Es gibt Menschen auf der Welt, die sind einfach ein Stückchen tougher als der Rest von uns. Die überwinden schwierigste Schwierigkeiten mit einer Kraft und Entschlossenheit, die zwangsweise Ehrfurcht und höchste Anerkennung auslösen müssen. Einer dieser Menschen ist George Karl, Head Coach der Denver Nuggets. Der 59-jährige musste in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal gegen den Krebs antreten, nachdem er den Drachen schon einmal (Prostatakrebs 2005) besiegt hatte. Auch diesmal behielt Karl die Oberhand und wird ab Oktober auf die Trainerbank zurück kehren. Ärzte hatten letzte Woche ihr Einverständnis dafür gegeben.
Bei Karl wurde während des All-Star Games im Februar Kehlkopfkrebs diagnostiziert. Ein herber Schlag für ihn persönlich, aber auch für die Denver Nuggets, die zu jenem Zeitpunkt mit 35 Siegen aus 53 Spielen direkt hinter den Los Angeles Lakers auf Platz 2 im Westen rangierten. Karl musste sich in den Folgemonaten äußerst strapaziösen Strahlenbehandlungen unterziehen, stundenlange Sessions die höllisch wehtun und in etwa genauso viel Freude machen wie von einem Mähdrescher durchmassiert zu werden. Denver verlor ohne seinen Coach komplett den Faden, rutschte bis auf Platz 4 ab und flog in der ersten Runde hochkant aus den Playoffs.
Karl hatte in der Anfangsphase der Strahlentherapie sogar noch gecoacht, obwohl er bereits in Behandlung war. Ein Tagesablauf sah dann zum Beispiel so aus: Spiel gegen Portland abends. Nach Hause um Mitternacht. Im Bett um 1 Uhr. Aufstehen um 5 Uhr. Krankenhaus um 6 Uhr. OP um 6:30 Uhr, um eine Schlauchsonde zur Nahrungsaufnahme in den Magen einführen zu lassen. Raus aus dem OP-Saal um 7 Uhr. Bestrahlung um 8 Uhr. Fertig um 10 Uhr. Heim. Kurzes Mittagsschläfchen um die Mittagszeit. Aufstehen um 14 Uhr und sich auf das nächste Spiel am Abend gegen Minnesota vorbereiten. Repeat...
Je intensiver die Therapie wurde (die Bestrahlungsstärke wird nach und nach erhöht), umso unerträglicher wurden die Schmerzen, und um so weniger Kraft blieb auch einem Kämpfer wie Karl. Der beklagte sich aber nie, und kündigte schon wenige Wochen nach seiner letzten Bestrahlung an, wieder auf die Trainerbank zurück kehren zu wollen. Seine Bestimmung im Leben sei das Coaching. Er kenne nichts anderes. Sobald die Ärzte die Zustimmung geben würden, müsse er einfach wieder an den Spielfeldrand zurück. Gesagt, getan.
Karl zählt nach wie vor zu den erfolgreichsten Trainern in der Geschichte des Sports. Seine Bilanz von 986 Siegen bei 671 Niederlagen ist ausgezeichnet, und so wird er in Kürze als erst siebter Head Coach überhaupt die 1000 Siege Marke knacken. Vorrausgesetzt, er findet wieder zu alter körperlicher Belastbarkeit zurück und übersteht die Strapazen einer langen NBA-Saison, kann George Karl die immer noch hochpotenten Denver Nuggets zurück ins Conference Finale führen. Wenn das jemand mit diesem Team bewerkstelligen kann, dann der Drachentöter.







6 Kommentare:
Sehr schöner Beitrag. Bin als Lakers-Fan natürlich wieder auf die Nuggets gespannt.
Würde auch gerne die beiden Mannschaften (Lakers/Nuggets) in Bestbesetzung wieder clashen sehn
Bei sowas kann man in jedem Fall nur den Hut ziehen.
erwähnenswert natürlich auch, dass sein sohn coby bereits krebs hatte. die haben schon echt viel durchgestanden...
george karl ist mehr als nur tough.
zweimal gegen krebs zu gewinnen ist eindeutig mehr!!
Karl dient uns allen als Vorbild im Umgang mit Krebs und gibt denen, die an Krebs leiden, Hoffnung, Motivation und Inspiration.
Ich finde, es bräuchte eine Auszeichnung für so ein Kaliber Mensch.
Aha, "Tougher als der Rest von uns", wie? Das würde ja im Umkehrschluss heissen dass alle die die unter uns am Krebs verrecken (und genau darum geht es hier) einfach nicht so "tough" sind wie George Karl? Dass sie demnach (zu) schwach sind? Dass sie im Duell gegen den Krebs ihrem Gegner nicht gewachsen sind, so wie Super-George, der schon zum zweiten Mal "gewonnen" hat?
Mann, mann – selten hab ich einen größeren Bockmist gelesen: George Karl klammert sich an sein Leben wie jeder andere der dem Tod ins Auge blickt, zusätzlich wird er dabei von der wohl fortschrittlichsten (und teuersten) Medizin der Welt unterstützt und am Ende bleibt dann immer noch die schlichet Wahrheit dass er einfach Glück hatte, zumindest mehr Glück als all die die ebenso kämpfen und dabei sang- und klanglos "verlieren".
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