26 August 2010





Massenansammlung im Trainingskomplex der Houston Rockets, wo zwei NBA-Akteure und ein D-Leaugue Spieler ein paar Moves praktizierten und ein bisschen 1 gegen 1 spielten. An sich kein weltbewegendes Ereignis, es sei denn einer der Spieler ist Yao Ming. Und genau der wurde diese Woche in einem 15-minütigen Intermezzo der Presse vorgeführt. Der Fuss des 2,29m Riesen ist wieder komplett verheilt, der Teamarzt Tom Clanton gab nach ausgiebigen Untersuchungen grünes Licht für eine vollständige Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb.

Ming hatte sich am 8. Mai 2009 während der Playoffs einen Haarriss im linken Fuss zugezogen. Trotz intensiver medizinisch-therapeutischer Maßnahmen wollte der Fuss einfach nicht verheilen. Das Karriereende drohte. Yao und die Rockets entschieden sich für eine komplizierte OP. Der Haarriss wurde am 21. Juli 2009 fixiert, zusätzlich liess man die Knochen in Yao's Fuss komplett neu anordnen, um in Zukunft weitere Probleme vermeiden zu können. Fussknochen sind einfach nicht dafür geschaffen, hin- und herspringende 140-Kilo Kolosse zu tragen.

Ironischerweise war Yao, der 2002 von Houston an 1. Stelle gedraftet wurde, in seinen ersten drei Profisaisons ein richtiger Eisenmann, verpasste nur 2 von 246 möglichen Partien. Dann, im Sommer 2005, begann die chinesische Nationalmannschaft unter strikter Vorgabe der kommunistischen Partei, Ming vermehrt für Test- und Länderspiele zu beanspruchen. Mit Blick auf die Olympiade 2008 im eigenen Land, bei der man die Basketballwelt beeindrucken wollte (und kläglich scheiterte), mussten die Chinesen eine Vielzahl von meist überflüssigen Partien absolvieren. Qualifiziert war man als Gastgeber ja ohnehin schon. Die Mehrbelanstung ging zusehends auf Kosten von Yao's Gesundheit. Der sanfte Riese hatte fortan ständig mit Verletzungen zu kämpfen, verpasste in den nächsten drei NBA-Saisons 25, 34 und 27 Partien. Dann kam der Fussbruch in 2008/09. Letzte Saison verbrachte der 7-fache All-Star vollständig in Zivil und an der Seitenlinie. Macht insgesamt 173 verpasste Spiele in 5 Jahren.

Klar, dass die Rockets in Zukunft besonders aufpassen werden auf ihren Franchise-Spieler. General Manager Daryl Morey hat bereits durchblicken lassen, dass Yao mit Beginn des Trainingscamps (25. Sep) vollständig integriert sein wird, man seine Spielzeit aber kontrollieren müsse. Mehr als 25-30 Minuten pro Partie dürften denn auch nicht drin sein, wenn die Saison Ende Oktober wieder losrollt. "Ich bin konditionell in einer ganz miesen Verfassung", so ein selbstkritischer, aber sichtlich zufriedener Yao am Dienstag. "Ich arbeite aber weiter hart, es sind ja noch 2 Monate bis zum Saisonstart. Es war eine ganz schlimme Zeit, sehr frustrierend, ich wünsche das keinem. Jetzt aber sieht's wieder positiv aus. Ich bin glücklich und habe zur Feier des Tages sogar einen Cheeseburger gegessen. Ich hoffe, ich kann's wie Big Z machen."

Augerechnet Zydrunas Ilgauskas gilt also als grosses Vorbild für Yao's Comeback-Hoffnungen. Der Litauer brach sich 1998 in seiner zweiten Saison ebenfalls den Fuss, liess ihn reparieren und setzte ein ganzes Jahr aus. Nach seiner Rückkehr 2001 blieb der 2,21m Riese fast sieben Jahre lang so gut wie verletzungsfrei und spulte seine produktivsten NBA-Jahre herunter (ca. 15 Pts, 8 Reb im Schnitt).

Ähnliches erhofft man sich in Houston auch von Yao Ming. Die Rockets werden in der kommenden Saison sicherlich nicht um den Titel in der Western Conference mitspielen. Als Best Case Szenario ist höchstens ein Playoff-Platz auf 7 oder 8 mit anschließendem First-Round Aus realistisch. Ohne grossen Druck kann man Yao also langsam wieder ans NBA-Tempo heran führen und das Team für die kommenden Jahre optimieren. Man darf davon ausgehen, dass der Chinese nächsten Sommer einen neuen Multi-Jahres-Vertrag in Texas unterschreibt, nachdem er diesen Sommer seine Spieleroption für 2010/11 (letztes Vertragsjahr, 17.7 Mio $) zog, und somit weiterhin Franchise-Spieler und Building Block bleibt. Mit Kevin Martin, Aaron Brooks, Luis Scola, Courtney Lee, Kyle Lowry, Chase Budinger, Chuck Hayes, Jordan Hill und Patrick Patterson verfügt das Team über eine Vielzahl von jungen, aufstrebenden Spielern. Der Manager gehört zur Creme de la Creme der Liga und wird seine Sache auch in Zukunft ausgezeichnet machen. Der Coach (Rick Adelman) ist top, die Fans stehen hinter der Mannschaft, die ganze Franchise wird von oben bis unten hochprofessionell geführt. Fehlt für Houston eigentlich nur noch ein gesunder Yao Ming, der in fittem Zustand zu den drei besten Centern der Liga zählt (Karriereschnitt 19 Pts, 9 Reb, 2 Blk, 53% FG, 83% FT), um sich in zwei bis drei Jahren in den Contender-Kreis zu spielen. Oder ... ?