23 Februar 2011



Noch genau 24 Stunden bleiben bis zum Ablauf der diesjährigen Trade-Uhr. Hier die letzten heissen Internet- Dampfschwaden, frisch aus der NBA Gerüchteküche:

Atlanta
hat nach der heutigen Einigung mit Kirk Hinrich (kommt mit Hilton Armstrong aus Washington für Mike Bibby, Maurice Evans und Jordan Crawford) sein gewünschtes Upgrade im Backcourt sowie einen weiteren Körper für unter den Körben gefunden. Hier wird nichts mehr passieren.

Boston
, das von Verletzungen absolut gebeutelt ist, würde gerne auf der Flügelposition upgraden, wo der schwer verletzte Marquis Daniels in dieser Saison wohl nicht mehr zur Verfügung stehen wird. Wunschkandidat Shane Battier (Houston Rockets) wird aber von der halben Liga umworben. Anthony Parker von den Cavaliers ist ebenfalls im Gespräch. Angeboten werden Jermaine O'Neal, Nate Robinson und eben Daniels.

Bei
Charlotte gilt niemand als unantastbar. Stephen Jackson, der von Dallas umworben wird, dürfte vor allem durch seine Vertragsmodalitäten (3 Jahre, 28 Mio $) potentielle Interessenten abschrecken. Gerald Wallace hingegen, der durch seine Spielveranlagung als Slasher und Verteidiger einem Playoff-Team gut zu Gesicht stehen würde, wird ganz stark mit Portland in Verbindung gebracht, nachdem ein möglicher Trade zu den Cleveland Cavaliers heute dahin vegetierte. Haut das mit Portland nicht hin, wollen die Luchse mit dem aktuellen Kader in die Playoffs.

Chicago sucht seit dem Abgang von Ben Gordon vor der letzten Saison immer noch nach einem passablen Shooting Guard. Gerne würde man OJ Mayo in einem weiss-roten Bullen-Trikot sehen, aber der wird von Memphis nicht frei gegeben. Anthony Parker gilt als aussichtsreicher Kandidat, ebenso wie Courtney Lee von den Rockets. Mit der Ersparnis aus dem leisen James Johnson Trade vorgestern verfügt Chicago über ausreichend viel Platz unter dem Salary Cap, um Parker oder Lee zu verpflichten.

Cleveland
würde gerne das komplette Team umtauschen. Antawn Jamison und sein massiver 28 Mio Deal soll ebenso fort wie Mo Williams, Jamario Moon und Anthony Parker, die im Rebuild-Konzept nichts verloren haben. Parker dürfte leicht abzustossen sein. Mo Williams scheint sich mit einem Bein bereits auf dem Weg nach Los Angeles zu befinden - die Clippers wollen im Gegenzug Baron Davis schicken und verhandeln letzte Details. Cleveland kann dank der 15 Mio Trade Exception aus dem Lebron James Free Agent Fiasko problemlos dickere Verträge absorbieren. Mindestens ein Deal, und möglicherweise gleich mehrere, sollten niemanden überraschen.

Die
Dallas Cubans gehören fast schon traditionell zu den emsigsten Shoppern um die Deadline herum. Ausgestattet mit einer schier bodenlosen Geldquelle suchen die Pferdchen immer um diese Jahreszeit nach dem einen entscheidenden X-Faktor auf dem Weg zum Titel. Devin Harris sollte es diesmal sein, doch der ist überraschenderweise erstmal in Utah gelandet. Stephen Jackson ist wohl zu teuer. Cuban wird aber am Ball bleiben in den nächsten Stunden.

Denver hat bereits zugeschlagen auf dem Trade-Bazar und gleich drei Starter eingekauft in dem jetzt schon historischen Carmelo Anthony Deal. Gallinari, der ligaweit Begehrlichkeiten weckt, sowie Wilson Chandler sind absolut unantastbar. Auch Raymond Felton scheint man behalten zu wollen in der Mile High City, wenngleich dessen Agent zuerst die zukünftige Spielzeitverteilung für seinen Klienten eruieren - und notfalls einen Trade - erzwingen will. Alles in allem aber sieht man sich in Denver gut gewappnet für einen Playoff-Push in den nächsten Wochen.

