29 September 2010


Gilbert Arenas ist tot. Der Spassvogel wie wir ihn alle einmal kannten - der Blogger, Witzereisser und Dauerredner, der Publikumsliebling und Franchise-Spieler mit der Nummer 0, Agent Zero - er ist gestorben. Irgendwann in den letzten 9 Monaten. Aller Voraussicht nach elendig zugrunde gegangen an der ziemlich unlustigen Knarren-Geschichte im vergangenen Herbst.

Lang lebe Gilbert Arenas. Die neue Version. Eine Art Emo-Gil, unlustig, introvertiert, stillschweigend. Die neue Nummer 9. Mit Vollbart und einem tristen Blick, als hätte gerade seine sehr geliebte, sehr alte, sehr kranke Katze das Zeitliche gesegnet. Lachen und Schmunzeln absolut verboten. So traurig war's noch nie.

Arenas trat am Montag zum ersten Mal seit seiner Gerichtsverhandlung im März vor die Kameras und Mikrofone - und das nicht ganz freiwillig. NBA-Profis sind vertraglich dazu verpflichtet, Reportern und Journalisten Rede und Antwort zu stehen. Hatte der Guard in den vergangenen Jahren noch aus dem Nähkästchen geplaudert wie ein Wasserfall, so musste man ihm beim jüngsten Media Day die Worte mit Gewalt aus der Nase ziehen. Nur knapp 3 Minuten lang beantwortete der 28-jährige die an ihn gestellten Fragen, dann beendete ein Teamsprecher das freudlose Spektakel. Hier das faszinierende Ergebnis in Bild und Ton:




Arenas will also nur noch spielen. Nach 204 verpassten Partien in den letzten 3 Jahren (154 Knieverletzung, 50 Sperre) eine recht gute Idee seinerseits. Er will die Fans durch seine Leistung auf dem Parkett zurück gewinnen. Auch das ein ausgezeichneter Plan, denn Arenas ist auf ganz lange Zeit an die Wizards gebunden. Man muss miteinander klar kommen, egal was vorgefallen ist. Seinen monströsen 4 Jahres-, 80 Mio $ Vertrag wird kein Team dieser Welt in einem Trade absorbieren wollen - ganz egal, wieviel hochklassigen Basketball Arenas noch in sich birgt. Er tut also ganz gut daran, seine Spässe in Zukunft lieber für sich zu behalten.

Eins ist klar: Washington braucht Arenas nicht mehr. Die Franchise, dessen Gesicht er lange Zeit gewesen war, hat mittlerweile einen neuen Weg eingeschlagen. Neuer Besitzer (Ted Leonsis), neuer Führungsspieler (John Wall), Neu-Anfang. Schon letztes Jahr nahmen die Wiz nach dem peinlichen Schusswaffen-Fiasko alle Arenas-Trikots aus dem Verkauf und rissen alle Riesen-Billboards, die sein Konterfei trugen, im und um das Verizon Center herunter. Am liebsten hätte man den Agenten des schlechten Humors in diesem Sommer getradet, aber man bekommt ihn eben nicht los, diesen Gilbert. Also bat Club-Besitzer Leonsis die eigenen Fans, Arenas wieder ins Herz zu schliessen, wohlwissend, dass dieser bis 2014 den eigenen Salary Cap belasten wird.

Arenas ist aber schlauer, als es manchmal den Anschein hat. Er wird die Zeichen der Zeit längst erkannt haben. Die empfindliche Sperre könnte sich letzten Endes noch als Segen für seine Karriere erweisen. Durch sie konnte der Guard nämlich pausieren und sein lädiertes Knie regenerieren. Berichten zufolge soll Arenas, der über den Sommer erstmals mit Fitness-Guru Tim Grover in Chicago trainiert hat, so fit sein wie schon lange nicht mehr. Zudem wird er in der Offensive von Wizards-Coach Flip Saunders eine neue Rolle einnehmen müssen: weg vom spielgestaltenden Aufbau, hin zur reinen Scoring-Maschine auf der Off-Guard Position. Das kommt seinem Naturell zugute. Noch ist natürlich unklar, wie Arenas mit der geringeren Aufmerksamkeit um seine Person auf und ausserhalb des Platzes zurecht kommen wird. Er wird aber alles daran setzen, seine Zweifler eines Besseren zu belehren. Darum ja auch die neue Trikotnummer, die er als Erinnerung an seine Mutter auswählte, die ihn im Alter von nur 3 Jahren aussetzte und verschwand. Arenas' Fundort: die Overtown Ghettos in Miami, Apartement Nummer 9. Der Image- und Trikotwechsel soll seinen neuesten Kampf gegen alle Widerstände repräsentieren.

Solange Gilbert Arenas seine Freude für das Spiel auf dem Parkett ausdrücken kann, solange er, wie er selbst sagt, wirklich glücklich ist, und er nur noch an seiner sportlichen Leistung interessiert ist, muss man seine Wandlung sogar begrüssen. 25 Punkte pro Spiel sind nämlich allemal unterhaltsamer als der ein oder andere Schenkelklopfer zwischendurch.