Meister Yoda und seine Padawane

San Antonio und Oklahoma City clashen im WC-Finale. Die Parallelen gehen tief...

Do or Die: Celtics/Sixers

Schlüssel zum alles entscheidenden Spiel 7

Zwei gut genug?

Die Miami Heat kommen nur soweit, wie James und Wade sie tragen können. Oder?

Playoffs-Mailbox

Eure Fragen zur zweiten Runde in der dicksten Mailbox aller Zeiten

NBCHF's dicke Playoff Preview

Alle Serien im Detail: Matchups, Stärken/Schwächen, Prognosen und mehr...

31 Dezember 2010

Happy New Year... und Danke


NBACHEF hält ganz kurz inne und sagt Danke für ein fulminantes, überwältigendes Jahr 2010, das erst durch Euch alle so einzigartig wurde hier beim frischesten NBA-Blogbäcker aller Zeiten. Die anfänglichen Erwartungen wurden bei Weitem übertroffen. Das alles wäre ohne Euch Leser absolut unmöglich gewesen. Danke an jeden einzelnen von Euch, der regelmässig oder sporadisch vorbei schaut. Danke für Eure Kommentare, das geballte Fachwissen, den Support, die unterstützenden Worte, die Kritik, die Beleidigungen, die Verleumdungen, die Wünsche, die Anregungen, die Fragen und unzähligen hitzigen Debatten. Danke an alle Facebook-Anhänger, VZ-ler, Tweeps und für die mittlerweile weit über 1K Hits pro Tag. NBACHEF wäre ohne Euch weniger Wert als die Basketball-Karriere von Eddy Curry.

Ich hoffe, Ihr schaut auch im neuen Jahrzehnt auf der Suche nach den besten Blog-Süppchen der Stadt wieder regelmässig vorbei und bleibt Eurer Linie treu. Ich jedenfalls werde es und möchte versuchen, 2011 noch ein paar Schippchen drauf zu legen. HNY!

29 Dezember 2010

Tyreke at the Horn


8 Niederlagen in Folge. 20 in den letzten 22 Partien. Mieseste Bilanz der Liga. Und ein 98-97 Rückstand 1.5 Sekunden vor Schluss. Ohne Time-Outs. Alles kein Problem für Tyreke Evans, der für einen Abend den Wahnsinn zurück bringt nach ARCO.





Double-Doubles: Dünkel eines Back to Back Champs


Der ein oder andere von Euch kennt die 'Double-Doubles' Rubrik sicher noch aus der Preseason. Zwei sich diametral gegenüber stehende Sichtweisen zur ein und derselben Thematik. Heute: die offensichtlichen Probleme des Meisters Los Angeles Lakers.

1. Der erfolgreiche Lakers-Lauf incl. Meistertitel ist vorbei

Schon vor den drei Niederlagen in Folge seit letztem Dienstag (gg. Milwaukee, Miami und in San Antonio) fielen die vielschichtigen Probleme der Los Angeles Lakers deutlich auf. Trotz eines 13-2 Starts in die neue Saison präsentierte sich der Back-to-Back Champ in durchaus fragwürdiger Verfassung. Die aufgeblähte Anfangsbilanz hatte mehr mit dem extrem leichten Spielplan als mit der eigenen Darbietung auf dem Platz zu tun und verblendete die Blick durch die lila-gelbe Brille nur zusätzlich. Es lag eine Aura der Unantastbarkeit in der Luft, eine falsche Selbstgefälligkeit und der Irrglaube, auch bei Unterlassung der kleinen Dinge und der Herausbildung 'richtiger Verhaltensweisen' irgendwie doch von Sieg zu Sieg spazieren zu können. Haste nicht gesehn ! Ein erster kleiner Weckruf Ende November (4 Niederlagen in Folge) verfehlte seine Langzeitwirkung vollständig. Obwohl man leichte Gegner weiterhin der Reihe nach abstrafte, begann jene "Arroganz, die man seit dem Trainingscamp zur Schau stellte" (Zitat: Lamar Odom), die Mannschaft zusehends von innen zu zerfressen. Viele Spieler scheinen gesättigt nach zwei erfolgreichen Saisons, die man Champagner schlürfend und Banner an die Hallendecke hängend auf dem Mount Everest der NBA beendete. Das wiederum stösst bei Kobe Bryant auf ganz viel Mißmut, der dann im Gegenzug so häufig wie schon lange nicht mehr in seinen 'Ef the World' Modus verfällt. Alles wird auf eigene Faust erzwungen. Wurfdarbietungen wie sein 8 von 27 Abend gegen die Spurs (inklusive L) sind die Folge. Dass die schwarze Mamba sich mit ihren 32 Jahren auf dem Abstiegspfad ihrer illustren Karriere befindet, scheint sie selbst nicht immer einsehen zu wollen. Je mehr Kobe den Alleinunterhalter gibt, desto leichter sind die Lakers zu knacken. Pau Gasol, der die ersten Saisonwochen wie von einem spanischen Stier gestochen aufspielte (und etwas voreilig zum MVP-Kandidaten ausgerufen wurde) geht mittlerweile auf dem Zahnfleisch. Die hohe Minutenanzahl, gepaart mit physischen oder psychischen Problemen, die Lakers-Coach Phil Jackson noch nicht preisgeben will, haben aus dem besten Big Man der Liga einen zahmen und überforderten Rollenspieler gemacht, der sich mit 2 Würfen in einer Halbzeit (gg. San Antonio) dann zufrieden gibt. Ron Artest und Derek Fisher sind in der Anfangsformation völlig deplatziert. Fisher's Haltbarkeitsdatum ist seit Jahren überschritten, aber Phil steht immer noch auf alte, unathletische, gerissene Point Guards, die sein Spielsystem veredeln. Artest hilft kranken Kindern mehr als der Lakers-Triangle, deren Fluss er durch sein fehlendes Spielverständnis häufig komplett unterbricht. Seine Statistiken in dieser Saison (8 Pts, 39% FG) sind die schlechtesten seiner Karriere. Apropos Triangle-Offense: noch nie zuvor hat sich der Lakers-Verbund so undiszipliniert auf dem Platz gezeigt, mit so wenig Vertrauen in das propagierte System ausgestattet. Schlechte, überhastete Würfe von aussen werden bevorzugt, anstatt den Ball von innen nach aussen zu manövrieren. Die offensichtlichen Vorteile am Brett werden viel zu selten ausgespielt. Das Passspiel stagniert oft, es wird improvisiert, anstatt die Murmel laufen zu lassen und den freien Mann auf der Weakside zu finden. Wenn ein Team, dass seit Jahren routinemässig 100 und mehr pro Abend einstreut, plötzlich nur noch 79, 80 und 82 Punkte erzielt, sind die offensiven Probleme nicht mehr von der Hand zu weisen. Hinzu kommt der Härte-Aspekt: man lässt sich von den Gegnern in der Gegend herum schubsen, die schon längst den nötigen Respekt vor dem amtierenden Champion verloren haben. Auch in der Defensive (letzte Saison immerhin Platz 4 im Defensiv-Rating und Platz 9 bei den Gegenpunkten pro Partie) haben die Lakers stark nachgelassen. Die Innenverteidigung ist anemisch. Die Zone steht jedem Gegner weit offen, es fehlt das rechtzeitige Rotieren zum freien Mann, und die Pick'n'Roll Defense präsentiert sich in teilweise peinlicher Verfassung. Überhaupt zieht sich der Mangel an Einsatzwillen, Leidenschaft und Teamarbeit wie ein roter Faden durch die bisherige Saison. Angesichts der schwachen 2-5 Bilanz gegen Gegner mit einer positiven Bilanz, dem bevorstehenden Spielplan im Januar/Februar sowie der stark gewachsenen Konkurrenz im Westen (San Antonio und Dallas ziehen vorne weg, Utah und Oklahoma City warten in Lauerstellung), vor allem aber bedingt durch die vergiftete Mentalität in der Lakers-Umkleide und dem mangelnden Siegeswillen innerhalb des Teams, muss die Mission 'Back to Back to Back' jetzt schon als gescheitert erklärt werden. Diese Mannschaft ist zu alt und zu satt. Spätestens im Conference Finale ist gegen eines der oben genannten, motivierteren Teams Endstation.

2. Die Lakers cruisen wie immer durch die Saison und schalten im Frühling vier Gänge hoch

Woher die Panik ? Zugegeben, die letzten drei Niederlagen (zwei davon in eigener Halle - die schlimmsten konsekutiven Heimniederlagen seit dem Umzug von Minneapolis nach Los Angeles) waren hässlich und grauenvoll mit anzuschauen. Das Team steckt ganz klar in der Patsche. Und der Rückstand zu den im Westen führenden Spurs beträgt nach der Pleite im Dienstags-Duell jetzt schon 5.5 Siege. Aber so ist das nun mal als amtierender Champ. Eine Titelverteidigung ist schon schwer genug. Ein Three-Peat nahezu unmöglich. Die Abnutzungserscheinungen zwischen den Saisons sind ungemein hoch. Man ist gesättigt. Man hat alles schon erreicht. Zwei mal sogar. Nicht von ungefähr haben erst drei Teams seit den 1960ern (und nur 5 insgesamt) drei Meisterschaften in Folge gewonnen: Minneapolis ('52-54), Boston ('58-65), Chicago ('91-93), Chicago ('96-98) und Los Angeles ('00-02). Bei drei dieser Husarenstücke hat Phil Jackson Regie geführt. Und jedes einzelne Mal steckten seine Teams - ähnlich wie die Lakers jetzt - gegen Mitte der letzten Chamionship-Saison in einer handfesten Identitätskrise. Schaut man sich die Bilanzen der Bulls und Lakers von damals mal genauer an: 61-67-57 (Bulls), 72-69-62 (Bulls), 67-56-58 (Lakers), fällt sofort auf, wie die Anzahl der Siege gegen Ende immer rapide absank. Die diesjährige Ausgabe des 16-fachen Champs wird also aller Vorraussicht nach keine 57 Partien gewinnen wie noch im Vorjahr. Das macht aber nichts. Die Spurs werden ihren bisher historischen Lauf auch nicht ewig fortsetzen, keine 70+ Spiele gewinnen. Dallas keine 68. Es ist noch nicht einmal Januar und somit noch entschieden zu früh, um jetzt schon über Playoff-Positionierungen und verlorenen Home-Court zu sprechen. Selbst wenn es aber hart auf hart und der Heimvorteil abhanden kommen sollte für LA: kein anderes Team ist abgeklärter auf fremden Parkett, niemand cooler in entscheidenden Playoff-Situationen als die Akteure von Phil Jackson. Los Angeles gewann in den letzten beiden Jahren astronomische 50% seiner Postseason-Auswärtspartien (11 von 22) und beendete 5 von 8 Playoff-Serien in gegnerischen Hallen. Das ist clutch ! Heimvorteil hin oder her also, für LA geht es nur darum, irgendwann die Verhaltensweisen der letzten beiden Frühjahre wieder zu finden und zu kanalisieren. Die Triangle implementieren. Den Ball laufen lassen. Von innen nach aussen spielen und dabei die Grössenvorteile in der Zone Abend für Abend zum Erfolg reiten. Den erst kürzlich wieder genesenen Andrew Bynum langsam wieder in die Offensive (und die Startaufstellung) integrieren und ihn defensiv die bemalte Fläche unter dem Korb patroullieren lassen. Gasol auf PF einsetzen, wo er nicht mehr verprügelt, sondern aufgrund seiner unzähligen Mismatch-Qualitäten von gegnerischen Teams beneidet wird. Im Notfall die ein oder andere personelle Veränderung vornehmen (beispielsweise Lamar Odom mal auf der Drei starten lassen. Wie kämen gegnerische Teams wohl mit einer Odom-Gasol-Bynum Frontline zurecht ?) oder andere Auswechselmuster ausprobieren, jetzt wo fast alle wieder gesund sind. Vor allem aber mit dem Drang in jedes Spiel gehen, den eigenen, schwer erarbeiteten Status um jeden Preis verteidigen zu wollen. Hart spielen, alles geben, füreinander da sein. Schon letztes Jahr kassierten die Lakers zu Weihnachten eine empfindliche 102-87 Niederlage gegen das damals meist gehypte Team der Liga - die Cleveland Cavaliers. Für viele Experten war danach klar: LA ist mit seiner Weisheit am Ende, Cleveland holt selbstredend den Titel. Ab Ende März sah dann alles plötzlich ganz anders aus. Obwohl Los Angeles 7 seiner letzten 11 Regular Season Partien verlor, schaltete man kollektiv ein paar Gänge hoch und zeigte in den Playoffs, wovon diese Mannschaft wirklich lebt: von dem Weg als Ziel, dem Prozess des Sich-Findens und dem Druck des 'Unbedingt-Gewinnen-Müssens' im April, Mai und Juni. Nicht von Siegesserien gegen Philly und Minnesota im Dezember. Alles läuft nach Plan für den Zen-Meister und seine Lehrlinge...

