10 August 2010


Tracy McGrady wird in der kommenden Saison für die Detroit Pistons auflaufen. Der Free Agent einigte sich heute mit dem Eastern Conference Team auf einen 1-Jahres-Vertrag, der ihm 2010/11 den Veteran's Minimum einbringen wird (knapp 1.4 Mio $). Die finanziellen Einbußen nimmt der 31-jährige McGrady gerne in Kauf, nachdem er letzte Saison im letzten Vertragsjahr seines Megadeals mehr als 23 Millionen Dollar (!) einstreichen konnte.

McGrady wird nach zwei verletzungsgeplagten Saisons alles daran setzen, in Motown wieder an seine alten Glanztage anzuknüpfen. Wann immer der Shooting Guard/Small Forward gesund war, gehörte er zu den dynamischsten Offensivspielern seiner Generation. Sein Karriere-Punkte-Schnitt liegt immer noch bei 22 pro Partie - und das, obwohl er wegen massiver Verletzungsprobleme nur 65 Spiele seit der 2007/08 Saison absolvieren konnte. McGrady arbeitet seit mehreren Monaten bei Fitnessguru Tim Grover in Chicago an seinem Comeback. Berichten zufolge ist das lädierte Knie (Microfracture Surgery) wieder fit und T-Mac in Topform. "Ich habe gegen ihn gespielt, er ist ganz klar wieder das alte Biest", erklärte zum Beispiel Pistons-Ersatz-Guard und künftiger Teamkollege Will Bynum, der diesen Sommer ebenfalls bei Grover in Chicago trainiert. Grover selbst: "Tracy arbeitet seit langer Zeit wie besessen. Das Knie wurde mit der Zeit immer stärker, wir haben ausserdem die ganzen Disbalancen in seinem Körper nach und nach beseitigt. Die Leute werden nächste Saison von seinem Spiel und seiner Fitness überrascht sein."

Bei den Pistons ist einer wie McGrady in der Tat hervorragend aufgehoben, denn was die meisten nicht wissen: Detroit verfügt mit Arnie Kander über den wohl besten Physiotherapeuten in der gesamten Liga. Die tägliche Arbeit mit einem Top-Mann wie ihm wird wahre Wunder bewirken. Man munkelt, dass Kander einer der Hauptgründe für McGrady's Unterschrift beim dreimaligen NBA-Champion (1989, 1990, 2004) war. Auch den uralten Ben Wallace hatte die ganze Welt nach drei verletzungsgeplagten Jahren abgeschrieben. Kander bekam den ehemaligen Defensive Player of the Year trotzdem wieder fit. 'Big Ben' lieferte letzte Saison knapp 9 Rebounds, 1.2 Steals und 1.2 Blocks im Schnitt - und mit 35 Jahren die zweitbeste Trefferquote seiner Karriere.

Schafft es McGrady, einigermassen gesund zu bleiben, winkt ihm im nächsten Sommer ein letzter grosser Zahltag. Wie gesagt, der siebenfache All-Star ist "erst" 31. Zwar alte und verbrauchte 31, dennoch schlummern irgendwo tief in ihm noch zwei, drei produktive Jährchen NBA-Basketball. Dazu muss er in aller erster Linie gesund bleiben. Gelingt das, bringt der zweifache Scoring-Champion (2003, 04) dringend benötigten Scoring-Punch in die Autostadt. Die Pistons waren in der letzten Saison das zweitschlechteste Offensivteam der Liga, erzielten mickrige 94 Punkte pro Partie.

Obwohl der Neuzugang ansonsten wenig zur Lösung der wahren Detroiter Probleme beiträgt (zu viele Perimeter-Spieler, mangelnde Masse und Klasse unter den Körben, kein Floor General in Sicht), ist das Risiko seiner Akquisition auf Seiten der Pistons äusserst gering. Im Gegenteil: dank McGrady eröffnen sich nun viefältige Handlungsmöglichkeiten für Manager Joe Dumars, der seit den Tagen von Rasheed Wallace auf einen echten Transfercoup wartet. Nun kann Joe D. konzentriert auf jenen potentiellen Trade hinarbeiten, um Rip Hamilton und/oder Tayshaun Prince loszuwerden, ohne dass ihm täglich der Schalk im Nacken sitzt. Hamilton gilt aufgrund seines Monster-Deals (noch 3 Jahre, 38 Mio $) als kaum austauschbar. Prince hingegen (1 Jahr, 11 Mio $) wird, spätestens zur Trade Deadline im Februar, heiss begehrt sein und tritt folgerichtig seine wohl letzte Saison im Pistons-Jersey an. Auch ein wieder erstarkter Tracy McGrady könnte im Frühjahr bei dem ein oder anderen Contender Interesse wecken. Idealerweise spränge auf diesem Wege ein junger, dringend benötigter Frontcourt-Spieler für Detroit hervor.

Die momentane Blockade auf der Zweier/Dreier Position (Prince, Hamilton, Gordon, Daye, McGrady) wird also schon bald der Vergangenheit angehören. Man darf in der neuen Saison einen hoch motivierten McGrady antizipieren. Er wird brav von der Bank kommen, Instant Offense bereit stellen, und dank seiner Fähigkeiten bei den Assists (Karriereschnitt: 4.7) auch im Spielaufbau aushelfen. Er wird alles daran setzen, zu beweisen, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört, sich dementsprechend reinhängen. Und ganz nebenbei wird er Detroit doppelt helfen: mit seinem Spiel auf dem Platz, sowie als extrem günstiger Dominostein beim Wiederaufbau dieses maroden, herunter gekommenen Teams, das seine besten Tagen hinter sich hat. Passt irgendwie saugut zusammen, T-Mac und die Pistons...