15 September 2010


Wie gestern bekannt wurde, wird Tim Thomas, Forward in Diensten der Dallas Mavericks, wider Erwarten doch nicht am Spielbetrieb in dieser Saison teilnehmen können. Thomas' Ehefrau, die wieder schwer erkrankt ist (keine genaueren Details bekannt), verlangt seine vollste Aufmerksamkeit. Klar, dass da nicht an Basketball zu denken ist. Ob der 13 Jahre Veteran in dieser Spielzeit oder jemals wieder aufs Parkett zurück kehren wird, ist ungewiss.

Thomas hatte erst vor wenigen Wochen einen neuen Deal bei den Mavs unterzeichnet und war als Ersatzmann auf der Power Forward Position vorgesehen. Sein Ausfall löste nun mancherorts eine leichte Panikstimmung aus, einige (qualitativ minderwertige) Sportportale sprachen gar von einer handfesten 'Katastrophe'. Mitnichten, treue Mavs-Fans. Kein Grund, die Meisterschaftsambitionen zu vergraben und die Fan-Trikots zu verbrennen.

Wenngleich Thomas' Vielseitigkeit, Treffsicherheit von Downtown und Playoff-Intensität (weitaus höhere Karrierewerte in der Postseason, 13.3 Pts bei 44% Dreier) den Fohlen gut zu Gesicht gestanden hätte, müssen durch sein Aus kaum teaminterne Konsequenzen befürchtet werden. Realistisch betrachtet wäre selbst ein gesunder, produktiver Tim Thomas allerhöchstens Option Nummer 10 im Kader gewesen. Der 33-jährige hat aber in den letzten 5 Saisons nur einmal 65+ Spiele absolviert ('06/07) und gilt ohnehin nicht als verlässlicher Eisenmann.

Der ein oder andere fragt sich nun, wer die Minuten auf der Power Forward Position absorbieren soll, wenn Dirkules mal eine Verschnaufpause braucht. Die Antwort: Shawn Marion und Caron Butler. Klingt seltsam, ist aber so.

Dallas wird an den meisten Abenden mit einer Startformation Kidd-Butler-Marion-Nowitzki-Haywood ins Rennen gehen. Relevante Ersatzleute sind dann Jason Terry, Roddy Beaubois, JJ Barea und Tyson Chandler. Als grösstenteils redundante Bankspieler mit garantierten Deals können Alexis Ajinca, Dominique Jones, Ian Mahinmi und DeShawn Stevenson betrachtet werden. Wer Mavericks-Coach Rick Carlisle kennt, weiss mittlerweile, dass eine 2-Guard Lineup über weite Strecken zum seinem Modus Operandi gehört. Kidd-Terry. Kidd-Barea. Beaubois-Terry. Barea-Terry. Kidd-Beaubois. Die Möglichkeiten sind schier endlos. In diesem recht häufigen Szenario rückt Butler auf die SF-Position. Muss Dirkules einmal Platz nehmen, rutscht Marion einfach auf die 4 rüber. Carlisle spielt liebend gerne an seiner Rotation herum, probiert viel aus - auch Butler auf Power Forward sollte folglich niemanden überraschen in der kommenden Saison. ""He's going to play a lot of three, he's going to play some two and he may even play some four this year", gewährte Coach Carlisle schon mal Einblick in seine Pläne für Caron Butler.

Insgesamt werde die Tiefe und Vielseitigkeit der Mannschaft ein Segen in diesem Jahr sein, so Carlisle weiter. Man werde viele verschiedene Lineups nutzen und oft mit 10, manchmal sogar mit 12 Spielern agieren. Ausser Butler und Marion fällt einem noch Ian Mahinmi ein als mögliche Ersatzoption auf PF. Der Franzose ist ein imposanter Athlet (2,11m, 108 kg), der in einer schnellen Lineup in ein paar Minuten pro Spiel durchaus produktiv sein kann (letzte Saison in San Antonio 3.9 Pts, 2 Reb in 6 Minuten). Die Mavericks haben auch noch die Möglichkeit, im mittlerweile verwässerten Free Agent Pool nach Verstärkung zu fischen. Pops Mensah-Bonsu wäre noch eine Alternative. Der Brite kam vor zwei Jahren in Toronto auf 5 Punkte und 5 Rebounds im Schnitt (13 min.), terminierte diese Woche seinen Vertrag beim ZSKA Moskau und will sich im Trainingscamp eine Festanstellung bei einem NBA-Club sichern.

Alles in allem haben die Mavericks einen extrem tiefen Kader, ausgebuffte Veteranen satt, gutes Coaching, genug Länge, um es unter den Körben mit den Lakers aufnehmen zu können, und Dirk Nowitzki. Die Playoff-Enttäuschungen der vergangenen Jahre haben viele Fans zwar ernüchtert. Dennoch zählt Dallas auch in dieser Saison wieder zu den schärfsten Verfolgern in der Western Conference. Mit oder ohne Tim Thomas...