Whyyyy


Shaquille O'Neal konnte in seiner knapp 20-jährigen Profikarriere mehr als 300 Millionen Dollar (ausschließlich an Gehalt) einheimsen. Falls sich einer von Euch gefragt hat, wie Shaq auf die offensichtlich schmerzhafte Nachricht von der von der NBA verhängten Geldstrafe reagierte (35000 $ wegen Schiedsrichterbeleidigung für "I just said No. 26 (Referee Bob Delaney) was the baddest MF out there") - hier der eindeutig mitreissende Gefühlsausbruch des zierlichen, sanften Riesen in einem Bostoner Umkleideraum.





28 Dezember 2010

Macht Morey Moves ?


Vom Fast-Contender zum Mittelklasse-Team innerhalb weniger Wochen. So lässt sich die Reise der Houston Rockets in dieser Saison klassifizieren, und das wird dem ambitionierten General Manager Daryl Morey so gar nicht in den Kram passen. Die (erneute) schwere Verletzung des ehemaligen Franchise-Centers Yao Ming hat den ehemals eingeschlagenen Kurs beim zweimaligen Champion komplett ausgebremst. Spätestens jetzt muss auch dem grössten Optimisten schmerzhaft klar geworden sein, dass man mit Yao als Schlüsselspieler nie den NBA-Zenit erreichen wird. Der Center wägt momentan seine Optionen ab. Eine erneute Fuss-OP würde ihn 8 bis 10 Monate ausser Gefecht setzen. Seine Profikarriere ist in ernster Gefahr.

Dass dürfte Morey insgeheim schon vor Jahren geahnt haben. Aus genau diesem Grund hat der gewiefte Manager vielseitige Spieler in Houston angesammelt, die sowohl an Yao's Seite als auch auf sich alleine gestellt zu produzieren in der Lage sind. Spieler wie das argentinische Low-Post Biest Luis Scola oder der versierte Shooting Guard Kevin Martin. Und aus genau diesem Grund haben bisherige Leistungsträger wie Aaron Brooks oder Shane Battier - deren Verträge 2011 auslaufen - noch keine Vertragsverlängerung angeboten bekommen. Als Championship-Puzzleteile um Yao Ming herum geschätzt, steht die Zukunft der beiden in Houston noch in den Sternen.
Ebenso wie die personelle Ausrichtung, die Morey für seine neue Mannschaft visioniert.

Eines ist klar: der scharfe Analyst/Computerwissenschaftler glaubt nicht ans 'Rebuilding', an den jahrelangen Neuaufbau von unten herauf. Morey kennt nur zwei effiziente Teamverbesserungskonzepte: Free Agency und Trades. Letztere sucht er aggressiv und hochkonzentriert wie kein zweiter NBA-Manager. Und darauf laufen die Geschäfte auch heuer wieder hinaus in der Raketenstadt.


Zwar liegen momentan keine konkreten Angebote auf dem Tisch - zumindest nichts offiziell Bekanntes - und das werden sie bis Februar wohl auch nicht, aber Morey's Telefonleitungen glühen hinter verschlossenen Türen. Sogar Yao Ming wird auf dem offenen Markt angeboten. Das Irre daran ist, dass sich gleich mehrere Teams um den auslaufenden Vertrag des ehemals unantastbaren Big Man streiten. Ming's Deal (17 Mio $) läuft im Sommer aus. Für Mannschaften, die unter den Salary Cap manövrieren wollen, ein Geschenk des Himmels. Zumal es danach aussieht, als würden Versicherungen knapp 8 Millionen des Yao-Gehalts 2010/11 übernehmen. Ein wahrhaftiger Geldregen also für jedes finanziell gebeutelte Team. Morey wird im Gegenzug junges Talent, Veteranen mit auslaufenden Deals oder Draft-Picks verlangen - oder eine Kombination aus alledem. Bekannt ist jedenfalls, dass der Rockets-GM zur Zeit mit Sacramento und Charlotte über einen eventuellen Ming-Tausch verhandelt (Yao wurde von den Plänen der Rockets bereits in Kenntnis gesetzt). Weitere Teams könnten sich bis Februar in die Telefonate mit einschalten.

Houston hat weitere Vermögenswerte in petto, als da wären: die angesprochenen Battier/Brooks Deals (mit Kyle Lowry und Chase Budinger stehen bereits zwei potente Nachfolger für die erste Fünf parat), der auslaufende Deal von Jared Jeffries (knapp 7 Mio $) und zwei separate Trade Exceptions vom Trevor Ariza Trade (6.3 Mio $) und dem David Andersen Deal (2.5 Mio $). Wer glaubt, dass Morey seine Pokerchips allesamt ungenutzt lässt, hat in der Vergangenheit nicht aufgepasst. Schon letzte Saison stibitzte der Manager so Shooting Guard Kevin Martin aus Sacramento. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn Morey erst Yao abstösst (den er dann im Sommer natürlich als Free Agent mit einem dezenten, wenig risikoreichen Vertrag nach Houston zurück holt), um dann in einem separaten Deal kurz vor der Deadline mit einem schön geschnürten Megapaket (junge Spieler, Draft Picks, Cap-Entlastung) nach einem Superstar á la Carmelo Anthony zu grapschen. Stay tuned !


Outside the Lines: Artest's Tombola


Dass Ron Artest schon seit seiner frühen Kindheit an psychischen Problemen leidet, ist bekannt. Der enigmatische, aber überaus symphatische Small Forward räumte im Sommer auch die letzten Zweifel an diesem seit Jahren offenen Geheimnis aus, als er direkt nach dem NBA-Final-Triumph seiner Los Angeles Lakers seiner Psychiaterin für ihre exzellente Arbeit dankte - live im weltweit übertragenen TV-Interview.

Obwohl in den USA psychische Probleme weniger stiefmütterlich behandelt werden als hierzulande, so ist die Fehlinformationsquote doch immer noch sehr hoch. Die mangelnde gesellschaftliche Akzeptanz, dass es sich dabei um eine stinknormale biologische Krankheit handelt, die frühmöglichst behandelt werden sollte, sorgt für unnötig viel Angst und Abneigung gegenüber solchen Menschen. Vor allem Kinder haben darunter dann unnötig zu leiden. Um das öffentliche Bewusstsein für psychische Krankheiten zu stärken und so Kinder und junge Menschen auf ihrem Leidensweg zu unterstützen, gründete Ron Artest eine Stiftung, die sich genau dieses Problems annimmt. Artest ist Jahren der wohl selbstloseste NBA-Akteur in Wohltätigkeitsangelegenheiten.

Die wochenlange Ankündigung, seinen Original LA Lakers Championship-Ring zu Wohltätigkeitszwecken versteigern zu wollen, machte Artest nun vergangenes Wochenende wahr. Mittels einer Tombola, die der geborene New Yorker über seine Webseite ronartest.com organisiert hatte, sammelte er über eine halbe Million Dollar an Losgeld ein. Der Erlös geht komplett und geschlossen, ohne Firmenbeteiligung und Mittelsmänner (hi, 'The Decision') an die Stiftung. Seine Entscheidung, das Ring-Unikat zu veräussern, hat Artest nie bereut. "Ich habe den Ring extra zu klein anfertigen lassen, damit er mir nicht passt. Das ganze ist ein gutes Gefühl, auch weil die ganze Aktion viel Aufmerksamkeit erregt hat für die Probleme, auf die ich hinweisen will."

Geplant ist die Verpflichtung von Experten und Psychiatern an Schulen, die dann vor Ort direkt mit den betroffenen Kindern arbeiten sollen - ein Luxus, den sich die meisten der jungen Patienten ansonsten gar nicht leisten könnten. Gut zu wissen, dass einige der priviligierten Multimillionäre noch zu wissen scheinen, was man mit den ganzen Scheinen Sinnvolles anstellen kann. Artest will einen Großteil seines diesjährigen Spielergehalts (knapp 7 Mio $) ebenfalls spenden.

27 Dezember 2010

Heat kloppen Lakers - Wie geht's weiter ?


Die Miami Heat verliessen Kalifornien am Sonntag nach einem mehrtägigen Westküsten-Trip und dem abschliessenden 96-80 Arschtritt gegen die Lakers mit dem besten aller Geschenke im Gepäck: Respekt. Den Sieg gegen den zweimaligen Champion wollte man unbedingt haben in Miami. Man wollte zeigen, dass man mehr kann, als minderwertige Gegner der Reihe nach aus der Halle zu ballern, nur um gegen Titelaspiranten wie Boston, Dallas oder Orlando zu verlieren. Man wollte sich endgültig und für alle Zeiten (sprich: den Rest dieser Saison) in die Contender-Diskussion hieven. Mission erfolgreich abgeschlossen.

Angeführt von
Lebron James (Triple Double mit 27/11/10) und Chris Bosh, der vor allem in der Zone nach Belieben schalten und walten konnte (24/13 bei 11-17 FG), liessen die Floridianer ihrem überforderten Gegner nicht den Hauch einer Chance. Nicht dass LA an diesem Tag überhaupt etwas hätte damit anfangen können. Das Spiel der Lakers war hässlicher als Kobe's Weihnachtstreter. Der Back to Back Champ blamierte sich von Beginn an durch einen völlig uninspirierten Auftritt, der jegliches Engagement, jegliche Leidenschaft vermissen liess. Kobe Bryant und Pau Gasol begannen zusammen 0 von 11 aus dem Feld. Das Publikum, welches die wohl höchsten Regular Season Ticketpreise aller Zeiten bezahlt hatte (1000 Dollar für die mittleren Reihen und bis zu 15000 (!) auf dem Schwarzmarkt) schlief schon Mitte des 1. Viertels ein und verliess Minuten vor Ende der Partie seine Plätze.

Phil Jackson sprach nach dem Spiel von "Hämorrhoiden", die er beim langen Sitzen und Zuschauen bekam. Es war ein peinlicher Auftritt seiner Schützlinge, der Lakers-Ikone Magic Johnson die Schamesröte ins Gesicht trieb und die grundliegenden Probleme der Mannschaft (ausführlicher Blogpost folgt) offenbarte: Arroganz, mangelnder Fokus, schlechter Teambasketball. Nach zwei empfindlichen Heimklatschen innerhalb weniger Tage (zuerst gegen Milwaukee, dann gegen die Heat im internationalen TV) und einer durch einen soften Spielplan künstlich aufgeblähten 21-9 Bilanz (inkl. 2-4 gegen siegreiche +.500 Teams) dringt so langsam die Erkenntnis durch, dass sich einige Dinge unbedingt ändern müssen in LA-LA Land - sodenn man wirklich noch ernshaft mit dem Three-Peat liebäugelt. Nicht von ungefähr zählt der 'Back to Back to Back' zu den unwahrscheinlichsten Errungenschaften im Teamsport. Die Lakers, die jetzt 5 Niederlagen mehr auf dem Konto haben als San Antonio und 4 mehr als Dallas, müssen das gerade auf die harte Tour herausfinden. Es bleibt freilich noch genug Zeit, das Schiff wieder auf Championship-Kurs zu lotsen. Die kommende Woche (Spurs, Hornets, Sixers) und ein harter Spätjanuar (Duelle gegen Dallas, Utah, Boston, Denver und Oklahoma City) werden den wahren Charakter des 16-fachen Champions aufzeigen.

