Orleans. Das wird nicht einfach.

Selbst wenn Memphis den achten und letzten Playoff-Platz irgendwie noch über die Zeit retten sollte: in Runde 1 wartet dann das bilanzbeste Team der Liga, die San Antonio Spurs. Mit Gay in der Lineup hätte ich den Grizzlies, die zu den angenehmesten Überraschungen dieser Saison zählen, durchaus eine kleine Sensation zugetraut. Nicht zwingend in Form eines historischen Upsets, also eines kompletten Serienerfolges. Aber durchaus so etwa 2 oder sogar 3 Siege. Gay auf dem Flügel, einer der besten Frontcourts der Liga (Randolph plus Marc Gasol) unter den Brettern, ein flinker PG (Mike Conley), Verteidigungsspezialisten wie Allen und Shane Battier auf dem Perimeter und eine starke Ersatzbank hätten den alten Herren aus Texas alles, aber auch wirklich alles abverlangt. Ohne ihren besten Spieler aber sind die Bärchen für einen alten Trainerfuchs wie Gregg Popovich zu leicht auszurechnen und nicht mehr als Kanonenfutter in den Playoffs. Wenn sie die überhaupt noch erreichen. Was denkt ihr ?