12 September 2010



Sie nannten sich selbst das 'B-Team', aber aus einem ganz anderem Grund, als vielleicht allgemein angenommen. Während sich die Mehrheit der Basketball-Menschen vor und während der WM noch abwertend über die Chancen des komplett neu formierten Team USA geäussert hatten - sie seien zwar gut aber keineswegs Topfavorit und schon lange nicht zu vergleichen mit der Goldmannschaft von 2008 - nutzte die Mannschaft von Trainer
Mike Krzyzewski das ganze B-Team Palaver als Motivation. "We really were the B-Team", scherzte Andre Iguodala nach dem Endspiel. "We beat everybody".

Durch ein nie gefährdetes 81-64 im Finale gegen den Gastgeber Türkei untermauerten die Amerikaner ihre wieder gewonnene Vormachtstellung im internationalen Basketball. Seit den katastrophalen Auftritten zu Beginn des Milleniums hat Chairman
Jerry Colangelo den alten Misthaufen wieder auf Vordermann gebracht und im dritten Interkontinental-Turnier bereits die zweite Goldmedaille ergattert. Es war der erste Weltmeister-Titel fürs Team USA seit 1994 (damals noch als 'Dream Team 2' unterwegs mit Shaq O'Neal, Alonzo Mourning, Reggie Miller, Shawn Kemp, Steve Smith, Dan Majerle, Dominique Wilkins, Derick Coleman, Kevin Johnson, Larry Johnson, Joe Dumars und Mark Price). Durch den Titelgewinn sind die Amis automatisch auch für die Olympischen Spiele 2012 in London qualifiziert.

Wenn man ehrlich ist, dann war das Turnier ein Speziergang für das 'B-Team', das all seine 9 Partien gewann - mit durchschnittlich 25 Punkten Vorsprung. Das ist in der heutigen Zeit unendlich viel. Das einzige knappe Spiel war das Vorrundenduell gegen Brasilien, in dem Team USA mit 70-68 die Oberhand behielt. Die Duelle der Endrunde entschieden die US-Boys mit 55, 10, 15 und 17 Punkten für sich. Spannend sieht anders aus. Beunruhigend für den Rest der Basketballwelt ist ausserdem die Tatsache, dass (bis auf eine Ausnahme) keiner der 12 besten NBA-Spieler mit an Bord war. Der Talentpool in Nordamerika ist offensichtlich unendlich tief. Da 'USA Basketball' ganz offensichtlich gelernt hat aus den Fehlern der Vergangenheit, sieht's ganz düster aus für die Titelambitionen der Europäer und
Südamerikaner in den nächsten Jahren.

Kevin Durant untermauerte seine ohnehin schon legitimen Ansprüche auf den Titel 'bester Spieler der Welt' mit einem Turnier der Marke 'absolute Extraklasse'. Ganz mutige Vorhersage: KD wird der Überspieler der nächsten 10 Jahre. Extrem hoher Basketball-IQ, das Herz eines Löwen und der Killer-Instinkt eines Skorpions in Kombination mit einer schier unendlichen Wurfweite machen aus dem erst 21-jährigen eine Real-Life Version eines gepimpten Videospiel-Charakters im Cheat-Modus. Der 2,06m Forward erzielte in den letzten drei Partien des Turniers (als es darauf ankam) 33, 38 und 28 Punkte, versenkte insgesamt 15 Dreier, darunter gleich 7 im Finale gegen die Türkei. Das Wurfarsenal des OKC Thunder ist atemberaubend. Mein Paps, mit dem ich zusammen das Finale verfolgte und der ihn noch nie zuvor hatte spielen sehen, fasste sich bei Durant's meist erfolgreichen Offensivaktionen abwechselnd mit rechts und links an den Kopf, weil er nicht glauben konnte, was er da sah. Die Wahl zum 'Most Valuable Player' des Turniers war folglich nichts weiter als eine reine Formalität.

Die NBA-Spieler gaben den Ton an bei diesem Turnier. Nicht nur beim Siegerteam wohlgemerkt, sondern auch in allen anderen Mannschaften. So zum Beispiel auch beim Überraschungszweiten Türkei, wo Hedo Turkoglu und Ersan Ilyasova zum Teil starke Leistungen ablieferten. Acht der zehn besten WM-Korbjäger spielen zur Zeit in der nordamerikanischen Profiliga:


1. Luis Scola (27.1) - Houston
3.
Kevin Durant (22.8) - Oklahoma City
4. Carlos Delfino (20.6) - Milwaukee
5.
Yi Jianlian (20.2) - Washington
6.
Hamed Haddadi (20) - Memphis
7.
Linas Kleiza (19) - Toronto
9.
JJ Barea (16.8) - Dallas
0.
Leandro Barbosa (16.2) - Toronto

Die anderen beiden Topscorer waren ebenfalls schon in der NBA aktiv: der Neuseeländer
Kirk Penney (24.7), der schon in Miami und bei den LA Clippers gespielt hat, sowie der Spanier und Ex-Grizzly Juan-Carlos Navarro (16.9). Bester Rebounder des Turniers war der Chinese Yi Jianlian mit 10.2 im Schnitt. Die meisten Assists legte Scola's kongenialer Pick'n'Roll Partner Pablo Prigioni auf (6.4). Das All-Tournament Team besteht aus Durant, Scola, Kleiza, Turkoglu und Milos Teodosic.

Über das komplett enttäuschende deutsche Team muss man übrigens keine vielen Worte verlieren. Was wieder einmal deutlich wurde: ohne One-Man Army Dirk Nowitzki ist und bleibt Deutschland international eine Lachnummer. Die viel zitierte, oft prognostizierte glorreiche Zukunft des deutschen Basketballs - sie existiert wohl nur in den Köpfen der Träumer und Fantasten. Auf dem Parkett jedenfalls ward sie nicht gesichtet. Wer so erbärmlich, uninspiriert und herzlos agiert und seine Fans zu Hause derart enttäuscht, der hat nun wahrlich keine Blog-Liebe verdient. Dann schon eher Angola...