In Miami hingegen freut mach sich wie ein Schneekönig nach dem 14. Sieg im 15. Spiel. Die Offensive hat sich nach dem holprigen Start (9-8) und dem berechtigen
Wackness-Label im November gemausert. Der Pick'n'Roll funktioniert mittlerweile hocheffizient, die Ballbewegung ist immer wieder beeindruckend flüssig, und generell hat der Angriff nur noch wenig mit der stagnierenden Krankheit von vor einigen Wochen zu tun. Im Open Court operiert Miami (dank LBJ und Dwyane Wade) weiterhin verheerender als ein entgleister Frachtzug. Bosh hat seine depressive '5. Rad am Wagen Phase' überwunden und - obwohl er an den meisten Abenden immer noch allergisch auf die bunte Zonenfarbe reagiert - sich zur gewünschten Scoring- und Reboundoption gemausert (19 PPG und 9 Reb im Dezember).

Die Visitenkarte der Heat aber bleibt die alles erstickende Defensive. Throwback Heat D. Dreckig. Dominant. Deprimierend für die Gegner. Nur 90.8 Punkte lässt Miami pro Partie zu - Platz 1 ligaweit. Gegen Los Angeles verhinderte die Mannschaft von
Erick Spoelstra 11 Angriffe in Folge einen Korberfolg. Die Länge unter dem eigenen Korb setzte die Lakers immer wieder unter Druck, so dass die Perimeter-Spieler, allen voran Wade und James, pausenlos umherstreifen und Unheil in den Passwegen anrichten konnten. Angesichts der besten Verteidigung der Liga und der weiterhin höchsten Siegesdifferenz von +9.7 Punkten (laut John Hollinger der grösste Indikator für zukünftigen Erfolg - eine Einschätzung die ich, wie viele andere Experten auch, übrigens nicht teile) wäre alles andere als ein Vordringen Miami's bis mindestens ins Conference Finale unerhörter als Griechenland's Fussball-Europameistertitel 2004. Zwar bin ich immer noch nicht davon überzeugt, dass der Heat-Spielstil (incl. Verlass auf Distanzwürfe und Softeis-Härte in der Zone) in einer Playoff-Serie über 7 Spiele gegen Boston, San Antonio, Dallas oder Los Angeles bestehen kann. Vor allem aber in den nächsten Wochen (und angesichts nur dreier echter Gegner im Monat Januar: Denver, OKC und Chicago) wird die Siegesserie der Heat weiter anwachsen, bis sie das Gegenteil von Chris Bosh's Birne und/oder Lebron James' Gehirn ist. Also riesengross. The Heat's on fire !

James, Ellis Spieler der Woche


James und Ellis sind die Spieler der abgelaufenen Weihnachtswoche in ihrer jeweiligen Conference und wurden heute von der National Basketball Association salbungsvoll geehrt.

Lebron James war einer der Protagonisten während Miami's 2-1 Woche mit Durchschnittswerten von 27 Punkten, 9 Rebounds und 7 Assists. Bei der Samstags-Demontage der Lakers in Los Angeles zeigte LBJ sein gesamtes Arsenal mit einem Triple Double (27 Punkte, 11 Rebounds und 10 Assists) und einer der besten All-Around Darbietungen der Saison (4 Steals, 5 Dreier). Zuvor hatte der 2-malige MVP mit 36 Punkten beim Heat-Sieg in Phoenix massgeblichen Anteil. Die durchschnittliche Leistung bei der Heimniederlage gegen Dallas (6-17 FG, nur 19 Zähler) wurde offensichtlich nicht berücksichtigt von David Stern & co. Ebenso wenig die Hilfe von Chris Bosh (im Schnitt 22 Pts, 11 Reb) und Dwyane Wade (20 Pts, 7 Ast), die sich nicht weniger verantwortlich zeigen für Miami's momentanen Super-Lauf (14 von 15 Partien gewonnen). Den Luxus hat Carlos Boozer nicht. Dennoch kam der 'Bruiser' auf 4 Double Doubles in 4 Partien, von denen die Bulls 3 gewinnen konnten. Seine bärenstarken Durchschnittswerte im Low Post: 26 Punkte, 13 Rebounds, 55% aus dem Feld. Hätte man den Bulls Power Forward zum Ost-POW deklariert - es hätte sich keiner beschweren dürfen.

Im Westen war die Sache hingegen klar wie Tomatensuppe. Trotz Kevin Durant (34 PPG) oder Blake Griffin (25/13) - einer spielte so aussergewöhnlich gut, dass man ihm den Award hoffentlich vergoldet und per Express hat zukommen lassen: Monta Ellis, der im Schnitt 40 Zähler pro Abend droppte. Dazu noch 7 Assists und eine für ihn absolut astronomische Feldkorbtrefferquote von 53 Prozent. 44 Punkte und 7 Vorlagen gegen Houston, 36 und 7 gegen die Kings und zum Wochenende noch einmal so mir nichts, dir nichts 39 gegen die Trail Blazers. Natürlich auch inklusive 7 Assists. Schön zu sehen, dass man für den drittbesten Scorer der Liga (26 PPG) mal eine Ausnahme machen kann in den Chefetagen der Liga, die ansonsten ausschließlich auf die Super-Duper Stars des Sports abfahren - und dementsprechend einseitig beurteilen.

24 Dezember 2010

Jingle Bells


NBACHEF wünscht Euch allen ("big people, little people, everybody...") ein Frohes Weihnachtsfest !




23 Dezember 2010

Spurs 101, Magic 123












Wow - welche eine Vorstellung der neu formierten Orlando Magic Truppe gegen das beste Team der Liga aus San Antonio. Die Magischen deklassierten am Donnerstag den Gast nach allen Regeln der Kunst und verbuchten einen überdeutlichen 123-101 Erfolg, der einige interessante Schlüsse für den weiteren Saisonverlauf zulässt.

Die Spurs kamen mit der irren 25-3 Bilanz und einer 10 Spiele Siegesserie im Gepäck nach Florida. Die Mannschaft von Stan van Gundy hingegen hatte sich in den letzten Wochen (vor und nach den Blockbuster-Trades des vergangenen Wochenendes) wenig Contender-haft gezeigt und 8 von 9 Partien verloren. Nicht gerade das Rezept für ein Magic-Blowout. Aber genau darauf lief es ab dem 2. Viertel hinaus. Angeführt von Dwight Howard, der seine MVP-Form der letzten Wochen mit insgesamt 29 Punkten und 14 Rebounds eindrucksvoll fortsetzte (inklusive stark verbessertem Low Post Spiel), erwirkte sich Orlando langsam aber sicher einen deutlichen Vorsprung. Zur Halbzeit lagen die Magischen bereits 9 Punkte vorne.

Im Q3 setzte das Team aus der Southeast Division zum vorentscheidenden Todesstoss an. Dank Spielmacher Arenas, der 9 Assists verbuchten konnte, und einer surrealen Team-Trefferquote von 60 Prozent (die höchste gestattete gegnerische Trefferquote für San Antonio seit 1997) erhöhten die Schwarz-Blauen auf 97-67. Vorentscheidung. Orlando liess den Ball gut laufen (Season High 31 Assists) und liquidierte die Spurs vor allem im Open Court (30 zu 2 Fast Break Punkte). Die drei Neuzugänge erzielten insgesam 40 Punkte, Bass und Redick kamen auf je 17 Zähler. Nebenbei zeigte die Neuformation, wie man in Zukunft wieder oben angreifen will: mit einer Vielzahl von Offensivwaffen und einem Gilbert Arenas, der durchaus in der Lage ist, den Playmaker zu geben in einem weit offenen, schnellen Angriffssystem. Das Tempospiel kommt dem athletischen Team sehr zugute.

Der Sieg im nationalen TV, vor allem aber die Dominanz Orlando's im erst dritten Auftreten mit dem neuen Personal (das bisher so gut wie gar nicht miteinander trainiert hat) lassen Grosses erahnen für das Spiel der Magic in den nächsten Wochen und Monaten. Findet Stan van Gundy die richtige Mischung aus Freestyle Offensive und solider Defensivarbeit, und finden die Akteure - wie gewohnt - irgendwann mal zueinander auf dem Platz, dann wird mit dieser Truppe ganz schnell wieder oben zu rechnen sein. Ich war heute Nacht schon beeindruckt !

22 Dezember 2010

Chaos in Charlotte, Brown schmeisst hin


Larry Brown schmeisst bei den Charlotte Bobcats hin. Der 70-jährige und das Profiteam aus North Carolina gehen in Zukunft getrennte Wege, nachdem Brown und Teambesitzer Michael Jordan nach langem Gespräch und in gegenseitigem Einvernehmen zu dem Entschluss kamen, dass es Zeit für eine neue Stimme an der Seitenlinie ist.

Nachdem Brown die Bobcats letztes Jahr zur ersten Playoff-Teilnahme in der Geschichte der Franchise geführt hatte, spekulierten viele mit weiteren Roster-Upgrades und einer erneuten Verbesserung in dieser Saison. Das haute so nicht ganz hin. Charlotte's Kader ist nun das komplette Gegenteil von Eddy Curry - extrem dünn also. Spieler wie Kwame Brown oder Matt Carroll (die Starter am Dienstag gegen Oklahoma City) haben in keinem NBA-Roster etwas zu suchen, geschweige denn in der Anfangsformation. Vor allem der Abgang des letztjährigen Regisseurs im Bobcats-Spiel und Katalyst des Playoff-Pushes, Raymond Felton, tut immer noch schmerzlich weh. (Zitat Brown: "When i found out he signed elsewhere, i died.") Das Offensivspiel der Rotluchse präsentiert sich in diesem Jahr absolut anemisch. Die Ballbewegung stagniert vollkommen, Spieler versuchen sich als Alleinunterhalter, und insgesamt wirkt die Mannschaft unmotiviert und lustlos. Brown hatte in den vergangenen Wochen alle möglichen Lineup-Wechsel ausprobiert, um das Team irgendwie wachzurütteln. Auch laute Kritik an seinen Spielern, aber auch an sich selbst, verfehlten die erwünschte Wirkung. Nun sah man in Charlotte dringende Notwendigkeit, zu handeln.

Bleibt die Frage, ob die Kätzchen ohne den Hall of Fame Coach tatsächlich besser dran sind. Paul Silas wird zunächst die Rolle des Cheftrainers auf Interimsbasis übernehmen, während Michael Jordan auf dem freien Markt nach einem adäquaten Ersatz sucht, um das festgefahrene Bobcats-Schiff wieder in ruhigere Gewässer zu manövrieren. Im Gespräch sind nun Leute wie Mike Woodson (ex-Hawks) oder Jeff van Gundy (ESPN Analyst). Auch co-Trainer wie Patrick Ewing (Orlando) und Dan Majerle (Phoenix) stehen wohl auf MJ's Kandidatenliste.

Den maroden Kader werden die aber auch nicht über Nacht in die Playoffs hieven. Charlotte hat sicher noch Chancen, denn trotz ganz schwacher 9-19 Bilanz ist man im Osten nur 2.5 Siege von einer Postseason-Platzierung entfernt. Um aber wirklich einen Lauf starten zu können in den nächsten Monaten, müssen ganz dringend ein paar Deals und Umstrukturierungen her. Vielleicht die auslaufenden Verträge von Boris Diaw (9 Mio $) und Nazr Mohammed (6.9 Mio $) abstossen. Einen Veteranen Point Guard verpflichten, um den komplett überforderten DJ Augustin zu entlasten. Vielversprechenden Youngstern wie Tyrus Thomas reguläre Spielzeit (30+ Minuten pro Spiel) einräumen. Und einen Shooter/Scorer einkaufen, der bei Gelegenheit auch mal einen von draussen einstreuen kann (CHA rangiert momentan auf Platz 29 im Scoring mit nur 91 PPG, Platz 27 bei den Dreiern).

Michael Jordan hat mehr als genug Arbeit vor sich. Und ohne seinen alten North Carolina Kumpel Larry B. wird's sicher nicht einfacher.


Snapshots: 22.12.10




Dirk > Bird ?


