04 September 2010


Während die Konkurrenz in diesem Sommer ziemlich hohe Wellen schlug, agierte der Manager der Boston Celtics eher unter der Wasseroberfläche. Mit Taucherbrille und Schnorchel ausgestattet lotste Danny Ainge einen Veteranen nach dem anderen (Jermaine O'Neal, Shaquille O'Neal, Von Wafer) in die irische Stadt an der Ostküste. Nun ist auch noch Delonte West als Free Agent bei dem Team gelandet, wo seine NBA-Karriere vor sechs Jahren begann.

West wurde 2004 von den Celtics an 24. Stelle gedraftet und spielte drei Jahre lang für die Kleeblätter. Dort hatte er auch seine bisher besten Profisaisons (2005 bis 2007 mit 12 Pts, 3.6 Reb, 4.5 Ast und 1.1 Stl im Schnitt), ehe er im Ray Allen/Glen Davis Deal zusammen mit Wally Szczerbiak/Jeff Green zu den Seattle Supersonics getradet wurde. Kurz darauf landete er bekanntlich in Cleveland, wo er insgesamt zweieinhalb Jahre spielte, ehe er bei den Cavaliers in diesem Sommer nicht mehr ins Rebuilding-Konzept passte. Durch einen weiteren Trade im Juli landete West bei den Timberwolves, die ihn aber für 500000 $ prompt aus seinem Vertrag heraus kauften. So endete der 27-jährige auf dem freien Spielermarkt und schließlich in Boston.

Danny Ainge ist ein grosser West-Fan, schon seit dessen erstem Intermezzo bei Grün. "Ich mag West, er war einer meiner Lieblingsspieler damals. Er ist ein Kämpfer, und er wird uns helfen, zu gewinnen. Er spielt hart und sehr intensiv. Wir haben natürlich ausgiebig recherchiert und mit Delonte und vielen Menschen gesprochen. Das wird alles hinhauen", schien sich Ainge bei der Verpflichtung sicher zu sein.

Das hoffen nun auch die Celtics-Fans. Denn obwohl West Basketball spielen kann, sind seine mentalen Missstände mittlerweile genauestens dokumentiert und allgemein bekannt. Schon häufiger kam der Guard mit dem Gesetz in Konflikt. 2009 schlug er sogar für seine eigenen, verzerrten Maßstäbe komplett über die Strenge, als er auf seinem Can-Am Dreirad fahrend von der Polizei angehalten und kontrolliert wurde. Die Cops fanden insgesamt drei Waffen (eine davon eine Shotgun, die West in bester Hollywood-Manier in einem Gitarrenkoffer auf seinem Rücken transportierte), ein Buschmesser sowie weit über 100 Schuss Munition. Wo West damit hin wollte und was seine genauen Pläne waren, ist unbekannt. Er wollte aber sicherlich nicht nur spielen. Im Endeffekt wurde West zu einer Bewährungsstrafe und 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert, sowie für 10 Spiele von der NBA suspendiert (in effect für die ersten 10 Saisonspiele 2010/11). Ausgerechnet diese Episode und die Tatsache, dass die Polizei ihn vor irgendwelchen folgenschweren Gefühlsausbrüchen aus dem Verkehr gezogen hatte, könnte dem 'Head Case' das Leben und seine Basketballkarriere gerettet haben.

"Ich denke, wir bekommen West zum richtigen Zeitpunkt in seinem Leben", sieht Celtics-Coach Doc Rivers seiner Betreuungsaufgabe schon positiv entgegen. "Er weiss jetzt, wer er ist. Er kann sehr gut Basketball spielen und bringt eine Toughness ins Team, die wir brauchen." In der Tat wird West mit seinem Scoring, seiner Treffsicherheit von draussen und seiner harten Verteidigung genau jene Lücke stopfen können, die der Abgang von Tony Allen in diesem Sommer in den Kader gerissen hat. Die stets delikate Chemie im Team dürfte von West nicht negativ beeinträchtigt werden. Er ist nach wie vor gut mit Rajon Rondo, Paul Pierce und Kendrick Perkins befreundet und sollte von Spielern wie Kevin Garnett, Ray Allen oder Shaquille O'Neal profitieren, die ihm den nötigen emotionalen und sozialen Rückhalt geben können, um in Zukunft auf dem Pfad der guten Tugenden zu bleiben. Das wird wohl auch so hinhauen, denn irgendwann kapieren es auch die ganz Langsamen: es gibt nur wenige "letzte Chancen" im Leben.