21 September 2010


Ben Gordon schlug in Detroit zunächst ein wie eine Bombe. Als Free Agent von den Chicago Bulls gekommen, wusste der teure Neuzugang (58 Mio $ für 5 Jahre) zu Beginn durchaus zu überzeugen im neuen Pistons-Dress. Im Oktober/November 2009 erzielte die Bank-Mikrowelle noch knapp 20 Punkte pro Partie (19.8) und rechtfertigte die hohe Investition in seine Dienste. In den ersten 15 Spielen der Saison scorte Gordon neun Mal 21 oder mehr Punkte in einer Partie. Seine Entscheidungen auf dem Platz waren schnell, effizient und erfolgreich.

Dann verlor Gordon - praktisch über Nacht - seine Feurigkeit, seine Treffsicherheit und sein Selbstvertrauen. Von Dezember bis einschließlich März fiel sein Scoring-Schnitt auf 10.7 Punkte pro Spiel. Der Shooting Guard klatschte nur noch mickrige zwei Mal 21+ Zähler in den Boxscore. Die ständigen Lineup-Wechsel von Head Coach John Kuester, der irgendwie der vielen Verletzungen und unterirdischen Leistungen seiner Spieler habhaft zu werden versuchte, warfen Gordon vollständig aus dem Konzept. Er wusste nicht mehr, wann er ein- oder ausgewechselt wird, wieviel Spielzeit er erhält. Seine Leistungen litten sehr darunter und wurden immer schlechter. Vor allem im entscheidenden Schlußviertel war vom ehemaligen Killerinstinkt des 27-jährigen nichts mehr zu sehen.

"Frustrierend. Keiner wusste mehr, wieviele Minuten er am Abend bekommt. Ich dachte, ich finde meinen Rhythmus irgendwie schon noch. Aber es passierte einfach nicht. Eine Lernerfahrung für mich, ganz klar. Nächstes Mal bin ich darauf vorbereitet", reflektiert Gordon die abgelaufene Saison.

Für Bankspieler wie Ben Gordon sind zwei Dinge für den Erfolg unabdingbar: Einsatzzeit und Schüsse. Beides lässt sich nur über eine klar definierte, konstante Rotation gewähren. Obwohl viele Beobachter Richard Hamilton und dessen 34 Minuten pro Partie für Gordon's Misere verwantwortlich machen wollten, hatte 'Rip' mit dem historischen Tief seines Backups nicht das Geringste zu tun. Dann schon eher Coach Kuester, der über weite Strecken planlos schien und erst im April wieder begriffen hatte, wie er seinen Edeljoker effektiv ins Teamkonzept zu integrieren hat. Der Neu-Piston dankte fürs ausgesprochene Vertrauen mit 20 April-Punkten im Schnitt.

Kuester und die Pistons dürften mittlerweile begriffen haben, dass ein begnadeter Scorer wie Gordon (18.5 Punkte pro Spiel in seinen ersten fünf NBA-Jahren bei den Chicago Bulls) ein zu wertvolles Anlagegut ist, um ein Schattendasein auf der Motown-Ersatzbank zu fristen. Trotz einer momentanen Blockade auf der SG-Position (Gordon, Hamilton, Neuzugang Tracy McGrady) wird das Team aus der Autostadt irgendwie versuchen müssen, den nur 1,90m grossen Offensivkünstler auf dem Parkett zu halten. Er ist der mit Abstand gefährlichste Scorer im Team und kann einer offensiv schwachen Mannschaft wie Detroit (letztes Jahr Platz 29 ligaweit mit gerade mal 94 Punkten pro Spiel) nur gut tun.

Mit 30+ Minuten im Schnitt wird der stets hart arbeitende Gordon problemlos an seine glanzvollen Bulls-Tage anknüpfen und seine magersüchtige Punkteausbeute aus der letzten Saison (13.8) zerschreddern können.