Ganz Basketball-Deutschland weiss inzwischen natürlich, dass Dirk Nowitzki dank seiner 17-Punkte Leistung im Dienstags-Spiel gegen Orlando einen Satz unter die besten 25 Punktesammler der NBA-Historie gemacht hat. Dirkules, seinerseits lebende Legende und einer der besten europäischen Basketball-Exporte aller Zeiten, überholte dabei eine weitere Ikone des Sports: Larry Bird. Die Begeisterung darüber ging in Germania sogar so weit, dass alle nur erdenklichen Internet-Plattformen mit Gratulationen und Lobeshymnen auf den langen Deutschen zur Stelle waren. Da las man dann zum Beispiel Dinge wie: "Durch seine 17 Punkte beim 105:99 in Orlando zieht Dirkules in der ewigen Punkte-Liste an Larry Bird (54) vorbei (...) Eine lebende Legende, die unser bester Basketballer jetzt in den Schatten gestellt hat."

Ähm, nicht ganz. Zwar hat Nowitzki (21798) jetzt mehr Karriere-Punkte auf dem Konto als Bird (21791). Der in West Baden/Indiana geborene Ex-Celtic aber deklassiert den Würzburger in allen anderen relevanten Kategorien - Meisterschaften mit eingeschlossen. Obwohl Bird insgesamt nur 13 Profisaisons absolvierte (1979-92), war sein Weg gepflastert mit individuellen und kollektiven Auszeichnungen. 3 NBA-Titel, 12 All-Star Nominierungen, 3 MVP-Titel, Rookie des Jahres, 2-maliger Finals MVP, 9 mal All-NBA 1st Team, um nur einige zu nennen. Bird's irrer Karriere-Schnitt: 24.3 Punkte, 10 Rebounds, 6.3 Assists, 50% FG - akkumuliert in einer Zeit, als die Konkurrenz in der Liga ungleich stärker war als heute (bedingt durch weniger Teams) und die Qualität der Spiele dementsprechend höher. Nicht zuletzt deshalb gilt Bird für mich (und andere ebenfalls) immer noch als bester Small Forward aller Zeiten.

Nowitzki aber kommt schon ziemlich nahe ran an 'Larry Legend', angefangen bei den blonden Haaren, den Ähnlichkeiten in der Spielweise, dem unnachahmlichen, butterweichen Jumpshot, den nahezu identischen Karrierestatistiken (23 Pts, 8.5 Reb, 2.7 Ast, 48% FG) oder den Triumphen beim All-Star Drei-Punkte Wettbewerb als längste Long Distance Experten aller Zeiten. Nowitzki wird in den nächsten Tagen und Monaten weiter empor klettern in der All-Time Scoring Liste. Zunächst überholt er bereits am kommenden Montag (gg. Oklahoma City) Gary Payton (21813 Pts). Next up ist dann Clyde Drexler (22195 Pts). Bei Nowe's derzeitigem Scoring-Schnitt (24.5 PPG) wird er 'The Glide' in etwa 15-17 Spielen (also irgendwann Ende Januar) eingeholt haben und die aktuelle Saison auf Platz 23 der All-Time Bestenliste beenden. Da Nowitzki im Sommer eine 4-Jahres Vertragsverlängerung unterschrieben hat, darf man stark davon ausgehen, dass er als einer der 10 besten Punktesammler in der NBA-Geschichte seinen Ruhestand antreten wird. Für einen ehemaligen Zweitliga-Spieler aus Deutschland gar nicht mal so schäbig...

21 Dezember 2010

Nash geht nirgendwohin...vorerst


Nach Phoenix' Blockbuster-Deal mit Orlando und dem Abgang von Suns-Topscorer Jason Richardson gehen manche Experten davon aus, dass Steve Nash nicht mehr lange seine Sneaker in der Wüstenstadt schnüren wird. Immerhin ist der zukünftige Hall of Fame Point Guard jetzt 36 Jahre alt. Das Championship-Fenster ist ohne Amare Stoudemire und jetzt eben Richardson endgültig zu, und die Moves des Suns-Managements riechen schon sehr verdächtig nach Rebuild und Neuorientierung - wenngleich die drei Neuzugänge Vince Carter, Marcin Gortat und Mickael Pietrus einen kurzzeitigen sportlichen Boost für diese Saison bringen könnten.

Ist Nash also der nächste Suns-Akteur, der seine Umkleide im US Airways Center räumen muss ? Nicht so voreilig. Zwar konnte Nash, der in der Offseason wenig Begeisterung für Phoenix' damaligen Roster gezeigt (vor allem den "spektakulären Neuzugang" Hedo Turkoglu) und lieber etwas mehr Grösse und Masse unter den Körben eingekauft hätte, seine anfängliche Enttäuschung über den Deal des Wochenendes nicht verbergen. Seither gibt sich der zweimalige MVP aber alle Mühe, in der Öffentlichkeit die richtigen Töne anzustimmen. Er sei "optimistisch, dass die Moves kurz- und langfristig dem Team helfen können. Wir hätten J-Rich im Sommer wohl ohnehin nicht behalten können. Ich glaube, dass alle drei (Neuzugänge) gute Offensivspieler sind. Wir haben jetzt mehr Grösse, die wir dringend gebraucht haben", so der Spielmacher mit zuversichtlichem Blick in die Zukunft.

Teamdienlich, loyal, optimistisch - ganz wie man Nash eben kennt. Für einen wie ihn geht's um mehr, als nur ums gewinnen, wenngleich er - wie wir alle - in erster Linie natürlich dafür spielt. Aber eben nicht ausschließlich. Offen einen Trade einfordern oder die Fliege machen ist seine Art nicht. Die Teamführung um Lon Babby, Director of Basketball Operations, hat bereits betont, dass man weiterhin mit Nash plant, es sei denn, der Point Guard verlange explizit einen Trade. Das wird wohl vorerst nicht passieren. Es scheint ganz so, als wolle der Kanadier erstmal in Phoenix bleiben und beenden, was er dort begonnen hat. "Ich habe meinen Vertrag verlängert, um genau hier zu bleiben. Was soll ich jetzt tun - die Flinte ins Korn werfen ? Ich glaube immer noch, dass wir ein gutes Team werden können." Und obwohl ein zweimaliger MVP sicherlich einen Trade forcieren könnte, hält Nash das nicht für die richtige Umgangsform. "Man geht nicht einfach zum Manager und sagt dem, wo man hin wechseln will. Ich habe hier unterschrieben, ich will mein Team voran bringen."

Für den Moment scheint also alles geklärt zu sein in Arizona. Obwohl Phoenix mit den drei Neuzugängen Carter/Gortat/Pietrus sicherlich nicht die Lakers, Spurs oder Mavericks heraus fordern wird, ist man in einer besseren Position als noch vor einer Woche. Man hat eine zusätzliche Center-Option (die Nash unbedingt haben wollte), einen Perimeter-Verteidiger und Carter, der vielleicht, eventuell, wenn alles zusammenpasst, seine Karriere ähnlich wie ein Grant Hill damals noch einmal ankurbeln kann bei den Suns, dem Verein mit der besten medizinischen/physiotherapeutischen Abteilung weit und breit. Zumindest aber hat Phoenix dieses Chaos-Element zurück, einige Optionen mehr in Nash's Angriffsspiel und somit die realistische Chance, als 7th oder 8th Seed noch den Sprung in die Playoffs zu schaffen. Momentan liegt man mit 13-14 Siegen auf Platz 9.

Man sollte aus Suns-Sicht natürlich immer die Ohren offen halten, ob da draussen nicht das ein oder andere Team an einem Deal interessiert wäre. Da aber der Markt für Nash schlechter nicht sein könnte im Moment (junge Teams auf PG-Suche kommen nicht in Frage, da nicht Playoff-relevant, während alle Contender auf der Eins gut bis sehr gut besetzt sind oder keine Tausch-Assets zur Verfügung haben), wird es in dieser Saison wohl keinen Nash-Trade geben. Frühestens dann also im Sommer 2011. Oder eben nie...

20 Dezember 2010

Mavericks 98, Heat 96












Es war genau jenes antizipierte Schwergewichtsduell in South Beach/Miami, auf das viele Beobachter gewartet hatten. Zwei der besten Defensivteams der Liga (Miami 91.2 Pts/Platz 1, Dallas 93.2 Pts/Platz 5) gaben sich 48 Minuten lang die Ehre. Dallas erwischte einen Blitzstart und die zuletzt brandheissen Heat (12 W in Folge) eiskalt. Der Gast ging 14-2 in Führung, ehe Miami so langsam aber sicher aus seinem Erfolgsnickerchen erwachte.

Nachdem Rollenspieler Lebron James Mitte des Q1 auf die Bank musste (2 Fouls), übernahm Dwyane Wade grinsend und voller Vorfreude das Kommando im Heat-Cockpit. Der All-Star Guard und seine vier Statisten erzielten die nächsten 17 Punkte in Folge. Miami riss das Spiel an sich. Dallas' Coach Rick Carlisle versuchte durch taktische Umstellung auf Zonen-Defensive, die Hitze etwas abzukühlen - mit Erfolg. Dirk Nowitzki (26 Pts) wurde jetzt vorne häufiger gefeatured, die Pferdchen kämpften sich ins Spiel zurück. Kurz vor der Pause kam der rekonvaleszente Mike Miller zum seinem ersten Saison-Einsatz überhaupt. Mit seinen vier Backsteinen in Folge konnte sein Team zwar nicht viel anfangen, dank des Motivationsschubs und einer irren Sequenz, in der man gleich 7 Offensiv-Rebounds pflückte, gingen die Gastgeber aber mit einer 44-43 Führung in die Kabine.

Auch im Dritten änderte sich nichts am Schlagabtausch auf Augenhöhe. LBJ, der zum ersten Mal seit 2007 keinen einzigen Zähler in der ersten Halbzeit erzielt hatte, erzielte zwar 8 Punkte im Viertel und hatte am Ende 19 und 10 auf dem Konto - spielte insgesamt aber reichlich bescheiden (6 von 17 aus dem Feld, 5 Turnovers). Dallas spulte 10 Punkte in Folge ab, Miami antwortete mit einem 13-0 Lauf und beendete den Abschnitt mit einem Dreier zum 68-65 Vorsprung.

Eigentlich hätte das knappe Polster zum Sieg ausreichen sollen, denn Miami's Bilanz bei eigener Führung zu Beginn des Q4 war bisher 19-1. Dummerweise wies dann aber jemand Dallas' Bankmikrowelle Jason Terry darauf hin, dass er selbst noch keinen einzigen Zähler zusammengetrommelt hatte. Das konnte der 'Jet' freilich nicht auf sich sitzen lassen und haute im alles entscheidenden Viertel all seine 19 Punkte durch die Maschen. Shawn Marion dominierte die Bretter (5 Offensivrebounds, 13 gesamt) und legte Terry's vorentscheidenden Dreier zum 89-85 auf. Den Heat fiel gegen die starke Mavs-Defensive im Q4 nicht mehr viel ein (10 Fehlwürfe, 3 Ballverluste).

Am Ende hiess es 98-96 für Dallas, das seine Ambitionen mit dem 9. Auswärtssieg in 10 Partien und dem Season Sweep gegen die Heat eindeutig untermauerte. Es war schon der 14. Regular Season Sieg in Folge gegen Miami. Die 'Streakbusters' aus dem Lone Star State haben nun 6 lange Serien gestoppt (u.a. Boston, San Antonio und jetzt eben Miami) und bleiben den unrealistisch gut gestarteten Spurs (24-3) ganz dicht auf den Fersen. Miami hingegen bleibt sich selbst treu: gegen die Kellerkinder der Liga hagelts Siegesserien im Double Digit Bereich, während man gegen die richtig guten Teams selten bis nie etwas zu melden hat.

Pierce, Parker Spieler der Woche


Parker und Pierce wurden als Spieler der vergangenen Woche in der Western bzw. Eastern Conference geehrt.

