26 September 2010



Als am Freitag das Trainingscamp der New York Knicks eröffnete, war die Stimmung euphorisch. Es wurde viel gelacht, Spieler, Trainer und Funktionäre waren ausgelassen ob des Neuanfangs im grossen Apfel. Nach Jahren der Verwirrung und Erfolglosigkeit weht ein laues Windchen der Hoffnung durch die Hallen der ehemals illustren Franchise - und das zurecht. Denn zum ersten Mal seit der Saison 2000/01 (48-34 Siege) haben die Knickerbockers wieder realistische Chancen auf eine 'Winning Season' und eine positive Bilanz. So was gab's schon lange nicht mehr in New York.

Nur ein Akteur, der sass und stand am Freitag immer abseits und passte irgendwie gar nicht ins neue, enthusiastische Bild bei Blau-Orange: Eddy Curry, der letzte Vertreter jener desaströsen Knicks-Tage, als Männer wie Stephon Marbury und Isiah Thomas noch für Negativschlagzeilen im Tagesrhythmus sorgten. Curry wirkte wie ein Relikt aus einem Land vor unserer Zeit, ein letzter, stinkender Müllsack, den jemand beim grossen Sommerputz im Madison Square vergessen hatte. Er gab sich bei Interviewterminen gelangweilt, wurde bei Trainingseinheiten ins dritte Team (mit den Rookies und Free Agent Kandidaten) degradiert und musste bei schnelleren Tempodrills sogar zuschauen.

Das war nicht etwa die Schuld von Coach Mike D'Antoni, den Curry gerne mal als Auslöser für seinen mangelnde Spielzeit (10 Einsätze) in den letzten beiden Jahren auserkort, sondern von Curry höchstpersönlich. Die fette Bulette meldete sich nämlich mit unfassbaren 148 Kilogramm Körpergewicht zum Dienst und strapazierte so die Knicks-Personen-Waagen bis aufs Äusserste. Sein Körperfettanteil dürfte mittlerweile bei 80 bis 90 Prozent liegen.

Anstatt sich fit zu machen für eine Rückkehr aufs Spielparkett, vegetierte Curry während des Sommers in seiner Heimat Chicago vor sich hin, verspeiste tonnenweise Eis und Fritten und dachte nicht im Traum daran, die Anrufe und Emails aus New York zu erwidern. Freiwillige Team-Workouts während der Summer League liess er ebenso sausen wie die Angebote der Knicks, mit den teameigenen Physiotherapeuten und Trainern Extraeinheiten zu schieben. Als sich die Mannschaft Anfang September - also Wochen vor Beginn des Trainingscamps - zu freiwilligen Scrimmages und Trainingsstunden versammelte, kamen alle Knicks-Spieler zusammen bis auf einen: Eddy 'Kein Bock' Curry.

So wundert es auch nicht, dass der Koloss wieder einmal verletzt in eine Pre-Season geht, wie bereits in den letzten beiden Spielzeiten. Sein Weh-Wehchen diesmal: Oberschenkel-Zerrung (hamstring strain), eine Verletzung, an der üblicherweise nur oberathletische Sprungfreaks und 50-jährige laborieren. Curry ist keines von beidem.

Die NBA-Tage des erst 27-jährigen, der noch vor vier Jahren 20 Punkte und 7 Rebounds im Schnitt ablieferte, sind natürlich gezählt. Er hat absolut keine Chance, in die Rotation von Coach Mike D'Antoni vorzudringen - es sei denn, für das Plattsitzen von Gegenspielern werden bald Siege gutgeschrieben. Ronny Turiaf und Timofey Mozgov sind ihm im Center-Minuten-Karussell Lichtjahre voraus. Curry's einzig verbliebener Wert für die Knicks ist sein 11.3 Mio $ Vertrag, der im kommenden Sommer abläuft. Entweder, Curry landet bis Februar als Trade-Köder in einem grösseren Paket der Knicks (etwa in einem potentiellen Carmelo Anthony Trade), oder aber sein Vertrag terminiert sich im Juli selbst - und eröffnet New York auf diese Weise Spendiermöglichkeiten für den Free Agent Jahrgang 2011. So oder so, über Eddy Curry, den Basketball-Spieler, muss dann kein Wort mehr verloren werden. Welch ein Segen...