20 September 2010


Der Utah Jazz stockte in den vergangenen Tagen seine Big Band auf und strebt mit einem tieferen Kader harmonische Klänge in der neuen Saison an. Die Veteranen Francisco Elson und Earl Watson verstärken mit sofortiger Wirkung die Lineup und verleihen dem Jazz eine neue Qualität von der Bank.

Francisco Elson
ist mittlerweile 34 Jahre alt und wurde als Backup auf der momentan dünn besetzten Center-Position geholt. Der etatmässige Starter Mehmet Okur erholt sich momentan noch von seiner schweren Verletzung (Achillessehnenriss) und kehrt wohl nicht vor dem neuen Jahr zurück. Nachwuchs-Center Kyrylo Fesenko wurde vertraglich noch immer nicht verlängert, so dass Neuzugang Al Jefferson der momentan einzige Fünfer im Jazz-Kader repräsentiert. Mit Elson erhält Utah einen für sein Alter noch recht fitten Big Man, der punktuell (ca. 10-12 Minuten pro Partie) für Entlastung sorgen und durch seine Treffsicherheit aus der Mitteldistanz die nötigen Räume für das legendäre Pick'n'Roll-Spiel der Sloan-Schützlinge freihalten kann. Seine Karrierwerte sind wenig berauschend (3.9 Pts, 3.8 Reb in 7 NBA-Saisons) - das müssen sie aber auch nicht sein. Elson wird ein wenig im Post agieren, ein paar Rebounds pflücken, den ein oder anderen freien Jumpshot nach einem Deron Williams Assist klatschen - Aufgabe erfüllt.

Noch besser nimmt sich die zweite Verpflichtung der Musikanten aus, die zwar noch nicht offiziell vermeldet, aber dennoch schon in trockenen Tüchern ist: Free Agent PG Earl Watson wird neuer Backup von Deron Williams auf der Eins. Das sind für Jazz-Fans exzellente Neuigkeiten, denn Watson ist ein 'Pass first, second and third' Aufbau, dessen grösste Stärke das traditionelle Spielmachen ist. Watson's Assist-Werte in den letzten vier Jahren: 5.7, 6.8, 5.8 und 5.1 pro Spiel. Somit passt er perfekt ins Utah's Teamkonzept und verspricht keinen allzu grossen Flow-Verlust der Jazz-Offensive, wenn All-NBA PG Deron Williams mal eine Pause braucht. Darüber wird sich vor allem Head Coach Jerry Sloan freuen, liessen doch seine anderen Alternativen auf der Position des Spielgestalters sehr wünschen übrig: Ronnie Price und Sundiata Gaines. Vor allem Price war/ist bekannt für seine offensiven 'Huhn-ohne-Kopf' Darbietungen und wird nach dem Watson-Signing noch seltener als bisher das Parkett betreten. Watson kam vergangenes Jahr als Starter bei den Indiana Pacers auf 7.8 Punkte und 5.1 Assists im Schnitt.

Während die Verpflichtungen von Watson und Elson kaum Bewunderung und Hochachtung auslösen werden, machen beide Akquisitionen aus Jazz-Sicht weitaus mehr Sinn, als zunächst angenommen. Sie verleihen dem Team eine neue Tiefe, wie sie letztes Jahr vor allem in den Playoffs gefehlt hat. Die neuesten Moves bestätigen einmal mehr die durch und durch solide Arbeit des Coach/GM Duos Jerry Sloan/Kevin O'Connor, das seit mittlerweile 10 Jahren zusammen arbeitet. O'Connor lernte zuvor von Jazz-Legende Frank Layden, Sloan coacht das Team aus dem Mormonenstaat nun seit 1988 und ist nach Sir Alex Ferguson (Manchester United, 1986) der sportartenübergreifend am zweitlängsten amtierende Trainer der Welt. Obwohl Salt Lake City zu den kleinsten Märkten landesweit gehört, behauptet sich die Mannschaft seit nunmehr fast 3 Jahrzehnten unter den erfolgreicheren Teams der Liga. Seit 1984 erreichte man - bis auf ganz wenige Ausnahmen - jedes Jahr die Playoffs. Insgesamt 24 mal in 27 Jahren. Das wird in der kommenden Saison nicht anders aussehen.