Bei einem Team wie den
Detroit Pistons fehlt es an allen Ecken und Enden. Die Trade-Kandidaten Richard Hamilton, Tayshaun Prince, Chris Wilcox und Will Bynum dürften aber einmal mehr auf der Ladentheke liegen bleiben, denn ohne die immer noch ungelöste Besitzer-Situation wird sich auch in diesem Jahr nichts bewegen. Prince hat bereits die Zusage von GM Dumars, demnächst eine Vetragsverlängerung zu erhalten. Hamilton ist für potentielle Käufer wie Boston und Dallas ohne Buyout einfach zu teuer (2 Jahre, 25 Mio $). Und Wilcox/Bynum will niemand.

Die
Golden State Warriors haben bereits gedealt (Dan Gadzuric und Brandan Wright für Troy Murphy). Murphy wird in Oakland keine Minute absolvieren. Er wurde prompt nach Hause geschickt, während man bei den Warriors an einem Weiter-Tausch oder Buyout arbeitet. Sollte ein gutes Angebot für Big Man Andris Biedrins oder Scharfschütze Vlad Radmanovic herein kommen, die Dubs wären sofort dabei.

Houston
ist eines der fleissigsten Teams der Stunde. Rockets-GM Morey würde liebend gerne Nene als Frontcourt-Kracher verpflichten, Denver jedoch blockt vehement ab. Shane Battier, Aaron Brooks und Jared Jeffries besitzen auslaufende Verträge. Der Kader ist vollgepackt mit jungen, interessanten Spielern für Teams im Neuaufbau. Courtney Lee könnte nach Chicago wandern. Wenn Morey kein spielerisches Upgrade verpflichten kann, will er unter die Luxussteuer manövrieren. Ein Spielertausch reicht da schon aus.

Auch
Indiana hat auslaufende Verträge satt, wenngleich der dickste davon (Mike Dunleavy) über Nacht unbrauchbar geworden ist. Dunleavy brach sich im Dienstag-Spiel den Daumen und kann potentiellen Playoff-Anwärtern nicht mehr helfen. Brandon Rush, Dahntay Jones, TJ Ford und Jeff Foster spielen allesamt in den Planungen des Teams keine Rolle mehr. Da aber keiner von ihnen spielerisch den Unterschied ausmacht, werden wohl alle bis zum Sommer in Indiana bleiben. Dann schrumpft die Gehaltsliste der Pacers um knapp 50 Prozent.

Die Los Angeles
Clippers hätten gerne einen Small Forward mit Starpotential, also jemand wie Andre Iguodala oder Danilo Gallinari. Leider ist keiner davon verfügbar, so dass die Clippers sich auf den Verkauf von Baron Davis und Rasual Butler konzentrieren müssen. Letzterer ist wohl für nen Appel und ein Ei zu haben. Davis wird mit den Cleveland Cavaliers in Verbindung gebracht.

Der amtierende Champion Los Angeles
Lakers dürfte sich relativ ruhig verhalten. Wenn überhaupt, dann wird GM Mitch Kupchak die verfügbare 5.6 Mio $ Trade Exception dazu benutzen, einen marginalen Frontcourt-Spieler oder einen extra Distanzschützen nach Hollywood zu holen.

Memphis scheint eines der wenigen Teams zu sein, das nur als Verkäufer Berücksichtigung findet. OJ Mayo, Zach Randolph und Hasheem Thabeet sind die immer wieder erwähnten Kandidaten. Mayo, der von Memphis gerne getauscht würde, scheint ausschließlich unter Wert angefragt zu werden und wird gehalten. Randolph, ein kommender Free Agent, wurde kurz mit Orlando in Verbindung gebracht (im Tausch gegen Jason Richardson und Brandon Bass), soll aber demnächst verlängert und langfristig gebunden werden. Ein Thabeet Experiment schließlich will sich wohl kein Team wirklich antun.

