07 September 2010


Wer das Privileg hatte, gestern Abend dem Achtelfinalduell zwischen Brasilien und Argentinien beiwohnen zu können, der erlebte ein wahres Freundenfest des Basketballs. Es war eine irrsinnig gute Begegnung, die ab der ersten Minute so hochwertig und spannend geführt wurde, dass man lange überlegen muss, ehe einem ein ähnlich hochklassiges Duell auf internationaler Ebene einfällt.

Zum Ende des 1. Viertels stand es 26-26. Zur Halbzeit führte Brasilien 48-46, nach drei war es wieder ausgeglichen (66-66). Die Würfe fielen hüben wie drüben. Obwohl hart verteidigt wurde, trafen beide Mannschaft weit mehr als die Hälfte ihrer Würfe aus dem Feld (Argentinien 58%, Brasilien 54%). Insgesamt flogen 23 Dreier durch die Reuse (Argentinien 11, Brasilien 12). Marcelo Huertas, der Point Guard der Brasilianer, erzielte 32 Punkte bei 10 von 16 aus dem Feld und liess die Frage offen, weshalb ein korbgefährlicher Spielgestalter wie er eigentlich nicht in der NBA zugange ist. Zu den besten Guards in den europäischen Ligen zählt der 27-jährige jedenfalls schon länger. Carlos Delfino traf allein im ersten Viertel drei von Downtown und hatte am Ende 20 Punkte erzielt. Leandro Barbosa traf sogar 5 Dreier (ebenfalls 20 Punkte). Aber keiner der Stars schien heller an diesem Abend als Luis Scola.

Der argentinische Power Forward in Diensten der Houston Rockets legte vor allem nach der Halbzeit ein Expertengutachten aufs Parkett, wie man es lange nicht mehr gesehen hatte auf FIBA-Ebene. Scola erzielte 37 Punkte (davon 22 in Halbzeit zwei) bei 14 von 20 aus dem Feld, griff sich 9 Rebounds und agierte wie eines dieser Videospiel-Charaktere, die brennende Basketbälle losschleudern und einfach nicht verwerfen können. Die letzten 3 Minuten waren eine einzige One Man Show. Jumpshot aus der Mitteldistanz, butterweich und treffsicher wie Wilhelm Tell zu seinen besten Zeiten. Running Bank Shot vom rechten Ellbogen. Fadeaway Jumpshot von der Freiwurflinie über die ausgestreckten Arme von Anderson Varejao hinweg. Ein Steal hinten gegen Leandro Barbosa, dann im Gegenzug der Todesstoss nach einem Pick-n-Pop, den Scola ca. 25 Sekunden vor Abpfiff wieder mittels langem Jumper vollendete. Ganz zum Schluss dann noch die endgültige Demonstration des Scola-Cheat-Modus an diesem Abend: 1.2 Sekunden vor Ende versenkte der gefoulte Forward zunächst den ersten Freiwurf, versuchte dann den zweiten absichtlich zu verwerfen, um die Uhr auslaufen zu lassen. Keine Chance. Selbst der ging rein. Am Ende hiess es 93-89 für die Gauchos, die übermorgen im Viertelfinale auf Litauen treffen. Die haben zwar bisher noch kein einziges Mal verloren bei dieser WM. Einen Scola in dieser Form (Turnierschnitt bisher: 30.3 Punkte pro Partie, nach FIBA-Regeln wohlgemerkt) musst du aber erstmal gestoppt kriegen. Viel Glück, Litauen...