25 Februar 2011



Etwas unter den Radarschirm fiel der gestrige Deal zwischen Charlotte und den Portland Trail Blazers. Die Bobcats schicken ihren dienstältesten Akteur Gerald Wallace in den hohen amerikanischen Nordwesten und schwenken damit unweigerlich die weisse Flagge in Bezug auf den aktuellen Kader sowie die sportliche Zukunft mit selbigem.

Michael Jordan wird wohl oder übel zu der Erkenntnis gelangt sein - wenngleich 2 Jahre zu spät - dass mit diesem Team nicht viel zu holen ist, weder in dieser Saison noch darüber hinaus. Gut möglich, dass die Luchse ihre letztjährige Playoff-Teilnahme - die allererste überhaupt in der Franchise-Geschichte - in diesem Jahr wiederholt hätten (so schwach wie der untere Osten spielt immer noch durchaus vorstellbar). Alles andere als ein Sweep in Runde 1 gegen Miami oder Boston wäre jedoch Wunschdenken. Und so trennt sich 'MJ der Teambesitzer' (dessen Kompetenz nicht verwechselt werden sollte mit der seines Alter Egos 'MJ der beste Basketballspieler aller Zeiten') nach knapp 7 Jahren von dem einstigen Franchise-Player Gerald Wallace. Der Small Forward kam 2004 via Expansion Draft nach North Carolina und hat die gesamte Teamhistorie durchlebt. Nun darf er in Portland die Rolle des Flex-Flügels übernehmen und wird sich über 7 Siege mehr und eine insgesamt zufriedenstellendere Situation mit guten Postseason-Aussichten sicherlich freuen.

Portland, das sich auf formidable Art und Weise trotz unzähliger Verletzungen im Western Conference Playoff Positionsrennen festgebissen hat, steht urplötzlich als zweitstärkstes Team in der umkämpften Northwest Division da, nachdem Utah und Denver innerhalb weniger Stunden ihre jeweiligen Franchise-Spieler abgaben. Mit Wallace erhalten die Pioniere einen athletischen und explosiven Forward, der vor allem dank seiner Vielseitigkeit gut ins Teamkonzept passen wird. 'Crash' wird den Blazers sicherlich dank seiner Reboundstärke (8.2 pro Spiel) helfen, ihre horrende Leistung unter den defensiven Brettern (Defensive Rebound Rate 72.2, Platz 22) zu verbessern. Idealerweise besinnt sich der 28-jährige in seiner neuen Funktion als Rollenspieler wieder auf seinen unbändigen Drive zum Korb, der ihn früher zu einem der aufregendsten Spielern der Liga machte, anstatt weiterhin aus der Mittel- und Ferndistanz drauf zu halten. Portland's Coach Nate McMillan, der als harter Hund und ausgezeichneter Motivator bekannt ist, dürfte ihm aber die Flausen schon beizeiten austreiben. Eines ist sicher: die Blazers können nun von klein und athletisch (Aldridge-Wallace-Batum-Matthews-Miller) bis hin zu gross und klobig (Camby-Aldridge-Wallace-Matthews-Roy) extrem vielseitig aufstellen. Das wird ihnen im Kampf um einen bessere Playoff-Platzierung sowie später dann in der Saison nach der Saison sicherlich zugute kommen. Obwohl man durch den Trade wahrlich keinen Superstar an Land gezogen hat, der die Franchise auf Anhieb unter die Titelfavoriten katapultiert, so muss dem neuen Manager Rich Cho - vor allem angesichts des extrem niedrigen Einkaufspreises - zu diesem personellen Coup gratuliert werden.

Die Bobcats erhalten im Gegenzug zwei zukünftige Erstrundenpicks, Joel Przybilla, Dante Cunningham, Sean Marks und sein Schaf. Hört sich zunächst nach viel an. Die Draft Picks dürften aber lediglich irgendwo im 18-22er Bereich angesiedelt sein. Die Verträge aller drei Neuzugänge laufen im Sommer aus. Und das Schaf ist rasiert. Obwohl angenommen werden muss, dass Jordan für seinen Forward in der Vergangenheit durchaus bessere Angebote hätte erzielen können als in dieser Saison, so wird auch klar, dass es MJ hauptsächlich auf die finanzielle Entlastung (Wallace's Deal läuft noch bis 2013) und einen baldigen Neuaufbau abgesehen hat. Der Teambesitzer des Small Market Teams, dessen Moves in den letzten Jahren eher in Richtung Kostenminimierung gingen, erklärte vor kurzem zwar, in Zukunft durchaus wieder tiefer in die Taschen greifen zu wollen. Aber eben nicht mehr für Spieler wie Wallace, Stephen Jackson oder Boris Diaw. Mit weniger als 40 Mio $ in garantierten Verträgen über diese Saison hinaus scheint Jordan seinem Fernziel langsam aber sicher nahe gekommen zu sein. Und das Allerbeste daran: von den miesesten Deals der Liga kann er dann zwei Verträge schon mal gar nicht mehr aufsammeln. Die spielen nämlich schon in Charlotte (Diop und Carroll).


nbachef meint: Vorteil Portland