Vielleicht sollte Miami nach dem ehemaligen Nummer 2 Pick anfragen. Viel uneffektiver als die aktuellen Heat-Center kann auch der monumentale Draft-Bust nicht agieren. Pat Riley würde liebend gerne ein Frontcourt-Upgrade einkaufen. Dummerweise ist Mike Miller der einzig brauchbare Tradechip - allerdings spielt der ehemalige Scharfschütze erschreckend schwach und hat noch 4 Jare Vertrag. Am ehesten können die Heat auf Hilfe in Form von Buyout Free Agents hoffen. Eddy Curry, der von den Timberwolves herausgekauft wird, soll das Interesse der Heat geweckt haben.


Milwaukee
sind die Hände gebunden. Drew Gooden und Corey Maggette haben lange Verträge, und Michael Redd's 18 Mio $ Deal, der im Sommer ausläuft, hat für die Bucks mehr Wert als jedes zweitklassige Spielermaterial, das im Gegenzug nach Wisconsin käme. Kein Deal bei den Hirschen.

Die
Minnesota Timberwolves haben ihren Mann in Anthony Randolph. Der kam zusammen mit dem erfolglosesten Sumoringer aller Zeiten, Eddy Curry, aus New York im Tausch für Corey Brewer. Da sich kaum ein Team ernshaft für Johnny Flynn und Sebastian Telfair interessieren dürfte, wars das wohl von den Timberwelpen in diesem Jahr.

Die
New Jersey Nets haben ihren grossen Fisch bereits gestern aus dem FA-Teich gezogen. Deron Williams ist das neue Gesicht der Nyets-Franchise. Brook Lopez ist unantastbar, ansonsten kann jeder Nets-Akteur dem Aktionismus von Genosse Prokhorov zum Opfer fallen. Der würde liebend gerne noch einen Hochkaräter an Land ziehen, muss sich damit aber wohl bis zum Sommer gedulden. Troy Murphy, Devin Harris und Derick Favors sind bereits weg.

New Orleans hat bereits Carl Landry als Frontcourt-Ersatz geholt. Obwohl die Mücken über gleich 7 auslaufenden Deals verfügen, dürfte ein weiterer Move bis morgen um Mitternacht überraschen.

New York, Auslöser der grössten Welle durch der Verpflichtung von Carmelo Anthony und Chauncey Billups, würde liebend gerne noch einen echten Center zum aktuellen Kader hinzu addieren. Spieler wie Roger Mason oder Kelenna Azubuike wären verfügbar. Ich glaube aber kaum, dass es für dieses Angebot etwas brauchbares in der Frontcourt-Abteilung zu holen gibt.

Ein Team, auf das es sich immer zu achten lohnt, ist
Oklahoma City. Der gerissene Manager Sam Presti lässt keine Gegelenheit ungenutzt, sein Team zu pimpen. Mit Mo Peterson und Nenad Krstic stehen zwei auslaufende Verträge auf der Abschussrampe bereit - wenn die Okies einen brauchbaren Big Man für bevorstehende Playoff-Schlachten gegen San Antonio, Dallas und die Lakers finden können.

Orlando
scheint indessen leicht verzweifelt. Das Team steckt tief im Luxussteuer-Morast, gewinnt aber kaum mehr Spiele als noch zu Rashard Lewis Zeiten. Die einzigen Trade-Chips (Spieler wie Bass und JJ Redick) spielen eine entscheidende Rolle in Van Gundy's Rotation. Der Deal mit Memphis (Richardson/Bass für Zach Randolph) scheint komplett vom Tisch zu sein. Scheint also, als müsste Orlando mit einem halbgaren Kader in die Playoffs. Der wird wohl nicht reichen, um gegen Boston, Miami und Chicago zu bestehen. Im Idealfall gibt's Bald-Free-Agent Troy Murphy zum Schnäppchenpreis. Das könnte helfen.

