16 Februar 2011


Vor genau zwei Jahren, während des All-Star Wochenendes 2009 in Phoenix, wurde der damalige Cleveland Cavalier Lebron James gefragt, mit welchem Mannschaftskollegen aus dem Team USA er denn eines Tages am liebsten einmal zusammen spielen würde. James überlegte keine Sekunde: "Chris Bosh". Ein Wink mit dem Zaunpfahl, wie sich im Nachhinein heraus stellte.

Was damals keiner von uns auch nur in Ansätzen erahnen konnte, ist mittlerweile Realität und regt auch kaum noch einen auf: James und Bosh nahmen zur gleichen Zeit ihre Talente weg von "ihren" ursprünglichen Franchises und mit nach Miami, um dort mit
Dwyane Wade, einem weiteren Megastar, ein 'Superteam' zu kreiieren. Dieses Konzept der Kollusion scheint - zumindest in der regulären Saison - bereits aufzugehen. Miami hat 41 seiner 56 Partien gewonnen und liegt in der Eastern Conference auf Platz 2. Man muss in South Beach keine Titel gewinnen. Selbst wenn man an den Boston Celtics (die ironischerweise in 2007 das originale Superteam stellten) scheitern sollte in den Playoffs (was auch passieren wird), die Idee des Megateams hat sich inzwischen verselbständigt. Nicht zuletzt deshalb ist sie auch während der All-Star Woche hier in Los Angeles eine der tonangebenden Gesprächsthemen.

Ein kurzer Blick auf den Osten verdeutlicht die Dominanz der beiden Mannschaften Boston und Miami. Die zwei führenden Teams der Conference (gemeinsame Siegesquote: 74%) stellen gleich 7 der insgesamt 12 All-Star Akteure. Boston's Coach Doc Rivers, der gleichzeitig die All-Star Auswahl betreut, scherzte vor kurzem, dass es unbedingt alle vier Celtics-Spieler gleichzeitig auflaufen lassen wolle. Wer denn in so einem Fall dann der fünfte Akteur auf dem Feld sei, wurde Doc gefragt. "Als letzter Spieler käme ja nur ein kommender Free Agent in Frage. Der kann sich dann schon einmal daran gewöhnen, wie es ab dem Sommer bei uns sein wird."

Was eigentlich als Scherz gedacht war, verstehen die Spieler mittlerweile todernst. Lange vorbei sind jene Zeiten, als man die besten der Besten noch im Eins gegen Eins schlagen wollte. Mittlerweile kennt man sich seit der jüngsten Kindheit. Erste Erfahrungen in gemeinsamen AAU-Teams führen zu teilweise guten Freundschaften, die man dann zu den Profis in die NBA mitnimmt. Wen wundert's da, dass man hinter verschlossenen Türen, gemeisamen Trainingseinheiten im Sommer, während des ASG's oder bei der Hochzeit eines Freundes mal kurz ein paar Pläne schmiedet, wie man in ein paar Jahren im gleichen Team landen kann, um zusammen Titel zu gewinnen. James, Bosh und Wade haben es bereits getan. Anthony,
Amare Stoudemire und Paul könnten in New York die nächsten sein. Vielleicht auch Howard, Williams und Griffin, die allesamt mit den Los Angeles Lakers in Verbindung gebracht werden.

Eines ist sicher: die Tische der kommenden Free Agents
Carmelo Anthony, Dwight Howard, Chris Paul, Deron Williams und Kevin Love werden schwer belagert sein am morgigen Freitag, wenn die Auserwählten im Toyota Center Reportern aus aller Welt Rede und Anwort stehen müssen. Das leidige Carmelo-Thema beschäftigt uns schon die ganze Saison. Wem das bereits zu den Ohren raushängt, der darf sich jetzt schon auf 2012 freuen. Da haben gleich vier (D12, CP3, DWill und K-Love) die Option, frühzeitig aus ihren Deals auszusteigen und 'freie Agenten' zu werden. Anthony wird sich bis dahin schon längst "seinen" New York Knicks angeschlossen haben. Paul könnte folgen, während sich anderswo - vielleicht im Westen - eine weitere Superpower zusammentut.

Nur eine drastische Änderung im neuen Tarifvertrag (in etwa ein Franchise-Player Tag wie im American Football, der einen bestimmten Spieler an einen Verein bindet) kann dieser unerfreulichen Veränderung Einhalt gebieten. Tut sich da nichts, dürfte das All-Star Spiel in absehbarer Zeit vollkommen an Bedeutung verlieren. Alle dort auftretenden Spieler wird man nämlich Abend für Abend, verteilt auf drei bis vier Teams ligaweit, in voller Pracht bestaunen können, was das Star-Showcase im Februar obsolet werden liesse. Die NBA, meine Damen und Herren - "Where Not so Amazing Superpowers Happen".