06 Oktober 2010


Schock für die Detroit Pistons: ihre Sophomore-Sensation Jonas Jerebko riss sich gestern Abend im ersten Viertel der ersten Preseason-Partie gegen Miami die Achillessehne und fällt mindestens fünf bis sechs Monate aus. Die kommenden Saison ist für den jungen Schweden somit beendet, bevor sie überhaupt begonnen hat.

Jerebko erlitt die Verletzung beim harten Drive zum Korb, als er irgendwo zwischen den beiden Heat-Brocken Udonis Haslem und Joel Anthony landete/eingeklemmt wurde. Er wird am Freitag operiert und startet dann seinen langen, beschwerlichen Reha-Weg. Wenngleich nach einer Achillessehnen-Verletzung (im Gegensatz zu Knie- oder Schultergeschichten) keinerlei Langzeitkomplikationen zu erwarten sind, und junge Körper zudem beeindruckend schnell verheilen, tut Jerebko's Verlust dennoch weh.

Zum einen, weil der 23-jährige während seiner starken Rookie-Saison (9 Pts, 6 Reb, 1 Stl pro Partie, All-Rookie Second Team) zu den wenigen Lichtblicken in der Motor City gehörte. In dieser Spielzeit sollte ihm der traditionelle grosse Satz nach vorne gelingen, wie ihn viele NBA-Sophomores erleben. Jerebko war als Starter auf der Power Forward Position so gut wie gesetzt, begann auch die gestrige Partie gegen Miami an der Seite von Ben Wallace unter den Körben. Für seine persönliche Entwicklung auf der Platte ist ein verlorenes Jahr natürlich ein Riesen-Rückschritt. Seine harte Defensiv-Arbeit, unbändige Energie und infektiöse Einsatzbereitschaft wird den Pistons Abend für Abend fehlen, und da wären wir schon beim zweiten Punkt: den teaminternen Auswirkungen.

Die Frontcourt-Rotation der Kolben wird durch den Ausfall des Schweden natürlich sensibel durcheinander gewirbelt. Charlie Villanueva wird wohl oder übel in die Startformation rücken, obwohl der in der zweiten Einheit besser aufgehoben wäre. Durch ihn in der ersten Fünf gewinnt Detroit in der Offensive zwar einiges an Firepower hinzu, büsst hinten aber alles wieder ein. CV kann nämlich ums Verrecken nicht auf NBA-Niveau verteidigen, Vierer schon zwei mal nicht. Als Ersatz stehen dann noch Chris Wilcox und Jason Maxiell bereit. Beide kamen in ihrer bisherigen Karriere aber nur auf ca. 20 Minuten Einsatzzeit pro Spiel - und das nicht von ungefähr. Sowohl Wilcox als auch Maxiell foulen zu oft, haben Probleme, das Pick'n'Roll effektiv zu verteidigen und lassen hin und wieder den nötigen Fokus vermissen. Offensiv stehen beide ihrem Teamkollegen 'Big Ben' Wallace näher als einem Karl Malone oder Hakeem Olajuwon.

Im Idealfall besinnt sich Pistons-Coach Kuester auf das langfristige Ziel und räumt seinen beiden Youngstern Greg Monroe (20 Jahre) und Austin Daye (22) so viel Spielzeit wie nur irgend möglich ein. Das sollen natürlich keine 40 Minuten pro Spiel sein, aber ins eiskalte NBA-Wasser darf man die Rooks/Sophs schon ab und an mal werfen. Sie sollten Fehler machen und hinzu lernen dürfen, so viel und oft wie es eben nur geht. Das wird auf lange Sicht Früchte tragen. In dieser Situation mit Veteranen wie Wallace (36), Wilcox (28) oder Maxiell (27) Vorlieb zu nehmen, wäre der verkehrte Weg, denn Detroit wird in diesem Jahr ohnehin nichts reissen in der Eastern Conference. Nur wenn man die jungen Spieler fordert und fördert, kann man beim dreimaligen Champion in absehbarer Zeit wieder mit den grossen Fischen im NBA-Teich mitschwimmen.