Lange Zeit dachte man, dass
Philadelphia seinen Dream Teamer Andre Iguodala verkaufen würde. Nach einem beeindruckenden Run der 76ers, die sich auf einen Playoff-Platz gespielt haben und den auch zu halten imstande scheinen, hat sich das Thema endgültig erledigt. Bei den Sixers wird sich nichts ändern.

Die Phoenix Suns haben vor Wochen schon ihren Blockbuster-Deal getätigt (Vince Carter & co.), und obwohl Meisterschaftsanwärter wie Boston an so ziemlich jedem Flügelspieler der Suns (Grant Hill, Jared Dudley) Interesse zeigen, halte ich weitere Moves seitens des Suns-Managements für unrealistisch.

In
Portland hingegen ist der Braten gehörig am Dampfen. Andre Miller, Joel Przybilla und Marcus Camby werden stündlich mit neuen Buhlern in Verbindung gebracht. Neueste Gerüchte sprechen von einer bevorstehenden Verpflichtung von Gerald Wallace, der neben Wesley Matthews und Brandon Roy starten soll. Auch Greg Oden würden man in der RIP City gerne loswerden. Bezweifle, dass da jemand anbeisst. Dass es im hohen Norden demnächst einen Deal geben wird scheint jedoch so gut wie sicher.

Die
Sacramento Kings werden sich nach dem Deal gestern (Marcus Thornton für Carl Landry) ruhig verhalten. Obwohl die Kings über Salary Cap Platz satt verfügen, fehlt es an tradebaren Spielern, die andere Mannschaften gerne einkaufen würden.

San Antonio
ist das beste Team der Liga. Gleichzeitig ist der Haufen von Greg Popovich der wohl tiefst besetzte und bestens ausbalancierte der gesamten Liga. Die Teamchemie ist ausgezeichnet. Die Spurs haben einen Deal überhaupt nicht nötig.

Die Toronto Craptors haben massive Kaderprobleme, die sich wohl nicht in den nächsten 24 Stunden lösen lassen. Nach dem Zugang von James Johnson (kam aus Chicago) dürfen weitere Moves nicht ausgeschlossen werden. Alle Spieler bis auf Bargnani, DeRozan und Ed Davis gelten als verfügbar. Es sollte sich im Gegenzug noch der ein oder andere drittklassige Europäer finden lassen...

Utah
hat nach dem Abgang von Franchise-PG Deron Williams einige schnelle und wichtige Entscheidungen zu treffen. Wie passen Andrei Kirilenko, Paul Millsap, Al Jefferson und Mehmet Okur noch ins Teamkonzept, das nun ganz klar in Richtung Rebuilding geht. Für jeden der Big Men ist auf dem aktuellen Markt durchaus was zu holen, ebenso wie für Neuzugang Devin Harris, der immer noch von Dallas und Portland heiss umworben wird. Werden noch spannende 24 Stunden in Utah.

Washington
schließlich, dass soeben Mike Bibby, Maurice Evans und Jordan Crawford aus Atlanta verpflichtet hat, scheint keine weiteren Tauschgeschäfte in petto zu haben. Der Kader wirkt unausgewogen, braucht aber vor allem viel Zeit, um die vielen jungen Akteure zusammen zu führen.


Nachtrag
: so eine Zusammenfassung ist praktisch in dem Moment der Veröffentlichung schon wieder hinfällig. Zum einen ist schon wieder fast eine Stunde vergangen, zum anderen haben manche Teams währenddessen gedealt (Clippers und Cavaliers), was die Würfel teilweise wieder komplett neu vermischt. Man sehe von etwaigen Unaktualitäten also bitte ab, sofern das möglich ist.