29 September 2010


Back to the Basics - das ist das Motto der Washington Wizards in der neuen Saison, auserkoren von Head Coach Flip Saunders höchstpersönlich. Eine Stimmung des Wandels lag in der Luft, als die Wizards am Montag in die neue Saison aufbrachen. Nur vier Spieler standen zum gleichen Zeitpunkt vor einem Jahr im Roster der Zauberer - Gilbert Arenas, Javale McGee, Andray Blatche und Nick Young. Viele neue Gesichter, vor allem junge Spieler, gilt es heuer zu integrieren. Für einen Coach wie Saunders ist die aktuelle Struktur des Kaders ideal: so kann er viel lehren und seinen Schützlingen grundlegende NBA-Skills mit auf den Weg geben. Back to the Basics eben.

ipads für Alle

Um seine Ideen schneller und effizienter an den Mann zu bringen, liess Saunders an alle 19 Spieler im Camp brandneue Apple ipads verteilen. Die kosten zwar knapp 500 $ pro Stück - eine Investition, die sich laut Saunders aber auszahlt. "Man kann eine Menge Dinge damit anstellen. Unsere gesamten Spielzüge sind drauf. Letztes Jahr war unser Spielbuch so dick, dass eine einzelne Ausgabe knapp 200 $ allein an Druckkosten verursacht hat. Mit den neuen ipads können unsere Spieler überall die Set Plays einstudieren. Ausserdem können wir so jedem Spieler individuelle Video-Analysen schicken, die er dann zu Hause ansehen kann", erklärte Saunders die Vorzüge der Äpfel.

Gleich fünf Rookies stehen im Trainingskader der Wizards: John Wall, Kevin Seraphin, Trevor Booker, Hamady Ndiaye und Kevin Palmer. Weitere vier Lotteriepicks seit 2006 (Adam Morrison, Yi Jianlian, Al Thornton und Hilton Armstrong) komplettieren die derzeitige Wizards-Lineup. Jung ist offensichtlich Trumpf in der Hauptstadt. Der Hauptaugenmerk gilt natürlich Wall, dem Nummer 1 Zufalls-Pick im letzten Draft, der von der ersten Minute an die Wizards-Wagenschlüssel in die Hand gedrückt bekam. Er wird als Heilsbringer angesehen, der im Alleingang die Niederlagenserien stoppen und das negative Licht, in dem Franchise erscheint, umkehren kann. Coach Flip Saunders nahm Wall gleich von Beginn unter seine Fittiche, lud ihn während der Offseason mehrmals zu sich nach Minnesota ein und wird seine Guard-lastige Offensive noch mehr als letztes Jahr auf die Eins zuschnibbeln. Allerdings sollte man von Wall nicht auf Anhieb Wundertaten erwarten. Der Junge ist vor drei Wochen erst 20 geworden, und im Gegensatz zum College, wo er nach Belieben aufdrehen konnte, wird er in der NBA einige Wachstumsstörungen durchlaufen müssen. Bei den allabendlichen Wettstreitern auf der PG-Position (Paul, Williams, Nash, Rondo, Rose, Westbrook, etc.) auch kein Wunder. Hier kommt Kirk Hinrich, der Neuzugang aus Chicago, ins Spiel. Der Veteran soll, ähnlich wie bei den Bulls mit Derrick Rose, eine Mentorenrolle übernehmen und dem Wizards-Rookie durch solides Profiverhalten den rechten Weg weisen.

Howard erholt sich, Blatche fast 100%

Die Verletzten Josh Howard (Kreuzbandriss) und Andray Blatche (Fuss-OP) sprachen am Montag über ihre Verletzungen. Howard's OP liegt nun 6 Monate zurück. Er nahm nicht an den Workouts teil, fuhr aber Fahrrad und scheint mittlerweile schmerzfrei zu sein. Wann er aber aufs Parkett zurück kehren wird, ist fraglich. Bei seinem Comeback wird sich Howard mit dem Chinesen Yi sowie Nick Young um Minuten auf der Small Forward streiten müssen. Blatche hingegen hat letzte Woche grünes Licht von den Ärzten erhalten, und ist auf dem Weg zu alter Leistungsstärke. Der Power Forward hat in der Offseason ein paar Kilogramm Muskelmasse zugelegt und konnte in den ersten Trainingseinheiten bereits mit seiner Fitness überzeugen (teamschnellster bei diversen Sprint-Workouts, noch vor Wall). Die Wizards hoffen, dass der 24-jährige nach seiner Post All-Star Coming-Out Party (21 Pts, 8 Reb seit Februar) einen weiteren Schritt nach vorne machen und sein grosses Potential konsolidieren wird.




Geringe Erwartungshaltung

Wer glaubt, dass Pilot Wall sein Wiz-Mobil gleich im ersten Jahr in die Playoffs manövrieren wird, ist schief gewickelt. Nur vier Nummer 1 Picks konnten seit Anbeginn der Draft-Lotterie 1985 ihre neuen Teams gleich in die Postseason führen: David Robinson, Chris Webber, Tim Duncan und Derrick Rose. Deren Teams waren damals jedoch viel besser, als die neuen, jungen Wizards von Wall & co. Nur drei Spieler im aktuellen Kader haben mehr als 6 Jahre NBA-Erfahrung. Die Mannschaft befindet sich im klaren Neuaufbau, und man sollte ihr die Zeit dafür zugestehen. Die Tatsache, dass man in der brutalen Southeast-Division antreten muss, in der auch Miami, Orlando, Atlanta und Charlotte spielen, bedeutet fast automatisch Division-Platz 5 und damit wohl gleichzeitig auch, dass man die Playoffs in der Eastern Conference klar verpassen wird.