07 Oktober 2010


Hedo Turkoglu stank letzte Saison zum Himmel. Seine miserable Punkteausbeute (11.3 pro Spiel) wurde nur von der noch lausigeren Trefferquote unterboten. 40 Prozent aus dem Feld - so schlecht hatte der "türkische Michael Jordan" noch nie gezielt.

Obwohl er als Free Agent mit vielen Vorschusslorbeeren (und einem 53 Mio $ Vertrag) von Orlando nach Toronto gewechselt war, blieb er den Nachweis seiner Klasse die gesamte Saison über schuldig. Nichts zu sehen von dem starken Point Forward aus Orlando Magic-Tagen. Nicht mal ansatzweise die Form von 2008/09 erreicht, als der Türke nach 19.5 Punkten, 5.7 Rebounds und 5 Assists in 82 Partien zum Most Improved Player der Saison gekürt wurde. Mit Turk an der Seite von Chris Bosh wollten die Raptors zu einem Contender im Osten werden. Man erreichte nicht einmal die Playoffs.

Ein Hauptschuldiger ward schnell gefunden: Hedo Turkoglu. Zu faul. Zu untrainiert. Ständig am nörgeln, unzufrieden mit seiner Rolle im Team und seinem mangelnden Ballbesitz. Seine Playmaker-Qualitäten konnte der 31-jährige im Spielsystem der Dinos nie unter Beweis stellen. Die Set Plays liefen ausschließlich über Jarrett Jack und Jose Calderon. Nach nur einer Saison entschieden sich die Verantwortlichen in Kanada, dass Turkoglu-Experiment zu beenden und schipperten ihn (sehr zur Freude aller Raptors-Fans im Land) im Tausch für Leandro Barbosa nach Phoenix.

Dort soll der Türke die vakante Position des Power Forwards neu besetzen. Zwar wird Turkoglu defensiv so seine Probleme bekommen gegen die Nowitzkis, Gasols und Duncans der Western Conference. In der Offensive dürfte der 2,08m Forward jedoch eine Renaissance erleben. Im hochoktanigen Angriffsspiel der Suns werden für ihn Wurfmöglichkeiten en masse abfallen. Steve Nash hat schon weitaus untalentierteren Spielern dazu verholfen, aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen (Channing Frye ?!). Für einen offensiv versierten Big Man, noch dazu mit Turk's Spielverständnis und Passgenauigkeit ausgestattet, ist der Gameplan der Sonnen das perfekte Szenario.

Der Nezugang des Suns hat bereits angedeutet, dass ihm viel an einer Rückkehr zu alter Form liegt. Er wollte unbedingt nach Phoenix, liess Geld auf dem Tisch liegen, um aus Toronto weg zu können, wo er zu keinem Zeitpunkt glücklich war. Das scheint im Tal der Sonne anders zu sein. Er widmete sein Sommertraining der Verbesserung seiner Kondition und der Verteidigung unter den Körben. Er arbeitete hart mit den Physiotherapeuten der Suns zusammen, die zu den besten im Business gehören - allen voran Aaron Nelson. Der wird schon dafür sorgen, dass so etwas vor einem Spiel nicht mehr vorkommt.

Turkoglu scheint hochmotiviert und wittert seine neue Chance. Obwohl 20/6/5, die Werte aus seiner bisher besten Saison, auf den ersten Blick unerreichbar anmuten, erscheinen doch 6-7 Rebounds, 5 Assists und 17 Punkte im Schnitt angesichts des hohen Suns-Tempos und seiner neuen Position unter den Körben durchaus realistisch.