04 Oktober 2010


Ab Ende Oktober erwartet uns die neue NBA-Saison, und mit ihr wird auch die alte Basketball-Rivalität im südlichsten Bundesstaat der USA neu aufgewärmt. Wenn in Zukunft die Miami Heat auf ihre In-State Rivalen Orlando Magic treffen, wird es noch heisser als sonst.

Seit Lebron James und Chris Bosh beschlossen haben, mit Dwyane Wade in Miami gemeinsame Sache zu machen, fühlt sich das in den vergangenen Jahren erfolgreichere Team aus Orlando in seiner staatlichen Vorherrschaft bedroht. Obwohl die Magic bereits zwei Mal die Eastern Conference gewinnen konnten (1994 und 2009), sprang bisher noch kein Meistertitel bei rum. Das erklärte Ziel wird in den nächsten Jahren dank der Wiederauferstehung der Heat (nur ca. 3 Stunden Autofahrt über den Highway 95) nicht einfacher zu erreichen sein. Miami hat immerhin schon einen Titel in der Tasche (2006). Acht oder mehr weitere sollen in den nächsten Jahren folgen.

Neben den bevorstehenden Duellen auf dem Platz sorgen vor allem die vielen Nebenschauplätze, Nicklichkeiten hinter den Kulissen und verbalen Tiefschläge schon jetzt für extra viel Pfeffer in diesem wieder faszinierenden Nachbarschaftsstreit. Da ist zunächst mal die besonders heikle Beziehung zwischen Heat-Präsident Pat Riley und Magic-Coach Stan van Gundy. Beide haben früher zusammen gearbeitet, in Miami. Van Gundy hatte 1995 als Assistant Coach unter Riley angefangen, das Team 2003 übernommen und innerhalb kürzester Zeit zum Powerhouse im Osten geformt. Dann wurde er im Dezember 2005 von Riley gegangen, der sich selbst zum Cheftrainer ernannte und mit Miami wenige Monate später die Meisterschaft gewann. Die Lorbeeren heimste der gerissene Riles selbstverständlich ganz alleine ein. Dass van Gundy in diesem Sommer über die Formierung der neuen Supermacht weiter südlich nicht wirklich begeistert war, leuchtet ein. So nannte er dann Chris Bosh prompt "Wade's Schoßhündchen". Pat Riley feuerte sofort zurück und kritisierte alle Kritiker seines Teams aufs Schärfste. Ihr Fett weg bekamen viele, allen voran aber SVG und Magic-GM Otis Smith, der sich über Lebron James' Wechsel negativ geäussert hatte.

Smith, ein ehemaliger NBA-Profi (1986-92) stimmte die gleiche Tonleiter an wie seine Konkurrenten von damals - Charles Barkley, Michael Jordan, Magic Johnson und Dominique Wilkins. Grundton: wäre James ein echter 'competitor', ein Wettkämpfer, dann wäre er wohl nicht zu Wade ins Team gewechselt. Ohnehin scheint auch Smith kein Fan der neuen Heat zu sein. Er respektiere sie zwar, so der Manager, weil sie "jetzt 3 gute Spieler" haben." Er selbst aber habe 12 davon im Team und müsse sich bestimmt nicht vor Miami verstecken. Smith ist überzeugt davon, dass sich andere Mannschaften an Orlando anpassen müssen, nicht umgekehrt.

Riley präsentierte sich in der Öffentlichkeit enttäuscht und gekränkt ob der mangelnden Zuneigung, die ihm da aus Orlando entgegenwehte. Der Heat-Mäzen schoss scharf in Richtung Smith zurück, und belächelte dessen Kritik als simple Meinungskopie, anmassend und stupide zugleich. Riley: "Ich nehme Anstoß an den Aussagen einiger Individuen in unserem Spiel, die sich urplötzlich zur obersten moralischen Instanz ob der Personalpolitik anderer Mannschaften aufplustern wollen." Das brachte natürlich gleich wieder den oft sarkastischen SVG auf den Plan: "Smith hat früher in einer anderen Zeit gespielt, eine andere Generation, und damals hätte man so eine Zusammenkunft eben nicht vereinbart. Seine Aussage war also nicht stupide. Es sei denn, man hat eine andere Meinung als Pat Riley, dann ist natürlich alles stupide."

Auch die Athleten sind offensichtlich schon indoktriniert. Während die Heat-Akteure jeglichen Respekt für die Erfolge Orlando's in letzter Zeit vermissen lassen und bereits großspurig eigenen zukünftigen Ruhm versprechen, sind sämtliche Magic-Spieler von Journalisten-Fragen zum Thema 'Miami' nur noch angefressen. Mickael Pietrus etwa meinte: "Wir sind die Orlando Magic. Wenn ihr Fragen zu Miami habt, müsst ihr euch ins Auto setzten und drei Stunden nach Süden fahren. Da ist dann Miami." Der neue Small Forward der Magischen, Quentin Richardson - der letzte Saison noch beim grossen Rivalen spielte - wurde noch einen Ticken deutlicher: "Man, f*** the Heat."

Die bisherigen Duelle sind also nichts im Vergleich zu der Intensität, Härte und Verbissenheit, mit denen künftige Partien zwischen Orlando und Miami ausgetragen werden. Die geografische Nähe und der (realistische) Anspruch beider Mannschaften, den Osten in den NBA-Finals zu vertreten, sowie die vielen persönlichen Agendas schüren geradezu diesen kerngesunden Hass aufeinander. Schön für uns als Fans, denn so dürfen wir uns auf eine heisse, neue alte Rivalität freuen. Wie in den alten Zeiten...

All-Time Bilanz: Miami führt 43-40
Karrierestats gg. ORL:
Wade 29.9 Pts, 5.4 Reb, 6.4 Ast
Bosh 23.2 Pts, 10 Reb, 51% FG
James 28.1 Pts, 7 Reb, 6.4 Ast
Karriere gg. MIA:
Howard 16.5 Pts, 12.1 Reb, 1.7 Blk
Carter 22.4 Pts, 5.4 Reb, 4.3 Ast
Lewis 17.1 Pts, 6.4 Reb, 2.3 Dreier
Duelle '10/11: 22. Okt (Preseason), 29. Okt, 24. Nov, 3. Feb, 3. Mär