05 Oktober 2010



Wie der ein oder andere sicher schon mitbekommen hatte, sah die Zukunft der Pistons in Detroit nicht gerade rosig aus. Eine Mischung aus jüngster sportlicher Erfolgslosigkeit (nur 66 Siege in den letzten beiden Jahren), Personalveränderungen auf höchster Ebene (der bisherige Besitzer William Davidson verstarb im März 2009, seine Frau Karen übernahm das Team) und der immer noch anhaltende wirtschaftliche Absturz der ehemaligen Autostadt hatten eine Art Panikstimmung in Motown bewirkt. Man sah sich im letzten Jahr mit dem Supergau-Szenario á la Seattle konfrontiert: ein neuer Besitzer kauft den maroden Verein auf und zieht damit in eine andere Stadt. Sogar Las Vegas war vor einigen Monaten als neue Adresse im Gespräch. So etwas tut natürlich weh.

Alle Spekulationen haben nun aber ein Ende, und Detroiter Basketball-Fans können befreit aufatmen, denn die Franchise bleibt genau dort, wo sie ist und (fast) immer schon war: in Detroit, Michigan. Als neuer Käufer steht nämlich der Multimilliardär und Sportmogul Mike Ilitch fest - ein jugoslawischer Einwanderer, der seit seiner Jugend in Detroit lebt. Der Gründer der Restaurant-Kette Little Caesar's (erste Pizza-Fast-Food-Kette weltweit, 1959) hat den ein oder anderen Dollar locker in der Tasche sitzen und investiert das vorhandene Kleingeld leidenschaftlich gerne in professionelle Sportvereine. In Detroit gehören oder gehörten ihm schon die Tigers (Baseball), Caesars (Softball), Rockers (Arena-Football) und natürlich sein Lieblingskind, die Red Wings (Eishockey). Die hatte Ilitch 1982 als Lachnummer der Liga aufgekauft und zum erfolgreichsten Verein der letzten zwei Dekaden ummodelliert - inklusive vier Stanley Cup Titeln und 19 Playoff-Teilnahmen in Folge.

Mit einer ähnlichen Aschenputtel-Geschichte liebäugeln auch die Pistons, die irgendwann vor dem Start der regulären Saison Ende Oktober übernommen werden sollen. Der Kaufpreis wird irgendwo zwischen 400 und 500 Millionen US-Dollar liegen. Den zahlt der 81-jährige Ilitch natürlich aus seinem Ausgeh-Portemonnaie. Ilitch wird durch den Kauf zum einzigen Besitzer weltweit, der in drei der vier grossen amerikanischen Sportarten (NBA, NFL, MLB, NHL) eine Franchise kontrolliert.

Ilitch plant auch den Neubau einer neuen Multifunktionsarena in Downtown Detroit - die dann den abgewirtschafteten Stadtkern neu beleben soll. Auch die neue Halle wird - je nach Zuschuss der Stadt zu Teilen oder in Gänze - vom Grossunternehmer finanziert. Der gab als Hauptgrund für seine Bewerbung einen Satz an, den Detroiter mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen haben werden: er will den Verein kaufen, damit ihn niemand sonst bekommt und damit aus der Stadt zieht. Perfekt.

Das zeichnet Ilitch wohl am meisten aus: er ist ein lokal sehr verbundener, waschechter Detroiter, der halt zufällig ein echter Sportnarr ist (spielte früher selbst professionell Baseball in Detroit) und dazu noch ein paar extra Penunzen im Sparstrump gebunkert hat. Seine Mannschaften finanziert er stets großzügig, lässt seine Angestellten aber trotzdem immer ihre Arbeit machen, ohne sich je einzumischen - der pefekte Team-Besitzer, keine Frage. Da kommt es nicht von ungefähr, dass seine bisherigen Projekte eine sportliche Renaissance erlebten. Für die Pistons scheint irgendwo zwischen den dunklen Wolken der Gegenwart wieder ein wenig Sonne durch. Ownership-mässig hätte es nicht besser kommen können.