Paul Pierce präsentierte sich in bester Schweizer Taschenmesser Manier und führte seine verletzungsgeplagten Boston Celtics zu 3-o Siegen zwischen Montag und Sonntag. Sein Coach Doc Rivers nannte ihn gestern "das Chamäleon", wohl wegen Pierce's Fähigkeiten, sich an jede neue Umweltbedingung anzupassen. Auch ohne die angeschlagenen Rondo, Shaq, Perkins, West und O'Neal führen die Celtics den Osten nach wie vor an und haben 13 Partien in Folge gewonnen. Pierce traf zuerst den entscheidenden Korb beim 118-116 Thriller im New Yorker Madison Square Garden, wo er mit 32 Punkten und 10 Rebounds auch Spielbester bei den Grünen war. In den folgenden zwei Partien übernahm 'The Truth' die Rolle des Spielgestalters, verteilte insgesamt 22 Assists und legte am Sonntag gegen die Pacers sogar ein Triple Double aufs Parkett (18 Pts, 10 Reb, 12 Ast). Insgesamt kam Pierce letzte Woche auf sehr vielseitige 21.7 Punkte (51% Trefferquote), 8.3 Rebounds, 8.7 Assists und 2.3 Steals. Weitere Kandidaten im Osten wären James (26.3 Pts, 8.8 Reb, 7 Ast), Boozer (27/11), Nick Young (24 Pts) und der obligatorische Stoudemire (28.7/11.7, 3 Blks) gewesen. An Pierce gab's aber kein Vorbei.

Im Westen erhielt Tony Parker von den Spurs die Blumen - eine mir unverständliche Entscheidung, die massive politische Machenschaften hinter den Kulissen mal wieder eindrucksvoll zu belegen weiss. Zwar kam 'le petit francais' auf starke 25.7 Punkte und 8.7 Assists im Schnitt sowie eine Spurs-Saisonbestleistung (37 Zähler), während San Antonio seine bisherige Traumsaison fortsetzte (3-0 Siege). Der Playmaker, der seit seinem Friedensdinner mit seiner Ex-Frau plötzlich wieder stark aufspielt, hatte aber viel Unterstützung von Ginobili (19 Pts, 6 Ast) und Duncan (18 Pts, 12 Reb, 5 Blks), während die Texaner gleich zwei Siege von den Refs/David Stern geschenkt bekamen (gg. Milwaukee und in Denver). Meine 'No Politics and Bullshit Ersatz-Kandidaten': Carmelo Anthony (30 Pts, 9 Reb, 53%), Kevin Durant (28 Pts, 52%) oder - vielleicht endlich einmal - Kevin Love (24 Pts, 16 Reb, Career High 43 in Denver).

19 Dezember 2010

What the Dealy: Magic - Suns - Wizards


Die Nachricht des Wochenendes war sicherlich der spektakuläre Blockbuster-Trade, initiiert von Otis Smith und Orlando. Die genauen Details um die involvierten Akteure dürften mittlerweile sogar Eure Omas kennen. Der Magic-Manager schickte Rashard Lewis, Vince Carter, Mickael Pietrus, Marcin Gortat, Picks und Cash nach Norden und Westen und erhielt dafür im Gegenzug Gilbert Arenas, Jason Richardson, Hedo Turkoglu und Earl Clark.

Der erste Teil des Deals ist schnell erklärt: Rashard Lewis wechselt im straight up Deal nach Washington. Gilbert Arenas nimmt dafür seine Talente und seinen Humor mit nach Orlando. Für die Wizards ging es bei dem Tauschgeschäft nur um ein Ziel: Arenas loswerden, irgendwie. Nach der peinlichen Waffen-Episode vor etwa genau einem Jahr hatte Ex 'Agent 0' seinen Kredit vollends verspielt in der Hauptstadt. Und obwohl der Besitzer Ted Leonsis und Coach Flip Saunders immer wieder betont hatten, welch ein integraler Bestandteil des jungen Teams Arenas doch weiterhin sei, verriet GM Ernie Grunfeld in einem verblüffenden Interview gestern die wahren Intentionen des Clubs seit 2009: "Solche Gelegenheiten kommen ganz selten." Was übersetzt soviel bedeutet wie: die erstbeste Chance, Arenas abzustossen, musste einfach genutzt werden. Dass man sich des ungeliebten Albatrosses so leicht entledigen konnte, ohne sogenannte 'Assets' - also junge Spieler oder Draft-Picks - dafür abdrücken zu müssen, verzückt die Verantwortlichen natürlich. Nun ist John Wall in Wash der uneingeschränkte Franchise-Spieler, um den herum aufgebaut werden soll. Keine Ablenkungen, keine Verbindungen mehr zur so ungeliebten und erfolglosen Vergangenheit. Lewis wird seine vorgesehene Rolle irgendwo im Wiz-Frontcourt übernehmen, mal als Small Forward neben Blatche und McGee, mal als Stretch 4er, der das Spiel dank seiner Treffsicherheit von draussen auseinander ziehen soll. Finanziell spart Washington dank der kürzeren Vertragslaufzeit von Lewis knapp 14 Mio $ ein.

Spielerisch gesehen machen die Divisionskontrahenten aus Florida aber den Reingewinn hier, denn Arenas ist zu diesem Zeitpunkt der weitaus bessere Spieler. Das belegt sogar ein nur oberflächlicher Blick auf die Statistiken: Arenas erzielt mehr Punkte (+5), trifft mehr Dreier (+0.4) und verteilt mehr Assists (+4.4). Hinzu kommen Gilbert's Alter (3 Jahre jünger) sowie seine klaren Vorteile als Spielmacher, in Crunch Time und als Shot Creator für sich selbst - eine Fähigkeit, die Lewis in den letzten 18 Monaten komplett eingebüsst hat. Überhaupt haben sich Lewis' Skills - so scheint es - im letzten Jahr vollständig in Luft aufgelöst. Er war der Chefzombie in Orlando's bescheidenem Offensivsystem (nur Platz 21 ligaweit) und ein Hauptschuldiger für die magere 16-10 Bilanz beim ehemaligen NBA-Finalisten. Das Angriffsspiel und die Ballbewegung kam durch ihn häufig vollständig zum Erliegen. Er nahm den Youngstern Spielzeit weg und wirkte generell unmotiviert.

Das also etwas getan werden musste bei den Magischen, war klar. 6 Niederlagen aus den letzten 7 Partien (bei denen nur 1 mal 95+ Punkte erzielt wurden) verdeutlichten, was schon nach wenigen Wochen schnell ersichtlich wurde: das aktuelle Team würde Boston, Miami und Los Angeles nicht Paroli bieten können. Veränderungen mussten also her, denn mit Dwight Howard's besten Jahren will man im Sonnenstaat nicht verschwenderisch umgehen. Howard war es auch, der hinter verschlossenen Türen für eine massive Veränderung plädiert hatte, nachdem seine Motivationstirade in Richtung Mannschaft vor knapp einer Woche offensichtlich ihre Wirkung verfehlte. GM Smith lässt sich bei solchen Gelegenheiten nicht zweimal bitten. Also tauschte er neben Lewis auch gleich noch das restliche ungewollte Drittel der Lineup aus. Carter, Gortat und Pietrus mussten ihre Umkleideschränke im Amway Center räumen und Flugtickets nach Phoenix, AZ reservieren. Dafür kamen die Neuzugänge Richardson, Turkoglu und Clark.

Jason Richardson ist der zweifellos beste Spieler des gesamten Deals. Im Gegensatz zu Carter ist J-Rich 4 Jahre jünger, athletischer und in nahezu allen relevanten Kategorien effizienter. Als Dreierschütze ist der ehemalige Golden State Warrior tödlich (in den letzten beiden Saisons 2.3 Dreier pro Spiel bei 41%) - und somit perfekt geeignet fürs Angriffssystem der Magischen. Hedo Turkoglu war vor zwei Jahren einer der Erfolgsgaranten für Orlando's Vorstoss ins NBA-Finale dank seiner Fähigkeiten als Spielmacher, im Pick'n'Roll und als Matchup-Alptraum für gegnerische Abwehrreihen. Der Türke wird nach 99 verkorksten Spielen in Toronto und Phoenix hoffen - er konnte nirgendwo die Magie seiner '08/09 Spielzeit entfachen - durch eine Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte auch etwas von seinem alten Spielwitz wieder zu finden. Earl Clark ist ein junger 2,08m Forward, der auf der Bank Platz nehmen darf.

Für Otis Smith sind beide Deals eine Rückkehr zur Familiärität und dem Altbekannten in der Hoffnung, Boston und Miami irgendwie wieder einholen zu können. Turkoglu kennt man in Orlando nur zu gut. Und Richardson/Arenas spielten schon 2002/03 in Golden State unter dem damaligen Director of Basketball Operations Smith zusammen. Smith gilt ligaweit als einer der grössten Befürworter Arenas' ("Ich kenne ihn. Er ist ein sehr guter Mensch.") und hatte mehrmals, auch letztes Jahr, schon angedeutet, den Shooting Guard verpflichten zu wollen. Die Gelegenheit war jetzt da. Wenngleich ESPN (der Haus- und Hofsender der Miami Heat) und der ein oder andere Blog Euch vermitteln wollen, dass der Trade vorrangig durch Panik motiviert war und ein Griff ins Klo, sollte man den sportlichen Mehrwert für Orlando nicht ausser Acht lassen. Richardson ist ein dynamischer Wing-Scorer, Arenas scheint sich wieder seiner alten Form zu nähern. Und Turkoglu ist kein Risiko in Orlando. Personell gesehen hat sich Smith seine drei grössten Fehler (Lewis 2007 für 118 Mio $ verpflichten, Turkoglu 2009 ziehen lassen, statt dessen Carter verpflichten) hiermit offiziell eingestanden und entschieden gehandelt. Veränderung ist manchmal Gold wert. Fasst man alle Moves seit 2009 zusammen, hat Smith im Endeffekt aus Lewis, Gortat, Pietrus und Courtney Lee nun Richardson, Arenas, Turkoglu und Brandon Bass gemacht. Steal ! Die erlahmte Offensive des Teams von Stan van Gundy wird durch die zusätzliche Firepower und jetzt insgesamt drei Spielmacher (Nelson, Arenas, Turkoglu) wieder für Wirbel sorgen und sich langsam aber sicher nach oben arbeiten in den Statistiken. Bass erhält endlich reguläre Spielzeit. Defensiv wird Orlando natürlich einbüßen müssen - vielleicht zuviel. Auch das Fehlen eines echten Backup-Centers darf angeprangert werden. Wer aber glaubt, dass dies die ersten und letzten Trades von Smith in dieser Saison waren, ist schief gewickelt. Die Mannschaft ist jetzt schon stärker, als sie es mit dem alten Personal jemals geworden wäre. Man war in der Sackgasse, und diese Deals sprengen vorerst eine Riesenschneise in die Scheisse.

