02 Oktober 2010


Schön, wenn wir Dinge über uns erfahren, die wir selbst nicht gewusst haben. Zum Beispiel, das wir alle Rassisten sind.

Dass wir 'The Decision', jene stupide stundenlange Farce auf ESPN, als Lebron James ankündigte, dass er seine Talente mit in den Süden nehmen werde, nicht aufgrund ihres narzisstischen, abgekarteten, selbstverherrlichenden Untertons erbärmlich fanden. Sondern dass wir
Lebron James und die Art, wie er sein altes Team im Stich ließ, um als Ringhure bei Dwyane Wade in Miami anzuheuern, aus einem einzigen Grund kritisierten: wegen seiner Hautfarbe.

Davon sind zumindest James und sein Chef-Arsch-Abwischer Maverick Carter überzeugt, die jüngst in einem CNN-Interview genau das zu Protokoll gaben: die schwarze Hautfarbe sei Schuld daran, dass 'The Decision' in den Medien derart negativ porträtiert wurde und somit gleichzeitig der Verursacher des massiven Lebron-Imageverlustes in diesem Sommer.

Erstaunlich, wie sich 'Team James' mit jedem neuen öffentlichen Auftritt selbst karikiert. Angeführt von jenem Dummbeutel Maverick Carter, einem arbeitslosen High-School Abbrecher, der von Lebron ohne jegliche Branchenerfahrung zum Chef seiner Marketing-Firma LRMR auserkoren wurde, besticht die 'Equipe LePlanlos' immer wieder durch ihr grenzenlose Beschränktheit. In nur wenigen Monaten die jahrelange Arbeit von McDonalds, Nike und co. (die mit viel Aufwand die Marke Lebron überhaupt erst zum globalen Multi-Millionen-Dollar Unternehmen hochzüchteten) zunichte gemacht zu haben, ist schon eine Kunst für sich. Lebron James fiel (in den USA) vom beliebtesten Sportler weltweit unter die 6 meist gehassten. Darin liegt das Hauptproblem: Carter & co. verstehen sich selbst als bahnbrechende Geschäftsmänner und sind davon überzeugt, mit ihren Ideen den Markt zu revolutionieren, greifen aber immer wieder ins Klo. Sie umgeben sich gerne mit den Warren Buffets dieser Welt und halten sich für Muhammad Ali, der seinerzeit ein ganzes Land und das bestehende Establishment darin zum Wanken brachte und nachhaltige politische Veränderungen erwirkte. Oder für John Carlos und Tommie Smith.

Von deren Einfluss und gesellschaftlicher Relevanz ist der Kindergarten um James aber fast so weit entfernt wie von einem Hauch gesundem Menschenverstand. Anstatt endlich offen und ehrlich zuzugeben, dass 'The Decision' aus allen Richtungen betrachtet (menschlich, ethisch, marketingstrategisch) ein absolutes Desaster war, wird der uralte Topf von der Hautfarbe wieder aufgewärmt. Ja, Rassismus existiert immer noch, weltweit. Als Fremder im eigenen Land, als nicht hier Geborener muss auch ich das hin und wieder feststellen. Aber all das hatte nicht das Geringste zu tun mit der Ablehnung, mit der wir alle auf James' Entscheidung reagierten. Nichts mit den Tausenden von Gegenreaktionen, den Protesten von Menschen weltweit, die sich verarscht fühlten und zusehen mussten, wie ihr Sport von diesen Vollidioten gekapert und zur eigenen Selbstinszenierung missbraucht wurde.

Wir alle hassten 'The Decision' aus allen richtigen Gründen: weil es stupide war. Dumm. Einfältig. Deplaziert. Egoistisch. Überflüssig. Weil wir Divas hassen, die sich selbst für wichtiger nehmen als Basketball an sich, die glauben, ihr Talent und ihr Reichtum rechtfertigten jede noch so debile Gefühlsäusserung, ohne für die Konsequenzen gerade stehen zu müssen. Nein, James' Hautfarbe hatte mit unserer Auffassung absolut gar nichts zu tun.

Das CNN-Interview wäre eine ideale Gelegenheit gewesen für Lebron & co., endlich Klartext zu reden, sich vielleicht sogar zu entschuldigen für die Art und Weise, wie alles über die Bühne gegangen ist. Natürlich nicht für den Teamwechsel als Free Agent. Denn wo James spielt, ob in Cleveland oder Miami, ist im Endeffekt scheissegal. Aber das Opfer-Lamm zu mimen, andere dafür verantwortlich machen zu wollen, dass man einen 'epic fail' nach dem anderen produziert, ist absolut jämmerlich. Andererseits: was hätte man von James/Carter, den selbst ernannten Königinnen des Basketball-Entertainment, auch anderes erwarten sollen ?

Es wäre erquickend, wenn Lebron James zur Abwechslung mal die Schnauze halten und sich aufs Basketball spielen konzentrieren würde. Und zwar ausschließlich. Für alles andere fehlt diesem hochbegabten Basketball-Roboter offensichtlich die nötige Portion Kleinhirn. Und das wird wohl auch immer so bleiben, ganz egal ob schwarz, weiss, gelb, rot, blau...