27 September 2010


Regeländerung in der NBA: exzessives Quengeln, Jammern und Gestikulieren seitens der Spieler wird ab der kommenden Saison mit technischen Fouls bestraft. Die Liga hat neue, härtere Schritte angekündigt, mit der das konstante und in letzter Zeit angeblich unerträglich gewordene Klagelied der Profis unterbunden werden soll. Wer demnächst also mit dem Gedanken spielt, demonstrativ in die Luft zu schlagen oder ein lautes Ächzen oder Jaulen von sich zu geben, weil der Schiedsrichter den Schlag des Gegners ins Gesicht mal wieder nicht geahndet hat, wird prompt mit einem Technischen Foul gerügt.

"Wir haben das satt", gab NBA-Oberpolizeiwachtmeister Stu Jackson als Grund für die Regeländerung an. "Beschwerden haben in unserem tollen Spiel nichts verloren. Die Akteure sollen sich aufs Spielen konzentrieren." NBA-Angaben zufolge sei die Regeländerung nach sorgfältiger Studie hunderter Stunden Spielmaterial sowie nach marketing-strategischen Gesichtspunkten eruiert worden. So seien vor allem die "unzähligen Fans ausschlaggebend gewesen, die keine jammernden Profis sehen wollen, sondern ein sauberes Basketballspiel."

Zwar sollen emotionale Ausbrüche gestattet werden, aber nur in "minimalstem Ausmass". Keine Ahnung, wie so etwas objektiv bewertet werden soll. Ansonsten gilt:

- aggresives und respektloses Gestikulieren in Richtung Zebras, aber auch weg von den Referees

- Fuchteln mit den Armen, Auf- und Ab-Springen, Klatschen


- in Richtung Refs laufen, um einen Pfiff oder Nicht-Pfiff zu protestieren/verbalisieren


- jegliche Beschwerden, auch in gemässigtem Tonfall


ziehen allesamt ein automatisches technisches Foul nach sich. Gut möglich also, dass wir vor allem zu Beginn der neuen Saison viele Extra-Pfiffe, Freiwürfe und Ejections erleben werden, weil ein Spieler nach dem anderen vom Platz fliegt. Vor allem die Megastars des Sports wie Lebron James, Kobe Bryant, Tim Duncan oder Kevin Garnett sind dafür berüchtigt, immer und immer wieder mit den Schiedsrichtern zu lamentieren und sich so jeden erdenklichen Vorteil zu verschaffen.

Problem einer solchen Regeländerung ist die Subjektivität, die damit einhergeht, und die wieder einmal erweiterten Kompetenzen der Schiedsrichter, die ohnehin schon viel zu stark ins Spielgeschehen eingreifen können. Noch mehr enge, spannende Spiele werden so künftig von den Pfeifen der Zebras entschieden werden, anstatt von den Aktionen der Protagonisten auf dem Platz. Kleines Beispiel gefällig: in Spiel 4 und 5 der Finalserie 2010 zwischen den Boston Celtics und den Los Angeles Lakers wurden insgesamt 5 technische Fouls verhängt. Bei Berücksichtigung des neuen Regelwerks wäre derer Zahl auf insgesamt 33 gestiegen. Gar nicht mal so klein, der Unterschied.

Wer wie Jackson von seinen Sportlern verlangt, in der Crunch-Time eines Playoff-Spiels unter permanenter Muskelanspannung und extrem erhöhtem Adrenalinausstoss eine vermeintlich knifflige Entscheidung mit der Gelassenheit eines erleuchteten buddhistischen Mönchs hinzunehmen, der hat ganz offensichtlich den Sinn eines sportlichen Wettkampfs nicht kapiert.