27 Februar 2011












Mr. Big Shot. Obwohl Chauncey Billups, ähnlich wie in der Vorstellungs-Pressekonferenz am Donnerstag, seinem berühmteren Teamkollegen und Freund Carmelo Anthony den Hauptanteil des Schweinwerferlichts überliess, setzte der Veteran und NBA-Champion dennoch einige punktuelle Ausrufezeichen, die seinen immer noch hohen Stellenwert in dieser Liga unterstreichen. Der 34-jährige versenkte einen gigantischen Dreier, klaute anschliessend hinten den Ball und katapultierte seine New York Knicks so zu einer vorentscheidenden 87-84 Führung knapp 1 Minute vor Spielende.

Es war eine überaus unterhaltsame Partie. Vollgepackt mit Superstars auf beiden Seiten liessen Miami und New York die Rivalitätsflamme der 90er Jahre wieder aufflackern und gaben gleichzeitig einen Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Jahren noch erwarten könnte. Wohl kaum einer wird sich beschweren, wenn wir bald wieder
solche epischen Schlachten erleben dürfen. Die Knickerbockers präsentierten sich erstaunlich defensivstark, ganz entgegen des allgemeinen Perzeption von diesem Team. Amare Stoudemire blockte Lebron James' Korbversuch 7 Sekunden vor Schluss, und New York gewann die Parie letztendlich vor allem dank der mannschaftlich geschlossenen 'D'. Miami traf nur 43 Prozent seiner Würfe aus dem Feld und blieb wieder einmal - wie so oft in Niederlagen - unter der 90 Punkte Marke. Die Heat hatten vor knapp einem Monat in New York bereits 93-88 verloren und haben seither nichts hinzu gelernt in den entscheidenden Phasen eng umkämpfter Partien. Auch heute lief - wann immer es brenzlig wurde - alles nach Schema X ab: Ball zu Wade oder Lebron und aus dem Weg gehen. Eins gegen Fünf, während der Rest des Teams zum Zuschauen verdammt ist. Nach 4 Monaten Saison darf es dann schon mal ein bisschen mehr sein für einen Meisterschaftsfavoriten, der jedoch dank seiner chronischen Schwäche in Crunch Time nicht wirklich einer ist. Vielleicht ja dann im nächsten Jahr, wenn Lebron, Wade und co. endlich gelernt haben, wie echter Teambasketball funktioniert.

Den setzt man in New York nun fast schon voraus nach dem unerwarteten Jackpot zur Deadline, der neben Carmelo Anthony eben auch den mit allen Wassern gewaschenen Billups in den grossen Apfel lotste. Das Team muss sich selbstverständlich erst noch finden, aber die unmittelbaren Dividenden sind vielversprechend. Anthony setzte seinen Scoringlauf fort mit dem dritten 27+ Punkte Spiel in Folge, seit er zurück in seine Heimatstadt wechseln durfte. Billups spielt indes so, wie er das schon seit vielen Jahren tut: ruhig, leise anführend, abgezockt, und mit den richtigen Statements zum richtigen Zeitpunkt. Noch ein paar solcher Auftritte, und die Verantwortlichen im MSG werden eher mit Karriereverlängerungsmassnahmen experimentieren, anstatt in Richtung Chris Paul/Deron Williams zu schielen. Die Knicks haben womöglich bereits ihre 'Big Three'.