Die Sichtweise der Phoenix Suns schließlich auf den Deal ist Folgende: man wird zunächst das völlig misslungene und überteuerte Türken-Experiment wieder los. Mit Vince Carter kommt ein quasi auslaufender Vertrag (Teamoption für 2011/12) in die Wüste, dessen Skillset sich mit dem von Richardson in etwa deckt (mit dem Unterschied, dass 'Half Man, Half a Season' wie ein 65-jähriger spielt). Mickael Pietrus verstärkt als sicherer Dreierschütze und bester Verteidiger des Teams die plötzlich tiefe Suns-Rotation. Und dank Marcin Gortat - einem der begehrtesten Big Men der Liga, der sich auf Orlando's Bank unter Wert verkauft fühlte - hat Phoenix nun sein grösstes Problem auf der Center-Position gelöst, theoretisch zumindest. Dank Gortat und Robin Lopez werden die Sonnen nun nicht mehr Abend für Abend von den meisten Gegnern unter den Körben vergewaltigt. Das und die zusätzliche Tiefe sollte für einen langen Push um einen der letzten Playoff-Plätze im Westen ausreichen.


nbachef meint: Vorteil Orlando

ASG Zwischenstand: Kobe vorne


Am Wochenende wurde die erste Auszählung für die Startaufstellungen beim 60. All-Star Spiel in Los Angeles veröffentlicht. Der momentane Stand der Dinge sieht folgendermassen aus (Top 20 inkl. Gesamtvotes):

Kobe Bryant (Lakers) 722,682
Dwight Howard (Magic) 611,561
LeBron James (Heat) 607,994
Dwyane Wade (Heat) 570,489
Rajon Rondo (Celtics) 497,141
Kevin Durant (Thunder) 470,881
Kevin Garnett (Celtics) 456,111
Yao Ming (Rockets) 430,984
Derrick Rose (Bulls) 424,356
Pau Gasol (Lakers) 390,808
Chris Paul (Hornets) 386,649
Carmelo Anthony (Nuggets) 369,768
Amar'e Stoudemire (Knicks) 327,626
Dirk Nowitzki (Mavericks) 264,301
Tim Duncan (Spurs) 247,364
Blake Griffin (Clippers) 245,167
Shaquille O'Neal (Celtics) 241,782
Ray Allen (Celtics) 235,977
Paul Pierce (Celtics) 235,107
Manu Ginobili (Spurs) 230,137

Ein paar Dinge fallen auf: zunächst mal stehen Kobe, LBJ, Wade und Howard nach wie vor in der Beliebtheitsskala ganz weit oben. Die selben vier Superstars erhielten auch schon letztes Jahr die meisten Stimmen. Yao Ming führt bei den West-Centern mit erdrutschartigem Vorsprung vor Andrew Bynum und Brendan Haywood (was ist da schief gelaufen ?). Sollte Bynum auf Platz 2 überwintern, winkt ihm der erste All-Star Einsatz überhaupt, da Yao verletzungsbedingt nicht antreten kann. Kevin Durant baut auf seiner im Sommer via WM-Titel neu gewonnen Popularität auf und ist kurz davor, zum ersten Mal von Beginn an beim jährlichen Schaulaufen dabei zu sein. Pau Gasol, der im Westen als Forward geführt wird, verteidigt (noch) seinen knappen Stimmvorsprung gegenüber Carmelo Anthony. So wie's aussieht, wird Urgrossvater Tim Duncan zum ersten Mal seit 1998 nicht mehr als Starter antreten. Blake Griffin macht - ganz wie gewohnt - Riesensprünge in seiner ersten NBA-Saison. Der Rookie hat jetzt schon mehr als 200000 Stimmen sicher. Wer einen wie ihn beim All-Star Game nicht sehen will, hat ernste Probleme. Zuguterletzt muss 'Grün' noch Erwähnung finden, denn gleich 5 Celtics (Rondo, KG, Pierce, Shaq und Allen) stehen momentan unter den Top 20. Dass auf den jungen Point Guard dabei die bisher meisten Stimmen abfielen, überrascht ein wenig. Gerüchte über Rondo's Teilnahme am Drei-Punkt-Wettbewerb konnten bisher aber noch nicht bestätigt werden. Am verstörendsten ist ganz klar die Tatsache, dass jemand Flopmeister Ginobili als Starter ins All-Star Spiel wählt. Verrückte Welt !

16 Dezember 2010

End of the Yao


War's das jetzt endgültig für Yao Ming ? Geht so sang- und klanglos die Basketball-Karriere des sanften Center-Riesen aus dem Reich der Mitte zu Ende ? Bei Ming wurde heute ein Haarriss im linken Sprunggelenk diagnostiziert. Ming wollte noch diesen Monat aufs Spielfeld zurück kehren, nachdem er sich im Spiel gegen die Washington Wizards am 10. November verletzt hatte. Im Laufe der Rehabilitation des selben Sprunggelenks scheint nun irgendwann (ganz unbemerkt) eine kleine Fraktur aufgetaucht zu sein - oder die ursprüngliche Verletzung wurde falsch diagnostiziert.

Für Yao und die Houston Rockets, die vom Ergebnis des Routine-Checks völlig überrascht wurden, bricht eine kleine Welt zusammen. Auch wenn der 2,30m Riese, der mit ziemlicher Sicherheit irgendwo in geheimen Forschungslabors der chinesischen KP mittels modernster Gentechnik hochgezüchtet wurde, erstaunlich ruhig auf die Hiobsbotschaft reagierte ("I haven't died. Right now I'm drinking a beer and eating fried chicken"), sollte man sich an den Sommer zurück erinnern. Damals hatte Ming bereits angedeutet, was viele nun für bittere, unabwendbare Realität halten: sollte er nicht verletzungsfrei aufs Parkett zurück kehren können, werde er seine aktive Karriere beenden. Die ständigen Ausfälle, Rückschläge und Rehas haben verständlicherweise ihren Tribut gefordert.

Der 30-jährige schafft es einfach nicht mehr, verletzungsfrei zu bleiben. Nachdem er in seinen ersten drei Profisaisons gerade mal 2 Spiele verpasste, war Ming seit 2005 immer wieder angeschlagen, versäumte insgesamt 173 Partien. In dieser Spielzeit lief er ganze 5 mal auf (10 Pts, 5 Reb im Schnitt), obwohl man seine Einsatzzeit penibelst überwacht hatte. Es ist nun mal, wie es ist: Yao's Füsse halten dem Druck seines gigantischen Körpers einfach nicht mehr stand. Vor zwei Jahren hatten Spezialisten einen komplizierten chirurgischen Eingriff an Yao's Füssen vorgenommen, eine Knochenkorrektur, um das monströse Gewicht besser zu verteilen. Dadurch geriet offensichtlich das gesamte Fuss-Konstrukt derart aus dem Gleichgewicht, dass jetzt sogar ein simples Umknicken zu einer Fraktur des Sprunggelenks führte. Ein ganz schlechtes Zeichen.

Yao gab sich gewohnt kämpferisch und will ein weiteres Comeback versuchen. Allerdings muss er dafür erst weitere Tests der medizinischen Abteilung in Houston abwarten. Gut möglich also, dass es das gewesen ist mit der Basketballkarriere des weltweit wohl bedeutendsten Basketballers nach Michael Jordan.

Die Rockets müssen nun ganz ohne Ming planen. Sein monströser17 Millionen Vertrag läuft im Sommer aus, und Manager Daryl Morey hat einige interessante Entscheidungen zu treffen. Es hatte sich ja bereits angebahnt, dass Ming's 19 und 9 nicht adäquat ersetzt werden können. Houston benötigt nun ganz dringend einen kompetenten Fünfer, um seine schwindenden Playoff-Hoffnungen aufrecht zu erhalten. Spieler wie Chris Kaman oder Troy Murphy bieten sich an und dürften auch für die nahe Zukunft in der Raketenstadt interessant sein. Die Zeiten von Yao Ming - der uns hoffentlich eines Besseren belehrt und irgendwann doch noch aufs Spielfeld zurück kehrt - als Franchise-Spieler und Difference Maker sind jedenfalls endgültig und für immer vorbei. Schade, sehr schade...

The Association: Boston Celtics (1)


Der ein oder andere wird's schon kennen, denn Malte vom nba-blog hatte vor knapp einer Woche schon darauf verwiesen (wenn auch gut versteckt): die erste Folge des ESPN-Fünfteilers über die Boston Celtics ist draussen. Exklusive 'Behind the Scenes' Aufnahmen in schärfstem HD, weit weg vom TV-Alltag und den üblichen Bildern, die man aus der NBA so kennt, präsentiert je einmal pro Monat. Für jeden Basketball-Fan eine echte Augenweide - egal ob Celtic-Fan oder nicht. Zieht's Euch rein... (wie immer bei ESPN: erst ewig laden lassen !)




15 Dezember 2010

Synapsen-Roulette, Spieltag 51



- zwei der längsten aktiven Siegesserien der Saison im direkten Vergleich heute auf ESPN. Welche davon wird reissen. New York (8) oder Boston (10) ??

- die Knicks haben Danilo Gallinari in der Halbzeitpause umgetauscht. Der Neue trifft Dreier, haut Rückwärtsdunks gegen Gegner durch die Reuse, kann nicht daneben werfen

- Nate Robinson, gestört wie eh und je und mit der 'Patrick Ewing High Top Fade' Gedächtnisfrisur

- Was noch seltsamer anmutet als MVP-Sprechchöre für Amare Stoudemire ? Die Tatsache, dass man sich dabei erwischt, wie man denkt: "Auf jeden Fall."

- Mein MVP des ersten Saisonviertels ? Amare natürlich. Das Biest schon wieder mit 30+ Punkten (zum 9. mal in Folge), und wir sind erst im Q3. Schaffen es die Knickerbockers, heute wieder zu gewinnen, wäre Stoudemire der einzige Spieler in der NBA-Geschichte mit 9 konsekutiven 30 Punkt-Spielen bei gleichzeitigem W

- Rondo mit der Sprunggelenksverletzung. Finger weg von den Air Max 360s, Männer !

- Irre gutes Spiel in New York jetzt. Die Energie im Madison Square Garden ist infektiös. Das gab's zuletzt wohl irgendwann im letzten Jahrtausend. So können junge Fans wenigstens mal nachvollziehen, wie es in den '90ern regelmässig abging

- ganz mutige Prognose: Anthony Randolph wird wohl nicht eingesetzt in Crunch-Time

- Paul Pierce mit dem Messerstich zum 118-116, nur 0.4 Sekunden vor dem Ende und der anschließenden doppelten Ehrenrunde im MSG. Mit seinem Go-to-Move, den er von der linken Seite um die Zone rum komplett nach rechts auf den Flügel zieht, sind das jetzt schon 3 Runden in weniger als 15 Sekunden. Das New Yorker Publikum, allen voran Spike Lee, sind 'not amused'

- Awww'mare ! Stoudemire mit dem Dreier @ the Buzzer - allerdings 0.2 Sekunden zu spät. Refs streichen den Treffer, Boston entführt den Sieg. Schade drum, das wäre der perfekte Abschluss eines sauguten Atlantic-Division Duells gewesen. Vorhang !

- Bulls-Coach Tom Thibodeau stirbt mit spätestens 30 Jahren an einem sechs-fachen Herzinfarkt

- Chicago mit dem Blowout-Sieg in Toronto, und Brian Scalabrine durfte trotzdem nicht ran. Schweinerei, Tom Thibodeau !

- Bulls mit dem traurigen Pyrrhussieg gegen die Raptors, nachdem vor der Partie schon fest stand, dass sich Joakim Noah einer Daumen-OP unterziehen muss und wohl 10 Wochen ausfallen wird (optmistische Quellen sprechen von 6-8 Wochen). Schade drum, die All-Star Nominierung hatte sich der Irre redlich verdient

- die (faszinierende) aktuelle Lineup der Bobcats: Augustin, Carroll, Henderson, McGuire, Kwame Brown. Der schriftliche Antrag für die Freizeitliga wurde bereits eingereicht

- Charlotte's Coach Larry Brown ist endgültig von Retro-Alzheimer befallen. Sein Gehirn vegetiert irgendwo gemeinsam mit seinen ehemals sinnvollen Taktiken vor sich hin. Anstatt nach dem Ausfall von Gerald Wallace einfach auf seinen athletischsten/effektivsten Spieler zu setzen (Tyrus Thomas) gegen die flinken Memphis Grizzlies, aktiviert Brown lieber unsterbliche NBA-Legenden wie Kwame Brown oder Matt Carroll. Die Bobcats liegen zu Beginn des Q4 mit 32 Pts zurück. Thomas hat 6 Minuten Einsatzzeit.

- Schlachtfest im Conseco: Los Angeles spielt mit den Pacers Katz und Maus, dominiert 48 Minuten lang nach Belieben. 51% Trefferquote und ein 51-29 Vorsprung bei den Rebounds. Bryant mit 31 Pts, Gasol 28 Pts, Odom 13 Pts/17 Reb. Die Rückkehr von Andrew Bynum macht aus den Lakers (ganz wie angenommen) ein völlig anderes Monster

- der gestickte Name auf der Trikot-Rückseite von Carl Landry zeigt erste Auflösungserscheinungen. Seine Sacramento Kings ebenfalls

- DeMarcus Cousins führt die NBA in Schrittfehlern an, höchstwahrscheinlich auch in Fouls pro Minute. In 'beleidigt auf der Bank sitzen' ebenfalls

- Marcus Thornton wird während des Q3 von der Hornets-Ersatzbank weggeflext. Der Sophomore führt das New Orleans Comeback (23 Punkte Rückstand) mit starker zweiter Hälfte an

- Kings-Coach Paul Westphal ist seit der Pause um weitere 4 Jahre gealtert. Das macht seit Saisonbeginn schon 25.

