23 September 2010


Es hat sich ausgecoacht für Don Nelson, den Trainer mit den meisten Siegen aller Zeiten. Der 70-jährige wird in der kommenden Spielzeit nicht mehr auf die Bank der Golden State Warriors zurück kehren. Nelson wäre vertraglich eigentlich noch bis 2011 an die kalifornische Franchise gebunden. Die neuen Team-Besitzer Joe Lacob und Peter Gruber haben aber augenscheinlich beschlossen, einen neuen Weg zu gehen - ohne Nelson. Der bekommt sein Jahressalär (6 Mio $) freilich noch ausbezahlt und wird sich seinen Lebensabend gemütlich gestalten können.

Die notorisch erfolglosen Dubs wollen so einen klaren Schnitt machen und sich abwenden von der sportlichen Misere der letzten drei Jahrzehnte (nur 6 Playoff-Teilnahmen seit 1977). Mit Nelson geht nun der letzte Dinosaurier, eine augenscheinlich überholte Spielphilosophie und - so hofft man in Oakland - endlich auch die ewigen Niederlagenserien. Die aber hatten weniger mit Nelson zu tun als vielmehr mit dem desolat geführten Verein und den ständigen Kasperleien hinter den Kulissen.

Im Gegenteil sogar: bei 5 der 6 Playoff-Teilnahmen in den letzten 33 Jahren hielt Nelson das Trainerzepter in der Hand. Nelson coachte seine geliebten Warriors zunächst von 1988 bis 1995, ehe er im Streit mit dem ehemaligen Teambesitzer Chris Cohan (Höhepunkt der Fehde: diverse legale Auseinandersetzungen um Kompetenzen und Geld) das sinkende Schiff verliess. Erstaunlicherweise holte ihn eben jener Cohan im Jahr 2006 wieder nach Oakland, nachdem Nellie zwischenzeitlich die New York Knicks und Dallas Mavericks betreut hatte. Die Warriors kehrten unter der Ägide des Trainer-Urgesteins in die Playoffs zurück - zum ersten Mal seit 1994 - und bescherten Basketball-Fans jene unvergessenen 'We Believe' Momente beim sensationellen Triumph über die Dallas Mavericks (der erste Best of 7 Erfolg eines 8-platzierten Teams über eine Nummer 1).

Nachdem man 2007/08 trotz 48 Siegen die Playoffs in der grausamen Western Conference verpasste, ging es bergab. Das Team gewann nur noch 29 respektive 26 Spiele, feuerte den erfolgreichen Manager Chris Mullin und vergraulte die eigenen Fans. Während sich die Niederlagen ansammelten, wandten die sich immer mehr von Nelson und dessen sorgloser Run & Gun Spielweise ab. Auch in der abgelaufenen Saison waren die Warriors zwar das zweitbeste Offensivteam, was die Punkteausbeute anging (109 pro Partie). Gleichzeitig liessen sie sich aber unfassbare 112 pro Abend einschenken.

Damit soll nun endgültig Schluß sein. Da Coach Nelson kurz vor Ende der letzten Spielzeit den All-Time Sieges-Rekord knacken konnte (1335 in 31 Jahren), fühlt man sich bei Golden State nicht mehr dazu verpflichtet, ihn für ein weiteres Jahr zurück zu bringen. Zwar hatte Nelson erwähnt, sich auf die Betreuung von David Lee zu freuen und definitiv zurück kehren zu wollen. Gleichzeitig hatte der alte Mann aber auch eingeräumt, freiwillig seinen Hut nehmen zu können, falls das Management eine neue Richtung ohne ihn einschlagen wollte.

Gesagt, getan. Gruber/Lacob hatten den ganzen Sommer über schon darauf gepocht, noch vor dem Start des Trainingslagers Ende September eine Wachablösung an der Seitenlinie zu vollenden. Nachfolger von Nelson wird dessen bisheriger Assistant Coach Keith Smart. Den hatte Nelson höchstpersönlich empfohlen für den Fall, dass er ersetzt würde. Smart hat bisher erst eine (erfolglose) Trainerstation vorzuweisen: 2001/02 betreute er als Interimstrainer die Cleveland Cavaliers und beendete die Saison 9 zu 31.