11 August 2010


Die New Jersey Nets waren schon seit Monaten auf der Suche nach einem Power Forward, den sie ihrem jungen Eckpfeiler Brook Lopez an die Seite stellen können. Ein Spieler wie Troy Murphy ist die Ideallösung für Coach Avery Johnson und sein Team. Murphy ist ein Double-Double Spieler, stark im Rebounding und als Punktesammler solide. Der 30-jährige erzielte in der abgelaufenen Saison 14.6 Punkte und griff sich 10.2 Rebounds ab. Mit seiner Fähigkeit, den Distanzwurf sicher und konstant zu setzen, sowie seinen für einen Big Man überdurchschnittlichen Pass-Qualitäten ist er das perfekte Pendant zu Lopez' eher traditionellem Center-Spiel in der Zone. Murphy wird auf der Power Forward Position starten. Das hat für den Rookie der Nets, Derrick Favors, einen entscheidenden Vorteil: er kann langsam an das NBA-Geschehen heran geführt und entsprechend aufgebaut werden, muss nicht von Beginn an Abend für Abend eine Hauptrolle im Frontcourt übernehmen. Ausserdem gut für die Nets: Murphy's Vertrag (1 Jahr, 12 Mio $) läuft schon nächsten Sommer aus. Das Team kann also in aller Ruhe evaluieren, ob und wie der 'Hometown Boy' (in New Jersey geboren und aufgewachsen) ins Zukunftskonzept der Nets passt - und ihn gegebenenfalls längerfristig binden. Oder aber Murphy wird im Februar zu einem Contender getradet. In dem Fall spränge für New Jersey weitaus mehr ab, als sie für den neuen Spieler zahlen mussten.

Die Nets verlassen wird Courtney Lee, der nach Houston wechselt. Der Trade ist für die Rockets aus mehreren Gründen ein Gewinn. Zum einen ist Lee ein junger, billiger, gefährlicher Spieler mit viel Potential. Der 24-jährige, der je eine Profisaison in Orlando und New Jersey absolvierte, überzeugte bisher als vielseitiger Offensivspieler (Karriereschnitt 10.3 Punkte) mit sicherem Wurf und konnte zudem auch in der Defensive seine Skills unter Beweis stellen (letztes Jahr 1.3 Steals). Bei den Rockets wird Lee hinter Kevin Martin von der Bank kommen oder aber - und das ist vielleicht noch wahrscheinlicher - in die Startformation rücken. Martin würde in dem Fall auf die Small Forward Position ausweichen, die Mannschaft hätte eine gefährliche Offensivoption mehr in ihren Reihen - ganz nach dem Geschmack von Offensivguru Head Coach Rick Adelman. Ein weiteres Plus für die Rockets: Lee kommt billiger als Einkaufen bei Kik. Der Guard verdient nächste Saison läppische 1.3 Mio. Houston hält zudem Teamoptionen für 2011/12 (2.2 Mio $) und 2012/13 (3.2 Mio $). Durch den Abgang von Trevor Ariza, der in Houston die Erwartungen auf Small Forward nicht erfüllen konnte, sparen GM Daryl Morey und das Team knapp 20 Millionen US-Dollar. Lee ist in etwa genauso effektiv wie Ariza (PER von 12.8 gegenüber 13.4), dafür aber jünger und sechs mal günstiger. Eine 6 Millionen Trade-Exception gab's auch noch dazu. Steal für Houston.

Trevor Ariza
wird künftig in New Orleans durch die Lüfte fliegen. Der Small Forward verstärkt den Flügel bei den Hornissen, eine traditionell schwach besetzte Position (Julian Wright, JR Smith, Bostjan Nachbar, etc...). Ariza wird auf Anhieb zum athletischsten Spieler des Vereins und sollte an der Seite von Chris Paul vor allem im Transition Spiel zu vielen leichten Punkten gelangen. Das muss er auch, denn seine ehemals kernige Trefferquote (.493 von 2006-09) fiel letztes Jahr im ersten Starting Gig seiner Karriere bei den Rockets abrupt in den Keller: 39 Prozent aus dem Feld, 65 Prozent von der Linie. Furchtbare Werte, die Ariza's grosse Schwäche offenbaren: er kennt den Unterschied nicht zwischen einem guten Wurf und einem schlechten. Abhilfe schafft hier sicherlich der beste Point Guard der Liga, der seinem neuen Swingman viele leichte und hochprozentige Körbe auflegen wird. Dennoch ist die Vepflichtung von Ariza kein Volltreffer. Erstens: der Vertrag des 25-jährigen ist mit 28 Millionen bei 4 weiteren Laufjahren ziemlich happig. Man konnte zwar James Posey's ungeliebten Deal abladen (noch 2 Jahre, 13.4 Mio $), bürdet sich aber zwei zusätzliche Jahre Ariza zu ähnlichen Konditionen auf. Zweitens: New Orleans verliert in dem Deal Darren Collison, eigentlich Ersatzmann und Lebensversicherung von und für Chris Paul. Ein herber Verlust in meinen Augen. Zwar verbessern die Stechinsekten durch den Trade ihre Startformation und werden um einen der unteren Playoff-Plätze im Westen mitspielen. Durch die vielen Abgänge ist aber so gut wie keine Tiefe im Kader mehr übrig. Das Management muss hier dringend noch etwas tun in den nächsten zwei Monaten, denn eine einzige Verletzung (vor allem von Paul) wird automatisch die Draft-Lotterie bedeuten.

Die Pacers treffen den Jackpot in diesem Deal und müssen als klarer Gewinner angesehen werden. Das Team war seit Jahren auf der Suche nach dem passenden Point Guard. Seit den Tagen von Mark Jackson sehnt man sich in Indianapolis nach einem Floor General, einem echten Einser, der imstande ist, das Spiel zu lenken und das Offensivkonzept des Coaches auf dem Platz umzusetzen. Check, check und check.
Darren Collison ist genau das Puzzlestück, das den Pacers so dringend gefehlt hat. Der Rebuild kann nach der Akquisition des 22-jährigen in die nächste Phase fortschreiten (und ich muss mein bereits verfasstes Pacers-Profile, dessen Post eigentlich für morgen vorgesehen war, verwerfen und neu verfassen). Mit Collison, Danny Granger und Roy Hibbert hat Team-Präsident Larry Bird nun einen starken Nukleus beisammen, um den herum man wieder einen Winner aufbauen kann. Collison kam in seiner Rookie-Saison als Starter auf phänomenale 18.8 Punkte und 9.1 Assists im Schnitt. Diese Werte könnte Collison im High-Speed Angriff von Coach Jim O'Brien ohne Probleme duplizieren. Beeindruckend: nur sechs NBA-Spieler erzielten letztes Jahr als Starter mehr als 10 Punkte und 9 Assists im Schnitt - Collison, Chris Paul, Deron Williams, Steve Nash, Jason Kidd und Rajon Rondo.

Zwar musste Indiana auch den überteuerten Vertrag von
James Posey absorbieren. Da man aber über Salary Geld satt verfügt, und bisher nur knapp 18 Millionen für 2011/12 angelegt hat, ist das aber (finanziell) kein grosses Problem. Posey ist nun einer von sechs SG/SFs im Team. Dafür klafft jetzt auf der Power Forward Position ein grosses Loch nach dem Abgang von Troy Murphy. Gut möglich also, dass Larry Bird in den nächsten Wochen und Monaten weitere Trades einfädeln wird, um die Schräglage des Kaders vor dem Training Camp zu stabilisieren.


nbachef meint: Vorteil Indiana, Nachteil New Orleans