- Steve Nash mit 11 Assists kurz vor der Halbzeitpause. Rajon Rondo gähnt irgendwo unbeeindruckt

- New Orleans holt tatsächlich noch den Sieg gegen Sacramento, 94-91. Es war der höchste Comeback-Erfolg in der Franchise-Geschichte der Hornets. Marcus Thornton Matchwinner mit 19 Punkten von der Bank

- heute gilt mal wieder ligaübergreifend die Fussball-Schrittfehlerregel. Erlaubt ist, was gefällt. Fragt ihr euch auch manchmal, was aus der Regel hier geworden ist ?

- Manu Ginobili mit Schrittfehler-Flop-Step-Back-Buzzer Beater zum irren 92-90 Heimsieg der Spurs gegen Comeback-Bucks. San Antonio steckt weiter in der NBA-Zeitmaschine fest mit unfassbaren 21 Siegen aus 24 Partien #Throwback. Und kaum einer kriegt's mit...

- Dinge, die man vor 10 Jahren niemals so gesagt hätte: "Jason Kidd has become one of the best Three Point Shooters in the entire NBA"

- dass Phoenix gern mal Dreier nimmt und trifft, hat sich offensichtlich noch nicht bis in den hohen Norden herumgesprochen. Minnesota kassiert insgesamt 15, davon 4 von Frye im Q4 beim 128-122 der Suns, die auf 12-12 emporklettern (Platz 8 im Westen)

Kontroverses Ende bei NYK-BOS


Paul Pierce traf soeben den entscheidenden Korb beim 118-116 Auswärtssieg der Boston Celtics in New York. Der Stepback Jumper über Stoudemire hinweg war die Krönung eines dominanten Abends von Pierce, der insgesamt 32 Punkte erzielte. Der anschliessende Gebets-Dreier von Amare Stoudemire sass ebenfalls und hätte den Knicks einen noch sensationelleren Sieg beschert - kam aber einen Sekundenbruchteil zu spät. Während Pierce's Gamewinner fiel mir auf, dass die Uhr erstaunlich spät angehalten wurde. Diesen Verdacht bestätigte Matt Moore von CBS. Die Schussuhr wurde mindestens 0.2 Sekunden zu spät gestoppt. Man könnte sogar, je nach Argumentationslage, für 0.8 als richtigem Wert plädieren.




Das Problem ? Amare Stoudemire's potentiell entscheidender Treffer 0.4 Sekunden vor Schluss, bei dem er einen Dreier aus gut 8 Metern durch die Reuse drischt, wurde von den Refs aufgehoben - zurecht, wie ein Blick auf die Uhr und die zahlreichen roten Lichter demonstriert:




Nach geltender Regelauslegung ist klar: Stoudemire's Wurf wurde zu spät abgefeuert. Grün durfte jubeln, während die Knicks mit gebrochenen Herzen aber erhobenen Hauptes (und nachdem das gesamte Team bereits in Jubeltraube gefeiert hatte) aus dem MSG spazierten. Folgende Fragen sind aber berechtigt: Was wäre passiert, wenn die Zeitnehmer nach dem Pierce-Treffer richtig gestoppt hätten ? Wieso protestierte Knicks-Coach D'Antoni während der letzten Auszeit nicht und forderte die Refs auf, via Video-Beweis (der für genau diese Situationen implementiert wurde) die Richtigkeit der Entscheidung bzw. der Spieluhr zu überprüfen ?

Es ist natürlich nicht gesichert, dass Stoudemire bei 0.2 bis 0.4 Sekunden mehr Zeit seinen Dreier ebenfalls getroffen hätte (Boston hätte vielleicht anders verteidigt). Vielleicht wäre der Treffer auch bei 0.6 Sekunden auf der Uhr abgelehnt worden. Vielleicht hätte ein anderer Knick den letzten Wurf bekommen. Jedwelche Spekulation ist im Endeffekt müßig. Allerdings wird so noch einmal deutlicher, wie hochklassig die Partie im Madison Square Garden wirklich war. Auch wenn - aus Sicht der Knicks - mit dem falschen Endergebnis.

Dwight dunkt nicht mehr


Superman hat das Gebäude verlassen: Dwight Howard, der erst durch seine spektakulären und jetzt schon legendären Darbietungen beim jährlichen Dunk Contest so richtig berühmt und/oder beliebt geworden war, hat von dem Wettbewerb die Nase voll und wird nie wieder antreten.

Howard gewann den Bewerb 2008 mit seinem unvergesslichen Superman-Dunk (inklusive Umhang und grandioser Telefonzellen-Umzieh-Aktion). 2009 und 2007 wurde er Zweiter bzw. Dritter. In der letzten Saison hatte der Magic-Center bereits ausgesetzt. Nun gab er seinen endgültigen Rücktritt vom beliebtesten All-Star Event bekannt: "Ich bin jetzt für immer pensioniert. Ich will nicht mehr. Ich habe den Contest schon zu oft mitgemacht. Jetzt soll jemand anderes die Chance erhalten, zu scheinen." Und der 25-jährige fügte hinzu: "Ich laufe und springe schon genug während der Saison. Natürlich ist da auch immer der Druck, kreativ zu sein. Aber insgesamt habe ich einfach keine Lust mehr drauf."

Nachdem 3fach-Champ Nate Robinson schon letzte Saison angekündigt hatte, heuer nicht mehr teilnehmen zu wollen, dürfte also 2011 in Los Angeles ein neuer Slam Dunk Champion gekrönt werden - zum ersten Mal seit 2007. NBACHEF wird in den nächsten Wochen seine Favoriten vorstellen. Und ja, Blake Griffin ist einer davon. Wen wollt ihr sehen ?

14 Dezember 2010

What the Dealy: Lakers - Rockets - Nets


Am Mittwoch, den 15. Dezember, wird ein 3-Team-Trade offiziell über die Bühne gehen, den wir jetzt schon nach allen Regeln der Kunst sezieren können: Terrence Williams wechselt zu den Houston Rockets. Zusätzlich schicken die New Jersey Nets ihren Veteranen Joe Smith nach Los Angeles zu den Lakers, von wo Sasha Vujacic im Tausch an die Ostküste kommt. Der Clou: New Jersey erhält insgesamt noch 2 Erstrundenpicks, einen von den Lakers (2011) sowie einen aus Houston (2012). Letzterer ist dabei 'Lottery-protected', gilt also nur für einen Draft-Pick ausserhalb der Top14.

New Jersey versucht offensichtlich alles, um im Carmelo Anthony Poker den Royal Flush an Land zu ziehen, den erhofften Superstar. Mit den beiden erworbenen Draft-Picks verfügen die Nets nun über gleich 5 Erstrundenpicks in den nächsten zwei Jahren. Denver hat mehrmals verdeutlicht, dass ein potentielles Paket für Anthony neben jungen Talenten mehrere Picks enthalten müsste. Die Nets sind - so glaubt man zumindest im Sumpf - nun besser aufgestellt als jede andere Mannschaft ligaweit. Dass man mit Terrence Williams einen hoch talentierten und vielversprechenden Flügelspieler abgegeben hat, scheint man in New Jersey verschmerzen zu können. Der ehemalige 11. Pick spielte in den Planungen des neuen Coaches Avery Johnson ohnehin keine allzu grosse Rolle mehr, nachdem er sich durch mehrere Undiszipliniertheiten und eine Zwangs-Strafversetzung in die D-League selbst aufs Abstellgleis manövriert hatte. In der aktuellen Saison kam Williams über 6.7 Punkte und 3.6 Rebounds nicht hinaus. Sasha Vujacic wurde wohl eher aufgrund seines auslaufenden Vertrages (5.4 Mio $) geholt. Wenngleich der Slowene durch seine Treffsicherheit von hinter der Dreierlinie eines der schwächeren 3-Punkt Teams der Liga (nur 5.8 Treffer pro Partie, Platz 20) in diesem Spielaspekt durchaus unterstützen könnte, wird er wohl kaum PT im Nets-Backcourt erhalten. Alle Nicht-Tennis-Fans dürfen ihr Augenmerk also auf's nächste Kapitel richten. Hier gibt's nichts zu sehen.

Für die Rockets ist der Deal schon ein kleiner Steal, da mit Williams der mit Abstand beste Spieler in diesem Tauschgeschäft nach Texas wechselt. Wieder mal ein klassischer Low Risk/High Reward Deal des ausgebufften Managergehirns Daryl Morey, der einen potentiell elektrisierenden und vielseitigen Spieler für 'nen Flohmarktpreis (lies: unbeliebte, beschädigte Ware zum Schnäppchen) ergattern konnte. Dass Williams an sich alle nötigen Skills mitbringt, um in der NBA zu bestehen, hat bereits die letzte Saison gezeigt. Da kam der damalige Rookie vor allem nach der All-Star Pause so richtig ins Rollen, erzielte im März/April starke 14 Punkte, 7 Rebounds und knapp 6 Assists im Schnitt. Lediglich T-Will's Oberstübchen ist noch nicht ausreichend optimiert und steht der Erfüllung seines Potenzials bisher noch im Weg. Da aber werden Head Coach Rick Adelman und Veteranen wie Shane Battier ihre psychologischen Fähigkeiten gewinnbringend einsetzen, um Williams auf den Pfad der rechten Tugenden zu rücken. Mit seiner einmaligen Kombination aus Athletik, Offensivspiel und Verteidigerqualitäten dürfte sich der 23-jährige in Houston recht schnell auf der Flügel-Position etablieren. Man vergleicht ihn gerne mit Sixers-Wing Andre Iguodala. Wenn er den Korb attackiert, ist Williams nur schwer zu stoppen, da er ganz uneigennützig auch den freien Mann findet. Schlimm wird's allerdings, wenn er in den 'JR Smith Modus' verfällt, also unüberlegt aus allen Lagen drauf hält.

Auch wenn er nicht auf Anhieb starten wird, so winken ihm dennoch eher früher als später 30+ Minuten auf der Small Forward Position - im schlimmsten Fall als Mikrowelle von der Bank. Die Rockets haben sich jedenfalls nicht die Mühe gemacht, ihn umsonst nach Houston zu holen. Zunächst wird er brav von Old Man River Battier lernen und sich dann vorbildlich ins Raketen-System einfügen.

Um Platz zu machen für Williams schickte GM Morey noch eben schnell Jermaine Taylor nach Sacramento zu den Kings im Tausch für einen (sehr) gebundenen Zweitrundenpick. Den Draft-Pick muss Sacramento nur dann abtreten, wenn die Kings in dieser Spielzeit unter den 5 besten Teams der Liga landen. Die Chancen dafür stehen in etwa so gut wie ein NBA-Comeback von Hansi Gnad mit anschliessender All-Star Nominierung.

Der Champ aus Los Angeles schließlich schlägt gleich mehrere Klappen mit einer Fliege: zum einen wurde man den unbeliebten 5.4 Millionen Vertrag von Vujacic los, der in der Lakers-Rotation ohnehin zum Beobachter degeneriert war. Coach Phil Jackson hatte von 'The Machine' die Nase endgültig voll und gönnte ihm nur noch sehr hagere 4.9 Minuten pro Partie. Da die Lakers die höchste Gehaltsliste in der NBA führen und routinemässig im Luxussteuer-Bereich liegen, betragen die Ersparnisse bei diesem Trade mehr als 9 Millionen Dollar (Luxussteuer: jeder Dollar über der Grenze kostet doppelt). Der 35-jährige Joe Smith verdient dagegen nur knapp 1.4 Millionen, ein Grossteil davon wird von der NBA selbst bezahlt (Veteran's Minimum). Rein sportlich betrachtet ist Smith natürlich mehr wert für die Lakers. Mit seiner Grösse, Erfahrung und Treffsicherheit aus der Halbdistanz wird Smith - auch wenn nur für 10 Minuten pro Spiel - die Big Men entlasten und den Ausfall von Theo Ratliff etwas kompensieren können. Den eingebüssten Draft-Pick irgendwo im 28er-30er Bereich wird man in LA-LA Land verschmerzen können - umso mehr, wenn im Juni dafür ein weiteres Banner herausspringt.


nbachef meint: Vorteil Houston, Nachteil New Jersey

13 Dezember 2010

Wade, Nowitzki Spieler der Woche


Nowitzki und Wade wurden von der NBA-Zentrale zum jeweiligen Spieler der Nikolaus-Woche gekürt.

