25 September 2010


Weckruf: Carmelo Anthony ist (immer noch) ein Denver Nugget !

Obwohl der ein oder andere in den letzten Tagen/Wochen bestimmt mit zig Szenarios, fertigen Deals und neuesten Neuigkeiten en masse versorgt wurde - wie sollte man davor auch fliehen können - bleibt die Ausgangssituation die selbe wie noch im Juli. Auf dem Nuggets-Trikot mit der Nummer 15 steht immer noch ANTHONY hinten drauf.

Die ganze Geschichte wird aber zunehmend wirrer und produziert viele wahnsinnige Menschen und noch mehr wahnsinnige News. Melo will weg aus Denver, obwohl er nicht explizit einen Deal verlangt. Sein Camp drängt hinter den Kulissen auf eine schnelle Einigung, aber auch nicht irgendwo hin. Weg ist also nicht gleich weg. Denver will sich nicht unter Druck setzen lassen und Anthony eigentlich behalten, hört sich aber pro forma doch Trade-Angebote anderer Mannschaften an und kommt zu dem Entschluss, seinen Franchise-Spieler vielleicht doch traden zu wollen. Vielleicht aber auch nicht. Alles klar ?

Hier eine Rekapitulation im Schnelldurchlauf: Melo gibt schon vor Monaten bekannt, am liebsten nach New York zu den Knicks wechseln zu wollen. Man spielt diverse Szenarien durch, überlegt, wie genau der All-Star im Big Apple landen könnte. Zu New York gesellt sich dann plötzlich noch Chicago als potentieller Bestimmungsort hinzu. Melo scheint auch gegen einen Deal zu den Bulls keine Einwände zu haben. Sowohl sein Agent wie auch seine Armada aus Beratern, Freunden, Anwälten und Arschkriechern beginnt, Denver vehement unter Druck zu setzen. Ihr Ziel: noch vor dem Beginn des Trainingscamps Ende September eine Einigung zu erzielen und Anthony zu einem neuen Team zu verschiffen.

Doch erste Probleme tauchen auf: nachdem man sich im Management der Nuggets doch dazu durchringt, Angebote anzuhören, klingen die vorgeschlagenen Deals einfach zu mies. Oder aber, Denver hat überzogene Vorstellungen. Man hat es bei den Klumpen auf drei Dinge im Tausch abgesehen: Draft Picks, talentierte Nachwuchsspieler und ein Abschub Anthony's in die Eastern Conference.

New York kann nur zwei Bestimmungen erfüllen. Man bietet ein oder mehrere Pferde aus dem eigenen Nachwuchsstall (Gallinari, Randolph, Chandler), dazu den auslaufenden 11 Mio $ Vertrag des menschlichen Boxsacks Eddy Curry. Draft Picks gibt's in NY seit den Freudentagen eines Isiah Thomas keine mehr. Das passt den Nuggets alles überhaupt nicht. New York ist raus.

Die nächsten Angebote kommen aus Chicago. Was auch immer die Bulls anstellen, Denver reagiert beleidigt, denn alle Vorschläge aus der windigen Stadt lassen einen Spieler vermissen, auf den man es in der Mile High City besonders abgesehen hat: Joakim Noah. Chicago weigert sich vehement, Noah mit einzubeziehen. Kritische Kritiker kritisierend die starre Haltung der Bullen - man könne ja ohnehin nicht Noah, Rose, Boozer und Anthony mit Max-Deals ausstatten - und verweisen zudem auf Noah's Weigerung, die angebotene Vertragsverlängerung (5 Jahre, 57 Mio $) zu unterzeichnen. Das ist Denver natürlich egal denn: kein Noah, kein Carmelo.

Houston wittert seine Chance und offeriert Kevin Martin, x weitere Spieler plus eigene Draft-Picks. Martin ist aber schon 27 Jahre alt, und obwohl er noch vor zwei Jahren einer der gefährlichsten NBA-Scorer war (24.6 Punkte), so ist er doch recht verletzungsanfällig und nicht ganz nach Denver's Geschmack. Blöd für die Rockets, denn die hätten, dank ihres jungen Kaders (8 Spieler, die erst 25 oder jünger sind) und multipler Draft-Picks (zB. den Knicks-Pick 2012 sowie das Recht, 2011 mit New York Picks zu tauschen) an sich gute Karten gehabt, ein interessantes Paket zusammenzustellen. Wenn der Köder-Spieler aber nicht zieht, beisst der Fisch-Verein auch nicht an.

Auch die Los Angeles Clippers werden - eigentlich nur zum Spass - als Zielort für Anthony ins Gespräch gebracht. Ein Paket um
Chris Kaman, Al Farouq-Aminu und Minnesota's Erstrundenpick 2011 (den besitzen die Clippers) dürfte eigentlich interessant genug sein. Denver aber gibt sich amüsiert ("Die Clippers ? Pffff") und legt den iphone-Hörer gleich wieder auf. Ohne Blake Griffin will man sich offensichtlich nicht abspeisen lassen.

Den meisten Medien-Schwung generiert die bombastische Nachricht am Freitag Mittag: Melo wird nach New Jersey zu den Nets getradet. Nicht direkt, sondern als Teil eines komplexen 4-Team Deals, der neben Denver auch noch Charlotte und Utah involviert. Melo also nach NJ, Devin Harris nach Charlotte, Boris Diaw nach Utah, Andrei Kirilenko + Derrick Favors sowie multiple Erstrundenpicks nach DEN.

Obschon für einige Portale der Deal nur wenige Minuten später bereits besiegelt schien, ist in Wirklichkeit noch absolut gar nichts beschlossen. Gerade diese irren Zeiten voreiliger medialer Ejakulation verlangen nach Aufklärung: New Jersey ist an Anthony nur dann interessiert, wenn der All-NBA-Spieler sich auch bereit erklärt, bei den Nets die bereits von Denver angebotete Verlängerung (65 Mio $ für 3 Jahre) zu unterzeichnen (ähnlich wie im Fall Kevin Garnett nach Boston). Nur eine langfristige Zusage macht aus NJ-Sicht Sinn. Alles andere wäre Unfug, denn Spieler wie Harris, Favors und Draft-Picks für eine Saison Carmelo herzuschenken, wäre Selbstmord. Anthony zeigt sich bisher aber nicht wirklich gewillt, in der Brick City verlängern zu wollen und beruft sich auf sein Veto-Recht. Zumal die Mannschaft ohne Favors und Harris deutlich an Qualität verlieren würde. Ein Gerüst aus Lopez, Murphy, Farmar und Travis Outlaw klingt nun wahrlich nicht sehr verlockend. Auch New Jersey hat Bedenken angemeldet und möchte einen weiteren Point Guard abstauben. Potentieller Kandidat wäre DJ Augustin von den Charlotte Bobcats. Auch das ist bisher aber nur Spekulation.

In Colorado weiss man: das Theater um Anthony muss schnellstmöglich zu den Akten gelegt werden. Je mehr man sich 2011 näher, desto tiefer sinkt der Wert der eigenen Melo-Aktie. Favors plus der auslaufende Andrei Kirilenko sowie multiple Draft-Picks sind ein nettes Angebot. Mehr aber auch nicht. Nett eben. Und so verwundert es auch nicht, dass nur einen Tag nach dem angeblich beschlossenen Trade bereits erhebliche Zweifel auf Seiten der Nuggets aufgekommen sind, die den Deal platzen lassen könnten.

Falls der Deal bis Montag nicht von allen vier Mannschaften ratifiziert wird, fällt er jedenfalls wieder unter den Tisch. Und der Wahnsinn geht weiter...