12 Oktober 2010


Noch knapp zwei Wochen bis zum Saison-Beginn, und Thunder-Coach Scott Brooks hat sich noch immer nicht zu einem klaren Starter auf seiner Shooting-Guard Position bekannt. Thabo Sefolosha und James Harden stehen weiterhin in hartem Konkurrenzkampf, messen sich im Training und buhlen in Testspielen (so wie gerade gegen die Grizzlies) um die Gunst ihres Cheftrainers. Der überlegt derweil noch: hau ich Thabo oder J-Hard in die Starting Five ?

Brooks hat einen Luxus, um den ihn andere Coaches beneiden, denn beide Spieler bringen zwei völlig unterschiedliche Dimensionen. Je nach Spielsituation und taktischer Notwendigkeit kann Coach so den Spieler aufrufen, dessen Skillset das Team gerade am dringendsten benötigt.

Sefolosha ist der Verteidigungsspezialist, ein irre langer 2,01m Guard mit Go-Go-Gadgeto-Armen und einem unermüdlichen Motor. Der Schweizer verteidigt immer wieder den besten Perimeter-Spieler des Gegners - die Wades, Kobes und Lebrons - und trifft damit den Nerv der Zeit in Oklahoma City (letzte Saison eines der besten Defensiv-Teams ligaweit, 3. im Rebounding, 1. bei den Blocks). Sefolosha absolvierte alle 82 Spiele von Beginn an und wurde am Ende ins All-Defensive 2nd Team gewählt. Nicht nur der Coach liebt seine Zähigkeit an hinteren Ende des Spielfeldes. Vorne sieht's dafür düster aus. Sefolosha liebt Backsteine, vor allem wenn er offene Würfe bekommt. Trotz eines Karriere"hochs" bei der Trefferquote (44%) und bei den versuchten Dreiern (131) kamen dabei nicht mehr als 6 Punkte im Schnitt herum.

Harden ist der weitaus talentierte Offensivspieler, zeigte schon als Rookie mit 10 Punkten pro Spiel sein vorhandenes Potential und wird sich in dieser Spielzeit bestimmt noch weiter verbessern. Der ehemalige Arizona State Sun Devil gehört zu den drei besten Angreifern seines Teams. Auch in der Defensive arbeitete J-Hard im Sommer ganz eifrig, um den Anforderungen von Coach Brooks gerecht zu werden, der von seinem Sophomore bessere Verteidigungsarbeit erwartet.

Allein daran kann man eigentlich schon festmachen, wie sich dieses Position Battle entwickeln wird. Sefolosha wird angesichts seiner Defensiv-Qualitäten der Vorzug erhalten vor Harden, der als primärer Scorer in der zweiten Thunder-Einheit weiterhin NBA-Erfahrung sammeln kann (besser als an der Seite von Durant, Westbrook und Green, weil kaum Ballbesitz), ehe er dann, voraussichtlich schon im nächsten Jahr, in die Startformation rückt. Einen 3. Pick im Draft verschwendet man nämlich nicht auf einen Bankspieler.

In der Preseason durfte Sefolosha übrigens in zwei der drei Partien bisher von Beginn an ran, die erste musste er wegen Krankheit aussetzen. Harden kam jeweils von der Bank, überzeugte aber bisher als bester Thunder-Testspiel-Punktesammler mit 17.7 im Schnitt. Besonders beeindruckend: weder Harden noch Sefolosha fordern einen Startplatz. Beide fügen sich vollkommen ins Teamkonzept und haben nur eines im Sinn: der Mannschaft auf dem Platz zum Siegen verhelfen, egal ob von Beginn an oder von der Bank als Backup.