Dwyane Wade war der Motor hinter Miami's perfekter 4-0 Woche mit durchschnittlich 30.8 Punkten pro Spiel. Dazu holte der 'Spieler früher bekannt als Flash' noch 8 Rebounds (Career High 14 gegen Milwaukee) und 5.5 Assists am Abend. Das Team aus Florida dominierte auswärts mit vier Double Digit Siegen und sieht mittlerweile schon eher nach der Supermacht aus, die wir vor der Saison antizipiert hatten. Wirklich verdient hätte den Spieler der Woche Award aber ein anderer: Amare Stoudemire. 'STAT' tat für seine New York Knicks noch mehr, erzielte 134 Punkte in nur 4 Partien (33.5 im Schnitt) bei 58% aus dem Feld und 92% von der Linie. Dazu gesellte er noch 9 Rebounds und 2.3 Blocks. NY gewann alle vier Duelle und das insgesamt 8. in Folge, zum ersten Mal seit 1994. Stoudemire stellte am Sonntag einen neuen Knicks-Rekord auf mit dem achten 30+ Punkt-Spiel in Folge. Dass es Stoudemire's zweiter POW Award in Folge und dritte insgesamt gewesen wäre, interessiert mich nicht.

Im Westen wurde Dirk Nowitzki bereits zum zweiten Mal nach Woche 5 zum besten Spieler gewählt. Die Werte des langen Deutschen waren an sich nichts Besonderes: 25.7 Punkte, 9 Rebounds, 2.3 Assists. Die Trefferquote aus dem Feld lag bei überirdischen 70 Prozent. Von der Linie (79%) hingegen setzte Dirkules die für seine Verhältnisse schwache Saison fort. Rein statistikmässig waren andere Akteure besser im Westen. Zum Beispiel Deron Williams (28.5 Pts/8.8 Ast), Eric Gordon (26.5 Pts/4.5 Ast), Zach Randolph (23 Pts, 14.7 Reb), Kevin Durant (27.3 Pts/7 Reb) oder der immer noch ohnmächtige Kevin Love (26.3 Punkte, 17.3 Rebounds, 2.5 Dreier), der wohl selbst bei einem 35/20 Schnitt keine Berücksichtigung finden würde, da er bei den Minnesota Timberwolves spielt - einer Mannschaft, die viele NBA-Experten immer noch für ein Eishockey-Team halten. Es zählt eben leider nur noch die Teambilanz in der heutigen auf Hochglanz polierten NBA-Welt. Da kannste als Spieler dich noch so abrackern. Und da Dallas eben als einziges Team im Westen eine 4-0 Woche runterspulte, fiel die Wahl logischerweise auf Dirk. Schön für Nowitzki und die Mavs-Fans in diesem Universum. Nur wirklich in Ordnung ist das nicht. Whatever...

12 Dezember 2010

Detroit Pissed-Ons


Das Thema ist an sich schon dermassen deprimierend, dass eine Situationsanalyse nur nach eingehender Betäubung der Grosshirnrinde mit 1 bis 3 Flaschen Armagnac überhaupt möglich wird. Zur Sache...

Die Pistons stinken zum Himmel. 10 der letzten 12 Partien verloren, insgesamt schon 18 Niederlagen in nur 25 Saisonspielen und eine 0-12 Balance gegen Teams mit ausgeglichener Bilanz sind nur einige der Depressionen auslösenden Pistons-Werte in '10/11. Weitere Lowlights:

Platz 24 bei den Assists (19 pro Spiel)
Platz 25 bei den Steals (6.4)
Platz 26 bei der Offense (94 Punkte pro Partie)
Platz 27 bei der gegnerischen Trefferquote (48%)
Platz 30 bei den Rebounds (38.8)


Spätestens hier würde sich jeder Detroit-Fan (der ich zum Glück keiner bin) einen Strick wickeln, denn es wird schnell klar: die Defizite sind nicht nur punktuell, sondern ziehen sich wie ein roter Faden durch Offensive und Defensive gleichermassen. Weitaus schlimmer aber als die horrenden Statistiken in der laufenden Saison ist die Gesamtsituation in Detroit und der triste Ausblick für die kommenden Jahre.

Die Hauptprobleme fangen ganz oben an. Der angekündigte Kauf des Vereins durch Sport-Mogul Mike Ilitch zieht sich entgegen aller Erwartungen viel länger hin als zunächst angenommen und soll nun frühestens im März vollzogen werden - nicht wie ursprünglich geplant noch in diesem Jahr. Das hat zur Folge, das eine Art Winterstarre die komplette Franchise lahm gelegt hat. Die Witwe des 2009 verstorbenen Ex-Besitzers William Davidson pumpt keinen Cent mehr in das Team. Als Folge dessen dürfen auch keine Trades oder weitere Spielerakquisitionen erwartet werden, wahrscheinlich bis zum Sommer. General Manager Joe Dumars vollbringt seine Arbeitstage denn auch wie jemand, der durch seinen Obrigen vorerst keine Evaluation zu befürchten hat und keinerlei Konsequenzen für sein (Nicht-) Handeln: er stempelt jeden Morgen an, und stempelt abends beim Heimgehen wieder ab. Keine Telefonanrufe, keine Tradegespräche, kaum Kontakt zum Team, keine Deals. Auf die Frage, ob er denn imminente Wechselszenarien für einige seiner hochbezahlten Veteranen preisgeben könnte, antwortete Dumars ungewohnt gleichgültig: "Es ist nichts geplant." Dumars hat nach dem dritten und letzten Titelgewinn 2004 eindeutig versäumt, die Mannschaft für die Übergangsphase vorzubereiten. So hoch seine Qualitäten als Architekt des Titelteams auch anerkannt werden müssen: seither war jede seiner Personalentscheidungen ein beherzter Griff ins Klo - zum Teil bis zur Schulter hoch.

Dementsprechend sieht heutzutage der Kader aus. Oder doch eher Rumpfmannschaft ? Kaum ein anderes Team ligaweit ist schlechter zusammengestellt als die Detroit Pistons. Und keins schlechter aufgestellt auf dem Platz. Obwohl die Kolben eine ganze Reihe junger Spieler in ihren Reihen haben, die zum Teil mit hohen Verträgen ausgestattet (Ben Gordon, Charlie Villanueva) oder hoch im Draft gezogen wurden (Daye, Monroe), steht nur ein Aktuer unter 27 Jahren in der Starting Lineup: Rodney Stuckey (24). Ansonsten setzt der völlig überforderte und inkompetente Head Coach John Kuester beim Griff nach der goldenen Klobürste lieber auf Alt-Möchtegern-Stars wie Tayshaun Prince, Rip Hamilton oder Ben Wallace. Alle drei sind von ihrer Meisterform aber weiter entfernt als Minnesota von einem Playoff-Platz. Und zusätzlich dem Mannschaftserfolg nicht zuträglich. Unter den 5 effizientesten +/- Lineups der aktuellen Pistons-Saison taucht keiner der drei Ex-Allstars auf:


Worauf ich hinauswill, ist denke ich milchglasklar: nur über die Youngster kann Detroit den Weg in die Erfolgsspur zurück finden. Dass nicht jeder einzelne der angesammelten jungen Spieler langfristig ins Konzept passt, liegt in der Natur der Sache. Aber ohne verschiedenste Lineups und Kombinationen auf dem Platz auszuprobieren, sabotiert Detroit seine eigene Zukunft. Wieso Ben Gordon weniger Spielzeit erhält als Rip Hamilton, wissen nur Kuester und Dumars. Der Maskenmann spielt seine schlechteste Profisaison überhaupt, trifft nur 41% seiner Wurfversuche und erzielt magere 13 Pünktchen im Schnitt - darf aber dennoch fast 30 Minuten pro Spiel ranklotzen. Das Argument, man wolle Hamilton für einen möglichen Trade vorzeigen, kann aus obig angesprochenem Grund nicht ziehen, denn ohne neuen Besitzer keine neuen Trades. Auch Tayshaun Prince sollte schleunigst abgestossen werden. Seine PER36 Werte sind in etwa so interessant wie eine weisse Wand (15 Pts, 5 Reb, 2 Ast). Seine Defense gleicht heutzutage mehr dem spanischen Stierkampf, und sein einziger Mehrwert liegt für die Pistons eigentlich nur noch in seinem auslaufenden 11 Mio $ Vertrag. Es ist offensichtlich, dass sowohl Hamilton wie auch Prince geistig mit Detroit schon längst abgeschlossen haben. Ihre Produktivität, Körpersprache und Vorbildfunktion lässt alles zu wünschen übrig.

Coach John Kuester, ein ehemaliger Offensiv-Koordinator unter Larry Brown, der seines Zeichens für die schlechteste Offensive der Liga verantwortlich war und nur durch Zufall und Vitamin B (Connections) überhaupt eine Cheftrainerstelle ergattern konnte, war bisher in seiner Karriere weder erfolgreich noch besonders kreativ. Seine Wechselspielchen sind verwirrender als das verrückte Labyrinth, ein klarer Plan oder wenigstens eine Richtung sind überhaupt nicht erkennbar. So spielen talentierte Nachwuchsspieler wie Rookie-Center Greg Monroe mal 35 Minuten, mal mickrige 15. Small Forward Austin Daye, der im letzten Jahr durchaus positive Ansätze zeigte dank seines abwechslungsreichen Skillsets, kommt im Dezember bisher auf weniger als 10 Minuten im Schnitt. Dafür darf 'Knee-Mac' Tracy McGrady immer länger ran. Gut zu wissen, wo bei Kuester die Prioritäten liegen.

Aus der aktuell unheilbaren Krankheit, auch bekannt als Pistons-Lineup, erscheinen mir Akteure wie Gordon, Stuckey, Jonas Jerebko, Monroe, Daye, Villanueva und Will Bynum als potentiell keeper-würdig, also für das Team der Zukunft geeignet. Potentiell, wie gesagt. Das aber beinhaltet genaueste Analysen unter allen erdenklichen Team-Building Aspekten. Wieso man in Detroit - gerade weil man ja unter der aktuellen Besitzerhierarchie nichts zu befürchten hat - nicht wenigstens ansatzweise in diese Richtung denken will, entbehrt jeglicher Logik. Viel schlechter kann die Bilanz auch ohne Rip, Tay, Big Ben & co. nicht mehr ausfallen. Der Gewinn für die kommenden Jahre aber wäre Gold wert. Im Oktober hatte ich im Zuge der Jerebko-Verletzung noch folgendes geschrieben:

"...Im Idealfall besinnt sich Pistons-Coach Kuester auf das langfristige Ziel und räumt seinen beiden Youngstern Greg Monroe (20 Jahre) und Austin Daye (22) so viel Spielzeit wie nur irgend möglich ein. Das sollen natürlich keine 40 Minuten pro Spiel sein, aber ins eiskalte NBA-Wasser darf man die Rooks/Sophs schon ab und an mal werfen. Sie sollten Fehler machen und hinzu lernen dürfen, so viel und oft wie es eben nur geht. Das wird auf lange Sicht Früchte tragen. In dieser Situation mit Veteranen wie Wallace (36), Wilcox (28) oder Maxiell (27) Vorlieb zu nehmen, wäre der verkehrte Weg, denn Detroit wird in diesem Jahr ohnehin nichts reissen in der Eastern Conference. Nur wenn man die jungen Spieler fordert und fördert, kann man beim dreimaligen Champion in absehbarer Zeit wieder mit den grossen Fischen im NBA-Teich mitschwimmen."

Dumars, Kuester und co. sind meinem Aufruf damals ganz offensichtlich nicht gefolgt. Schade für sie. Nun läuft alles auf eine katastrophale Saison in Motor-City hinaus, mit dem dann wohl unabwendbaren Schicksal für das inkompetente Führungs-Duo spätestens im Sommer 2011: neuer Besitzer, neue Philosophie, und ganz viel Freizeit für die Strippenzieher der Pissed-Ons Version 2010/11. Für Detroit kann der Moment nicht schnell genug kommen...